13. Etappe: Haslach – Zell am Harmersbach

Ich kam im Regen an und im Regen bin ich wieder gegangen. Nach einer schlaflosen Nacht, die der weiteren Reiseplanung geschuldet war, ging es also eher schlechtgelaunt los. Der Ort selber ist recht nett, alte Häuser, gepflasterte Gäßchen und Plätze auf denen Cafes ihre Stühle platziert haben. Aber ich wollt nur noch weiter. Vielleicht wartet ja hinter dem nächsten Berg die Sonne auf mich. Dazu verlasse ich das Tal der Kinzig um mit ein paar Schlenkern durch kleinere Seitentäler schlußendlich nach fünf Stunden durchweicht in Zell am Harmersbach einzulaufen.

Hier wurde in meiner Unterkunft heute Konfirmation gefeiert, und zwar nicht im kleinen Kreis wie im Schwäbischen, sondern mit 25 Leuten. Ganz große Nummer. Alle in feinem Zwirn. Die Frauen alle nochmal beim Friseur gewesen und – früher hätte man gesagt, bei Neckermann bestellt – irgendwoher noch was neues zum Anziehen besorgt. Bei den einen ein wenig zu sehr in noch zu organisierende Bikinifigur bestellt und bei den anderen zu sehr auf irgendwen aus dem Fernsehen geschielt, wobei der Dorffriseur das nicht gerafft hat. Mit großer Grandezza finde ich dann immer die ganz alten Semester, die eben das auftragen, was sie seit den Siebzigern jhaben und was noch pfenniggut ist. Da kommt auch schonmal was Ärmelloses bei raus. Die Jungs haben seit ihrer Hochzeit immer mitwachsend einen dunklen Anzug, der es bei Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen tun muß. Schade ist, daß die meisten erst immer nach dem aktuellen Anlaß mal auf die Idee kommen eine Nummer größer zu tragen. Das ist zum Schmunzeln, tut der Sache aber keinen Abbruch, weil die alle einen Heidenspaß miteinander hatten. Und es gab Fleischplatten, Gemüseplatten und mehrere Sorten Stärkebeilagen, sowie ne Suppe vorneweg und irgendein neumodisches Dessert, aber eben kein Eis mit heißen Kirschen. Und ich durfte vorne in der Nähe der Theke sitzen und mein Zielbier genießen. Dann aufs Zimmer, heiß duschen und relaxen. Fein.
Abends hab ich dann noch im Schnelldurchgang Zell angeschaut. Das ist auch ein feiner Ort, aber irgendwie zu klein, um für ne Woche Abwechslung zu bieten. Also wieder in die Unterkunft, wo die Konfirmation mittlerweile das Feld geräumt hatte. Ich wählte ein Zigeunerschnitzel, was ich seit gefühlten 100 Jahren schon nicht mehr gegessen habe, mit Pommes und Salat, wie es sich gehört. Und es war gut. Kein paniertes Schnitzel und keine Sauce aus dem Eimer, sondern mit frischen Paprikastreifen.

Was dann folgte, war ein interessantes Gespräch mit dem Gastwirt, seines Zeichens der letzte ausgebildete Kellner in der Ortenau. Die übrigen ausgebildeten Serviceleute heißen mittlerweile Restaurantfachfrau/-mann. Und der hat den Laden schon vor vielen Jahren übernommen, als der Schwarzwald noch ein echterdings angesagtes Reiseziel war und man mit Langneseeis die Leute noch locken konnte. Irgendwie hat sich der Laden mittlerweile mehrmals neu erfunden und seit ein paar Jahren läufts wieder halbwegs gut, weil der Herr des Hauses seine Hobby in die Waagschale geschmissen hat. Der zaubert nämlich und mittlerweile eben auch auf Taufen, Konfirmationen, Geburtstagen, Firmenfeiern und Jubiläen. Auf meine Nachfrage, ob er auch bei Beerdigungen zaubert, guckte er dann eher sparsam. ☺ Auf jeden Fall eröffnete das Gespräch einen tiefen Einblick in die Tourismusregion Schwarzwald, die als Landschaft und als Kulturregion einfach mehr verdient hat, als den morbiden Charme, den hier vieles ausdünstet. Aber mir gefällt das hier und morgen geht es dann entgültig Richtung Rheintal. Mit dem Gedanken und dem Wunsch nach ein bisserl Sonnenschein leg ich mich hin.