{"id":874,"date":"2016-08-06T08:19:03","date_gmt":"2016-08-06T06:19:03","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=874"},"modified":"2016-08-06T08:19:03","modified_gmt":"2016-08-06T06:19:03","slug":"103-etappe-portomarin-palas-de-rei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=874","title":{"rendered":"103. Etappe: Portomarin &#8211; Palas de Rei"},"content":{"rendered":"<p>Heute stellt sich die Strecke von der Humanseite her deutlich entspannter dar, weil es einfach nicht so voll ist, was einfach daran liegt, da\u00df alle 100KilometlerInnen zwar zusammen loslaufen, aber nicht gleich weit kommen. So streut sich das schon nach der ersten Etappe und meine Laune ist bestens. Vor allem auch, weil ich ausgesprochen gut gefr\u00fchst\u00fcckt habe. Jogurt, Obst und frisches Brot ist an Spaniens Fr\u00fchst\u00fcckstischen n\u00e4mlich eine echte Seltenheit. Da\u00df es dazu Cafe con Leche und frischgepressten Orangensaft satt gab, brauche ich nicht zu erw\u00e4hnen, oder? Das wird dann in Deutschland -Klimawandel hin oder her- etwas schwieriger, aber irgendwie hab ich mich dran gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Es geht also weiter durch das galicische H\u00fcgelland. Sanfte Auf und Abs, Blicke von sonnenbeschienenen Gipfeln, wenn das Oben bei H\u00fcgeln auch so genannt wird, in nebelverhangene T\u00e4ler, zwischendurch kleine Weiler, deren Betriebsf\u00fchrung f\u00fcr jemanden aus dem Land der industriellen Massentierhaltung so aus der Zeit gefallen scheint, da\u00df es sich nur als touristische Attraktion lohnt, aber die Leute leben anscheinend davon. Vielleicht ist es aber auch nur der Bauernverband und die Fleisch-, Gem\u00fcse- und sonstwas Industrie, die das M\u00e4rchen von der Rentabilit\u00e4t ab einer Betriebsgr\u00f6\u00dfe Richtung Megastall erz\u00e4hlt. Meine Eindr\u00fccke in Frankreich und Spanien sind andere und das werde ich im Auge behalten, wenn ich wieder daheim bin.<\/p>\n<p>Das ist so ein Ding. Der Kradvagabund Panni hatte mich als erfahrener Weltenbummler auf das Dilemma am Ende einer Reise hingewiesen. Du willst die letzten Tage genie\u00dfen, aber denkst schon an zu Hause. Nun habe ich das Gl\u00fcck, da\u00df meine Wanderung zu Ende geht, nicht aber meine Reise. Trotzdem verstehe ich, was er meint. Je n\u00e4her Santiago kommt, desto mehr merke ich, wie schwer das Ankommen f\u00e4llt. Kleinere Etappen. Viele Pausen. Und auf der anderen plane ich meinen Asturienaufenthalt und freu mich auf die Tage im Baskenland mit meiner Liebsten und stelle mir vor, wie beides wohl wird. Das kennen aber bestimmt auch viele aus Kurzurlauben. Verl\u00e4ngertes Wochenende und genau an dem Zusatztag springt die Hirse schon wieder f\u00fcrs Gesch\u00e4ft an, wie der Schwabe sagen w\u00fcrde. Naja, ich gebe mir M\u00fche, das alles zu genie\u00dfen und Galicia ist wie geschaffen daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Gegen Mittag etwa zwingt mich das Dilemma in eine Casa blabla, liegt an einem H\u00fcgel am Weg, hat einen Biergarten unter mittelalten B\u00e4umen aufgebaut und ist gut gef\u00fcllt, aber eben nicht rappelvoll. An der Theke rieche in die K\u00fcche und das riecht gut. Ergebnis ist, da\u00df ich mit einem Bocadillo con Tortilla y Chorizo und einem Bier im Garten hock und den Leuten zugucken kann. Und dieses Bocadillo, belegt mit einem Omelett und einer galizischen Chorizo ist der Hammer. Ein gutes Brot. Eier, wo du beim Legen dabei gewesen bist. Eine galicische Chorizo, die nicht nur Geschmackstr\u00e4ger, sonder eben auch Wurst ist. Herrlich.<\/p>\n<p>Dann geht das noch ein wenig weiter und das Ziel ist erreicht. Mittlerweile hat sich dabei eine neue Routine ergeben. Im \u00f6rtlichen Centro de Salud vorsprechen und nach einem neuen Verband fragen. Das ist hier in Palas de Rei echt vorbildlich. Ich spreche vor, sag mein Spr\u00fcchlein auf und werde schwupps von einer jungen \u00c4rztin abgepasst. Zur\u00fcckgepfiffen werden wir beide von den Damen am Empfang. Peregrino? Si\/No. Passaporte? Si, claro. Erst nachdem das gekl\u00e4rt ist, kriege ich meinen neuen Verband, der als dritter Verband in drei Tagen, wieder ganz anders aussieht, als die anderen Zwei. Egal, auch die \u00c4rztin hat keine Bedenken mich weiterlaufen zu lassen.