5. Tag Schnee in Peking

Der Schnee hat sich auch über Nacht nicht in Luft aufgelöst und es ist reichlich kalt. Als Alternative zur großen Mauer besichtigen wir den Sommerpalast des Kaisers, also dessen Sommerresidenz. Malerisch gelegen an einem  See. Und durch den Schnee hat das Alles grad noch mal was Pittoreskes. ist wirklich schön und ein empfehlenswertes Ausflugsziel, was wohl auch andere Menschen so sehen, weil es sagenhaft voll war.

Sommerpalast im Schnee

Und weiter ging es in die Verbotene Stadt, dem eigentlichen Regierungsviertel. Auf dem Weg dorthin überquerten wir den Tiananmen-Platz, dem Ort wo Mao die Volksrepublik ausgerufen hat, der aber vielmehr traurige Berühmtheit durch die gewaltsame Niederschlagung der Demokratiebewegung  am 03. und 04. Juni 1989 erlangt hat. Interessanterweise ist auf dem Platz selber niemand zu Tode gekommen, aber im Großraum Peking sind in diesen Tagen 2600 Menschen ermordet und 7000 verletzt worden. Ein mulmiges Gefühl stellt sich ein, dass durch die sozialistische Giganto-Architektur und den eisigen Wind noch verstärkt wird.

Am Tian’anmen-Platz

Die verbotene Stadt ist auch ohne Sozialismus gigantisch. Riesige Paläste mit großzügig angelegten Plätzen und einer insgesamt 720.000qm großen Fläche sprechen für sich. Und natürlich ist das Arrangement nicht nur funktional, sondern an jeder Kante mit Symbolik aufgeladen. Das ist alles sehr beeindruckend, aber da ich in chinesischer Geschichte nicht so bewandert bin und die bislang auch nicht sowas wie Konsequenzen für mich gehabt hätte, bleibt der letzte Kick aus.

Aber auch das geht vorbei und es wird wieder offiziell. Die Pekinger Bezirksgewerkschaft hat zu einem Empfang geladen und präsentiert die wohl schmackhafteste Sehenswürdigkeit der Stadt: Pekingente! Nach einer ganzen Reihe von Vor-, Haupt- oder Nebenspeisen wird der Vogel in den Saal geschoben und von einem Koch fachmännisch in millimeterdünne Scheiben zerlegt. Diese Scheiben werden dann zusammen mit Gemüsestreifen und einem leckeren Sößchen in Filoteig eingewickelt. Sehr lecker, ach was zum Niederknien lecker.

Neben dem kulinarischen Aspekt wird natürlich auch Politik gemacht und interessant ist hierbei, dass die KollegInnen aus Chengdu einen deutlich fortschrittlicheren Anspruch haben, als der Pekinger Hauptstadtfunktionär, der zwar weiß, was er zu sagen hat, aber ansonsten doch sehr traditionell argumentiert. Er scheint auch in Sachen Tischsitten eher old school aufgestellt zu sein und so wird reichlich angestoßen und zugeprostet. Dabei erwischt es hauptsächlich den Vertreter der Botschaft, der wohl in den Augen des Funktionärs am meisten für ihn tun kann.

Mit dem Botschaftskollegen verdünnisieren wir uns nach dem Empfang noch zu einem Austausch, was sehr interessant war. Der Kollege konnte das Spannungsfeld in dem die chinesische Spitze agieren muss gut beschreiben. Auf der einen Seite sehen sie als Marxisten die Herausforderungen der Zeit, von Peak Oil und Klimawandel über Umweltschutz bis hin zum demografischen Wandel und der sozialen Spaltung des Landes (Ost-Westgefälle) und der Gesellschaft (der Abstand zwischen Oben und Unten). Auf der anderen Seite sehen sie auch den Sprengstoff, der in der Dynamik liegt, die sie losgetreten haben. Es fällt ja in den postmodernen, wertegewandelten Gesellschaften des Westens schon nicht leicht, die Menschen zum Umdenken zu bewegen; wie würden wohl die Menschen in dieser Wirtschaftswunder-Gesellschaft reagieren, wenn ihnen gerade jetzt, wo sie es sich endlich leisten können, das Auto abgenommen wird….
Demokratiepolitisch scheint zumindest die Spitze über Mitbestimmungsmodelle a la Deutschland nachzudenken, um eben die Unzufriedenheiten kanalisieren zu können. Ob über eine solche Mitbestimmung auch inhaltlich was in Richtung Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit bewegt werden kann, wird sich zeigen.

Das Gespräch war leider viel zu schnell vorbei, weil wir zum Flughafen mussten, von dem aus wir dann um 2.00h den Heimflug antraten und um 5.30h wieder in Deutschland landeten. Manchmal ist es wirklich von Vorteil die Sonne im Rücken zu haben…

Und damit ging eine kurze, aber sehr intensive; eine informative, aber auch verunsichernde Stippvisite ins Reich der Mitte zu Ende….


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