{"id":967,"date":"2019-07-18T21:47:43","date_gmt":"2019-07-18T19:47:43","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=967"},"modified":"2019-07-21T19:06:26","modified_gmt":"2019-07-21T17:06:26","slug":"der-harte-kern-der-metallisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=967","title":{"rendered":"Der harte Kern der Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<p>Im \u00f6ffentlichen Diskurs wird weitgehend ausgeblendet, dass auch die digitale Transformation mit all ihrer Elektrifizierung, Automatisierung und Virtualisierung schlussendlich einen materiellen Kern hat. Dabei ist die Verf\u00fcgbarkeit, Produktion und Verteilung dieses materiellen Kerns, der im Wesentlichen aus Metallen besteht, die zentrale Frage f\u00fcr ein nachhaltiges Gelingen der digitalen Transformation.<\/p>\n<p>Diesem Themenkomplex breiteren Raum in der Debatte zu organisieren und ganz allgemein das gesellschaftliche \u201eMetallbewusstsein\u201c zu steigern, war Gegenstand eines Workshops, der im Juli in Goslar unter Beteiligung von Branchen- und Berufsverb\u00e4nden, Unternehmensvertreter*innen und Wissenschaftler*innen sowie Gewerkschaftern stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Den Einstieg in eine ausgesprochen konstruktive Veranstaltung leisteteein Vortrag, der auf die zunehmende Verunsichtbarung von Stoff, Wert und Arbeit abhob und dieses Verschwinden von Wahrnehmung am Beispiel des Smartphones durchdeklinierte.<\/p>\n<ul>\n<li>Die wenigsten Menschen besch\u00e4ftigen sich damit, welche Stoffe\/Metalle in ihrem Smartphone stecken und zu welchen Funktionalit\u00e4ten sie beitragen.<\/li>\n<li>Da die meisten das Phone als Dreingabe zu ihrem Vertrag bekommen, kennen auch die wenigsten den Wert des Ger\u00e4ts, der auch nur selten ein Marktpreis, sondern ein Element der Kundenbindung ist.<\/li>\n<li>Das alles tr\u00e4gt auch dazu bei, dass die Produktionsarbeit f\u00fcr ein Smartphone unsichtbar bleibt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurden diese Aspekte noch st\u00e4rker herausgearbeitet und am Beispiel Rolls Royce deutlich gemacht. Rolls Roye stellt Flugzeugturbinen her und hat vor einigen Jahren das Gesch\u00e4ftsmodell dahingehend ge\u00e4ndert, dass nicht mehr die Turbine an sich, sondern die geleisteten Flugstunden das angebotene Produkt darstellen. Das hat auf der einen Seite den Produzentenstolz der RR-Arbeiter*innen getroffen und ihre Stellung in der Wertsch\u00f6pfungskette ver\u00e4ndert, w\u00e4hrend andererseits durch die hinzukommenden Wartungs- und Instandhaltungst\u00e4tigkeiten neue Jobs entstanden sind, die dazu beitragen die Lebensdauer der Turbinen zu verl\u00e4ngern, was unter Nachhaltigkeitsaspekten (wenn es nicht um Flugzeugturbinen gehen w\u00fcrde J) durchaus positiv zu bewerten ist.<\/p>\n<p>Hier deutet sich bereits ein Pfad der Diskussion an, der im Laufe der Tagung weiter ausgebaut wurde. Es geht dabei um den sorgsamen Umgang mit den bereits im Gebrauch befindlichen Rohstoffen, sprich Metallen. Dieser Aspekt wird allgemein bejaht, fokussiert sich aber allzuoft nur auf \u201ethe end of pipe\u201c, n\u00e4mlich das Recycling. Dass es aber bereits in den Design- und Entwicklungsprozessen um eine recyclingfreundliche Produktgestaltung gehen muss, wurde insbesondere auch von den Vertretern der Recyclingindustrie deutlich gemacht, die die zunehmende Zahl von Kompositwerkstoffen sowie die Miniaturisierung des Metallanteils als gro\u00dfe Probleme f\u00fcr ein marktf\u00e4higes Recycling sehen.<\/p>\n<p>Nun werden sich die Metallbedarfe der digitalen Transformation nicht g\u00e4nzlich aus Recyclingprozessen stillen lassen, so dass auch die Frage der Ressource, also ihre Verf\u00fcgbarkeit und ihre F\u00f6rderung analysiert wurde. Die Situation stellt sich so dar, dass die Metallnachfrage im Zuge der digitalen Transformation sowie der sich abzeichnenden Mobilit\u00e4ts- und Energiewende steigt, was bei einer endlichen Ressource zu einem rascheren Eintritt des F\u00f6rdermaximums f\u00fchrt. Ein erster Hinweis k\u00f6nnten hier sinkende Erzgehalte pro gef\u00f6rderter Tonne Gestein sein, die die Wirtschaftlichkeit von F\u00f6rderung und Produktion nur bei steigenden Preisen sicherstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt, der den Erzbergbau und die damit verbundenen Unternehmen, sowie deren Kunden zunehmend zum Handeln zwingt, sind die sozialen und \u00f6kologischen Bedingungen des Bergbaus in den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens. Eine Teilnehmerin berichtete aus eigener Anschauung \u00fcber die Situation des Bergbaus in diversen afrikanischen L\u00e4ndern, die schlicht katastrophal ist. Politisch wird es hier wohl ab 2020\/21 eine Regelung geben, die die Beachtung sozialer und \u00f6kologischer Mindeststandards vorschreibt.<\/p>\n<p>Die abschlie\u00dfende Diskussion der Tagung, die die Tiefe des Themas vom Bergbau \u00fcber Produktion und Konsumption bis hin zum Recycling hinsichtlich der sozialen, \u00f6kologischen aber auch \u00f6konomischen Herausforderungen sehr deutlich herausgearbeitet hat, fokussierte sich dann auf die Frage, wie vor diesem Hintergrund das \u201eMetallbewusstsein\u201c denn zu steigern ist. Die Notwendigkeit daf\u00fcr, wurde von allen Akteuren bejaht und die urspr\u00fcngliche Idee eine Kampagne \u201eMetall des Jahres\u201c analog \u201eVogel des Jahres\u201c oder \u201eSchmetterling des Jahres\u201c auszurufen, wurde im Kern weiterhin f\u00fcr gut befunden. Als zentraler Schritt vorab wurde aber der weitere Ausbau der konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren identifiziert, was breiter Konsens unter den Teilnehmer*innen war. Ein Kernteam k\u00fcmmert sich nun um Inhalt und Organisation, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Angesichts des breiten Spektrums der Teilnehmer*innen kann dies ohne Zweifel als gro\u00dfer Erfolg bezeichnet werden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im \u00f6ffentlichen Diskurs wird weitgehend ausgeblendet, dass auch die digitale Transformation mit all ihrer Elektrifizierung, Automatisierung und Virtualisierung schlussendlich einen materiellen Kern hat. 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