<\/p>\n<p>Danach beziehe ich meine Unterkunft und gehe sofort wieder los, weil ich mich f\u00fcr die Siesta mit kalten Wasser und ner Cola r\u00fcsten will. Als ich verschwitzt \u00fcber das Resto das Haus verlassen will, sehe ich, wie einer alten Frau eine Linsensuppe gebracht wird. Ich rieche das Linsige, aber auch Knoblauch und Piementos und weil nichts so alt ist, wie die Idee von eben, hocke ich im Resto und esse eine Linsensuppe bei 25Grad, die was von Sommer und S\u00fcden hat. Gro\u00dfartig. Ich kauf mir noch ne Flasche Wasser an der Theke, gehe hoch und bin um.<\/p>\n<p>Gegen Sechs guck ich mir mal das \u00d6rtchen an und finde trotz eines ja gro\u00dfkotzigen Namens eine sch\u00fctzenswerte Pilgerbutze, weil die hier anscheinend seit 500 Jahren nur Leute beherbergen und verpflegen. Auch gut, aber langweilig. Au\u00dfer du hast einen guten Platz in einer schattigen Bar und kannst weitere Feldforschung zum Thema &#8222;Wer pilgert denn da alles rum?&#8220; betreiben. Den Platz hatte ich und meinen Spa\u00df hatte ich auch. Die Forschungsergebnisse: Ich habe Joy Fleming auf dem Camino gesehen, mittags v\u00f6llig durch die Hecke und sich nur noch millimeterweise bewegend, abends mit Stirnband die M\u00e4hne b\u00e4ndigend, geschminkt und ganz in Schwarz, aber in schillernden Flipflops mit Absatz, wie auch sonst. Das war nicht wirklich Joy Fleming, aber genau dieser schillernde Typ. Daneben aber eben auch der Typ Frau mit immer schlechter Laune. In den 50 Jahren Leben viel gelernt, auch deshalb schlechte Laune und sie will jetzt n Tee, genau wie daheim. Nat\u00fcrlich bandagiert, aber das Ding wird durchgezogen und am kommenden Montag wieder mit schlechter Laune Sozialarbeit gemacht oder in der Druckerei geschafft oder ist auch egal. Hauptsache Berlin oder Hamburg. Die Typen sind langweiliger, weil eh alle Helden. Aber es gibt welche, die -ich rede jetzt mal von Typen in meinem Alter- zeigen m\u00fcssen, wie fit sie immer noch sind (Typ 1, viele Radfahrer und die Wanderer eher ohne Sonnenhut, eher mit Bandana.) oder die Combo (Typ 2, eher zu Fu\u00df unterwegs, zusammen mit Kumpels), die zeigen wollen, da\u00df, sie immer noch rebel sind, wozu in dem meisten F\u00e4llen ein nerdiges T-Shirt herhalten mu\u00df, was der internetaffine Organisator der Veranstaltung gleich f\u00fcr alle bestellt hat, nat\u00fcrlich in der Funktionsshirt-Ausf\u00fchrung. Der Typ, der heute auf dem Weg mit einem ausgewaschenen Ramones-TShirt unterwegs war und sich \u00fcber mein GabbaGabbaHeyHey sichtlich freute &#8211; wir ballten auf jeden Fall beide mal die Faust und rissen sie nach oben &#8211; war da echt eine erw\u00e4hnenswerte Ausnahme. Die jungen Leute laufen au\u00dfer Konkurrenz. Das ist Sommer, Urlaub. Irgendwie wie Interrail zu Fu\u00df und das sei Ihnen geg\u00f6nnt. Obwohl ich auch da das Gef\u00fchl habe, da\u00df Deppentum sich schon in fr\u00fchen Jahren zeigt.<\/p>\n<p>Sei es drum. Ich hocke jetzt wieder im Comidor der Unterkunft, habe hervorragende Hausmannskost serviert bekommen. Wieder eine Suppe, diesmal eine M\u00f6hrensuppe mit Lauch, Zwiebeln, Kartoffeln und Kr\u00e4utern, die der S\u00fc\u00dfe der M\u00f6hren einen Kontrapunkt setzten und ein gro\u00dfartiges Kotelett mit Patatas. Danach und das war f\u00fcr mich eine Premiere, als Nachtisch einen Obstteller. Und so hatte ich Gelegenheit den Albari\u00f1o -der halbe Liter, der das Men\u00fc begleitete- mal mit Obst zu probieren. Habe ich noch mit keinem Wein gemacht. Vielleicht ist das doof, weil das hier Spa\u00df gemacht hat. Banane, Nektarine und Orange mit einem Wei\u00dfwein zu untermalen. Interessant, wobei das Herbe der Bananas de Canaria, am besten harmonierte.<\/p>\n<p>Jetzt sitz ich immer noch hier und w\u00e4hrend ich schreibe findet sich die Wirtsfamilie zum Abendessen zusammen. Das ist sch\u00f6n, wie die Generationen da um den Tisch hocken, den Tag nachbereiten, sich um die &nbsp;ganz Kleinen k\u00fcmmern und das Essen genie\u00dfen. Dabei l\u00e4uft nat\u00fcrlich die ganze Zeit der Fernseher. Es ist also nicht die heilige Familie, sondern ein Haufen Leute, die von diesem Haus und einem Weinberg leben. Das mit dem Weinberg hab ich eben mitbekommen, weil da pl\u00f6tzlich ein Glas Tinto vor mir stand. Ein Geschenk des Hauses. Ja, dann trink ich das jetzt mal ganz gem\u00fctlich und starre auf den Fernseher&#8230;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute stellt sich die Strecke von der Humanseite her deutlich entspannter dar, weil es einfach nicht so voll ist, was einfach daran liegt, da\u00df alle 100KilometlerInnen zwar zusammen loslaufen, aber nicht gleich weit kommen. 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