30. Etappe: Abbaye d‘ Acey – Mont Roland (Dole)

Da es ein langer Tag werden würde, war ich bereits um 7:00 beim Frühstück. Alleine, weil just um die gleiche Uhrzeit die Frühmesse stattfand. Das fand ich, nach der Begegnung mit den Dorfheiligen am Abend vorher, nicht wirklich schlimm. Der Herbergsvater hatte mir auch bereits gestern erklärt, wo alles ist. Und dann? Nescafe auf dem Tisch, also nicht dieses Clooney-Zeugs, sondern löslicher Kaffee. In Frankreich. Eigentlich unglaublich. Aber eine lustige Wiederbegegnung mit den Kaffeegenüssen meiner Kindheit. Wenn damals nämlich von einer guten Tasse Filterkaffee die Rede war, war das die Ausnahme für Sonn- und Feiertage. Unter der Woche gab es sonst halt Nescafe. Und mir hat er heute geschmeckt. Der Rest vom Frühstück auch, aber auch diese Brüder haben einen Hang zu Plastikverpackungen von Marmelade und Jogurt.

Und dann gings auf die Strecke Richtung Mont Roland, der hoch über dem Tal der Doube thront. Bestes Wetter und schöne Fernsichten. Auch die Landschaft und die Infrastruktur verändert sich langsam. Es steht weniger zum Verkauf, es gibt gelegentlich Infrastruktur und teilweise sogar Neubauten. Was mir dabei auffällt, ist der französische Hang zum Dachziegelhorten. Teilweise begegnen mir die Vorräte sogar im Wald gelagert oder – wahrscheinlich völlig veraltete Modelle – als geschredderter Wegebelag. Aber auch um und am Haus werden die Ziegel, gerne auch öffentlichkeitswirksam, gelagert. Was das soll? Keine Ahnung.

Und dann biege ich etwa zwei Gehstunden vor dem Ziel um die Ecke und sehe das Ziel bereits vor mir. Hoch auf einem Berg thront die Wallfahrtskirche Notre Dame de Mont Roland, und das seit 1089. So richtig prächtig ausgebaut wurde der Tempel aber erst im 19.Jahrhundert. Ich fand es auf jeden Fall beeindruckend, das Ziel meiner Wanderung schon von weitem so sehen zu können. Dann ging es ab in den Wald, da hab ich die Kirche nicht mehr gesehen, aber irgendwann stand ich direkt davor. Das war weniger irritierend als die zahlreichen portugiesischen Flaggen und all die Zischlaute um mich herum. Anscheinend hat das auch die Herbergseltern so irritiert, daß sie die Segel im Kirchenschiff gestrichen haben und ich mir eine andere Unterkunft suchen mußte. Das war auch nicht schwierig, weil Dole, die Stadt am Fuße des Berges, durchaus industrialisiert ist und deshalb am Wochenende Hotelkapazitäten über sind, die preisgünstig auf den einschlägigen Plattformen verhökert werden. Die liegen dann zwar nicht sonderlich romantisch im Altstadtbereich, sondern an der Peripherie, aber bei ca. 25.000 Einwohnern ist das ein knapper Kilometer.

Was mehr als ein Kilometer ist, sind die vier Kilometer von der Kirche zum Hotel. Das kann sich nicht nur ziehen, das zieht sich. Aber auch vor dieser Hoteltür stand ich schlußendlich. Und eingecheckt. Füße hoch und power relaxing. Dann in die Stadt. Und an dieser Stelle ist es dann Zeit Pardon zu erbeten. Pardon für dreißig Jahre dran vorbeifahren. Pardon für dreißig Jahre bei Dole immer an eine Bananenmarke denken. Ich war echt überrascht von dieser pittoresk an der Doubs und dem Rhein-Rhone Kanal gelegenen Altstadt, von einem mächtig eindrucksvollen Kirchenbau und einer schönen Markthalle, leider schon zu. Dazu eine ganze Reihe einladender Restaurants und zwischen den Kanälen immer wieder auch Grün. Und es war was los. Neben Hurra, Hurra, das ganze Dorf ist da, auch die Feierwütigen aus dem Umland und französische Männergruppen, die Dole als Ausgangspunkt für Wanderungen genommen haben. Hinzu kamen dann auch noch die anderen Touristen und ich. Ein schönes Durcheinander. In einer Kneipe wurde sogar ein Live-Konzert gegeben, aber ich war nach dem Tag einfach zu geschafft, um mich ins Nightlife zu stürzen. Und so war nach einem anständigen Abendessen, einer Stippvisite bei dem Geburtshaus von Louis Pasteur, dem Erfinder der pasteurisierten Milch, und noch ein wenig Rumflanieren Feierabend für den Kleinen. Ich möchte die Stadt aber nochmal eindrücklich als Etappenziel für die Reise ans Mittelmeer empfehlen. Echt schön.


Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /home/www/wp-includes/class-wp-comment-query.php on line 399

3 Gedanken zu “30. Etappe: Abbaye d‘ Acey – Mont Roland (Dole)

    • Upps, ein freudscher Verschreiber. ☺
      Ist korrigiert. Danke für den Hinweis.

  1. Diese Wahlfahrtskirche hätte ich ja schon gerne mal gesehen? ?
    Vielleicht gibt es ja die Chance auch mal das ein oder andere Bild (gerne auch ein Selfie) zu sehen?

    Auf jeden Fall bitte schön weiter schreiben……
    Ich finde es toll!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.