{"id":869,"date":"2016-08-06T08:10:31","date_gmt":"2016-08-06T06:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=869"},"modified":"2016-08-06T08:10:31","modified_gmt":"2016-08-06T06:10:31","slug":"101-etappe-triacastela-sarria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=869","title":{"rendered":"101. Etappe: Triacastela &#8211; Sarria"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Nebelged\u00f6ns gestern, hab ich mich einfach noch zweimal rumgedreht, bevor der Tag losging und so war ich um zehn auf der Strecke. Die Sonne war mittlerweile \u00fcberwiegend pr\u00e4sent und die Wegf\u00fchrung so, da\u00df der Touristiker wohl von einem Panoramaweg faseln w\u00fcrde. Halbhoch am Berg mit guten Sichten. Alles in sattgr\u00fcn. Sch\u00f6n. Und wenig anstrengend, wobei allerdings nach anderthalb Stunden die Einkehr schief ging, weil sich in der lauschigen Bar einfach niemand blicken lie\u00df, der mir was verkaufen wollte. Allerdings lagen Backwaren rum, die Kasse war in Betrieb und die Musik lief. Als sich nach zehn Minuten immer noch niemand blicken lie\u00df, bin ich weiter. Weiterhin entspannt, weil Koffein- und Orangensaftpegel schon vorher auf Normal gebracht worden waren.<\/p>\n<p>Nach drei Stunden war es dann soweit. Eine Bar, die ihren Namen verdient, lag am Weg und das Angebot zur Einkehr nahm ich gerne, trotz voller Belegung, an. In den letzten Tagen sind schon deutlich mehr Leute unterwegs. Also die R\u00fcckw\u00e4rtsrechner. Wo mu\u00df ich einsteigen, um in ein, zwei Wochen in Santiago zu sein. Und seit ein paar Tagen sind die zehn-Tage-Wanderer dabei. Die haben 14 Tage Urlaub und ziehen je einen Tag f\u00fcr An-und Abreise per se ab. M\u00fcssen packen (Minus ein weiterer Tag) und sind lieber schon Samstags zuhause, wenn sie montags wieder ran m\u00fcssen. Die hatte ich so nicht auf dem Schirm, scheint aber eine Menge davon zu geben. Es sind vor allem Familien, die unterwegs sind. Das bietet nat\u00fcrlich auch ein neues Panoptikum. Gelangweilte Pubertierende beim Wandern mit den Eltern, w\u00e4hrend sich die Kumpels an irgendeinem Strand fl\u00e4tzen oder das elterliche Eigenheim mit einer Sturmfrei-Party zerlegen. Einem, der seinen Wanderstab ganz selbst vergessen als Strahlenschwert sieht und damit rumfuchtelt und mich dabei fast trifft, mu\u00df ich unterwegs mal scharf die Wache ansagen. Sch\u00f6n ist, da\u00df er nicht anf\u00e4ngt zu weinen, mich verklagen will oder nach seinem Rechtsanwalt schreit, sondern einfach wach wird und Perdon sagt. Nachdem auch keine Helikoptereltern den Kleinen besch\u00fctzen wollen, signalisiere ich ihm Ok und &#8222;Tu no solo a la mundo&#8220;, was sprachlich wahrscheinlich total falsch ist, sich auf den ersten Blick so anh\u00f6rt, wie &#8222;You&#8217;ll never walk alone&#8220; aber tats\u00e4chlich als Appell an die Umsichtigkeit gemeint war. Trotz meines Stammelspanisch hatte ich das Gef\u00fchl, da\u00df die Botschaft angekommen ist. Und f\u00fcr die weniger p\u00e4dagogisch, als kulinarisch Interessierten: Ja, es war eine dieser Bars, in der die Empanada nicht aus der Metro, sondern von mindestens der Oma gemacht wird und so lecker ist, da\u00df ich sie mit dem Messer in kleine St\u00fcckchen geschnitten habe, um nichts zu vers\u00e4umen.