36. Etappe: Cluny – Tramayes

Der Morgen begann mit einer launigen Begegnung. Ein Pfälzer sprang auf mein „Ah joh“ an und verfrachtete mich an die Saar, was ich aber korrigieren konnte und der dazugekommene freistaatliche Schwabe aus Augschburg freute sich über einen weiteren Freistaatler. Damit war der übliche Pilgerplausch eingeläutet, wo es um das woher und bis wohin, wieviel Gepäck und welche Wehwechen geht. Nach einer Weile war dann auch gut und ich machte mich auf den Weg. Von Cluny im Burgund geht es heute in die Region Rhone-Alpes und da in das Beaujolais Vert. Das ist eine Gegend, von der ich bis heute nichts wusste, so daß ich sehr gespannt bin.

Es geht von Cluny bei gutem Wetter, was ja wirklich erwähnenswert ist, rasch bergauf und die Höhen werden höher und die Täler ein wenig enger. Mit Weinbau ist nun Schluß und es gibt jede Menge eingezäunter und von Hecken begrenzter Weiden mit Charolais-Rindern und braunen Rindern, die nicht so recht dahin passen. Es ist ein schöner, gut ausgeschilderter Weg und der Tag verspricht gut zu werden. Bis eben zu dem Zeitpunkt an dem sich der Absatz, der ja erst in Nuit St. George vom Schuhmacher angebracht worden ist, auch schon wieder löst. Das ist blöd, blöd, doppelblöd, weil es eh doof ist und jetzt wieder in die Berge geht, wo Fuchs und Hase gemeinsam ihren Selbstmord planen, folglich auch nicht mit einem reichen Angebot an gut sortierten Outdoorläden zu rechnen ist.

Aber jammern hilft nichts, also weiter. Dann eben ohne Absatz rechts. Zunächst macht sich das nicht bemerkbar und ich kann die Landschaft weiterhin genießen. Mit zunehmender Dauer löst sich aber die Dämpfungsschicht, auf der ich jetzt laufe, in Wohlgefallen auf und jeder Tritt trifft die Ferse. Das ist unangenehm und schmälert den Landschaftsgenuß doch erheblich. Aber irgendwann ist auch diese Tour vorüber und ich bin am Ziel. Tramayes, einem an sich netten Örtchen ohne Outdoorladen und einer netten Gite, die von einem englischen Pärchen, Christine und Grahame, in their 70ies geführt wird, was man denen aber nicht ansieht. Denen klage ich bei der Ankunft mein Leid und ich bin gerührt, als die beiden sofort anbieten mich morgen nach Macon zu fahren, damit ich mir neue Schuhe kaufen und weiterziehen kann. Thank God für die Engländer, für die Jungs an Gold, Juno und Sword, die Ratten von Tobruk und eben diese Beiden, die so unkompliziert und zupackend waren, wie es sein soll.

Nachdem das geklärt ist, beziehe ich mein Zimmer, dusche, flätze auf meinem Bett und warte auf die Abendessenzeit. Das ist in diesen Chambres de Hote, nach anfänglichen Vorbehalten meinerseits, echt eine feine Sache. Wenn da nämlich ein Table de Hote mit angeboten wird, gibt es die Möglichkeit im Haus zu essen, was in der Regel Richtung Hausmannskost geht, wogegen ja im Land von Steak/Frites nicht einzuwenden ist. Und als es soweit ist, sehe ich auch den bayrischen Schwaben von heute morgen wieder und wir essen uns zusammen durch Champignonsuppe ohne Creme aber mit vielen Kräutern, durch Kaninchenroulade ohne Pfefferminzsauce aber mit regionalem Käse gefüllt und einem Erdbeerkuchen mit zwei Kugeln Vanilleeis. Großartig und keine Ware von der Stange. Dazu wieder einen Macon Village. Der Wein hats mir echt angetan. Das Gespräch mit Luis, dem Bayernschwaben, war dann auch gut, weil es deutlich tiefer ging als der Plausch am Morgen und wir uns über dieses Alleine sein, dieses Unterwegs sein, dieses auf sich selber Zurückgeworfen sein als Befreiung von Erwartungen und Verantwortlichkeiten und all das unterhalten konnten. Alles in allem ein gelungener Abend und ich ging zufrieden und in freudiger Erwartung neuer Schuhe ins Bett.


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