<\/p>\n<p>Danach gehts abw\u00e4rts Richtung Sarria, das schon von weitem zu sehen ist und einen wenig einladenen Eindruck macht, weil es mit f\u00fcnf-sechsgesch\u00f6ssigen H\u00e4usern prangt und nicht mit einer Kathedrale oder so. Ich betrete also das Stadtgebiet und verstehe es nicht. Der Weg f\u00fchrt durch Neubaugebiete und es gibt dann einen Flu\u00df\u00fcbergang an dessen Ufer Restaurants und eine dahinterliegende Einkaufsstra\u00dfe auf den ersten Blick von neuem Wohlstand zeugen. \u00dcbergangslos geht es dann eine Treppe hoch und \u00fcberall h\u00e4ngen Weltkulturerbeflaggen. Wenn das eine Bewerbung sein soll, ist noch viel zu tun. Ich mu\u00df nach rechts Richtung Unterkunft abbiegen und verschiebe die weitere Erkundung auf den fr\u00fchen Abend. Von der Unterkunft bin ich mehr als positiv \u00fcberrascht. Ein echt sch\u00f6nes Zimmer mit einem kleinen verglasten Balkon, der seine T\u00fccken erst im Laufe des Abends zeigen sollte. Also gabs erstmal ne Runde Wohlf\u00fchlsiesta inklusive Jogurt- und Obstsnack.<\/p>\n<p>Dann war es fr\u00fcher Abend und die Exkursion begann. Aus dem Haus rechts zun\u00e4chst in das neue Stadtzentrum. Wenn es Baugesch\u00e4fte und Handwerkerbedarf bis in die Innenstadt schaffen, hat eine Stadt schon fast verloren. Danach kommen Spielhallen und Ein-Euro-L\u00e4den. Hier war eine Stadt im Stadium der Baum\u00e4rkte, kleinerer Ausf\u00fchrung, also n Farbengesch\u00e4fte, Eisenwaren und Gartenkrams, aber wenig Damen- und Herrenoberbekleidung, Schuhe und Schniggesl\u00e4den f\u00fcr Wohnaccessoires. Hm, also weiter Richtung Altstadt. Die wiederum war vollgestopft mit Pilgerherbergen, die nun auch nicht den Charme von Weltkulturerbe verstr\u00f6men. Echt schwierig. Ich hab dann mal nachgeguckt: Industrie gibt es hier auch nicht. Echt eine komische Stadt.<\/p>\n<p>Da es der letzte Bahnhof vor der 100km-Marke ist, kamen gegen Abend auch noch reichlich neue Leute an, die wohl morgen beginnen zu wandern. 100km-Marke meint, da\u00df diejenigen Wanderer\/Pilger, die sich zweimal am Tag ihren Pilgerpass abstempeln lassen, dann in Santiago auch ihre Urkunde kriegen. Das scheint einigen echt wichtig zu sein. Ich hab mich schon vor l\u00e4ngerem dagegen entschieden, weil ich keine Urkunde brauche, die ich an die Wand h\u00e4ngen kann. Ich hab meinen Blog, meine Bilder und meine Erinnerungen. Mehr brauche ich nicht. Und wenn ich vor meinen Herrgott trete und der das Ding sehen will, mu\u00df ich wohl ne T\u00fcr weitergehen.<\/p>\n<p>Dann geht es zum Abendessen in die N\u00e4he des Bahnhofs, wo die Freunde von Michelin etwas empfohlen haben und zwar zu vertretbaren Preisen. Also hinein. Vorneweg eine Kichererbsensuppe mit Speck und Chorizo vom galizisch-keltischen Schwein und nachher Kotelett von eben dem Schwein mit Patatas und Piementos. Das Besondere an dem Lokal war, da\u00df es sich um eine Parradilla handelte, also ein aufs Grillen spezialisierten Laden. Und das haben sie auch gut gemacht. Dazu einen leichten Wei\u00dfen aus Ribeiro und dann heim.<\/p>\n<p>Im Zimmer war es total stickig und eine Klimaanlage gab es auch nicht. Ich wollte aber noch was schreiben, weshalb ich ich dachte: &#8222;Wei\u00dfte was, du machst die Fenster in deinem \u00fcberdachten Balkon auf und schreibst mit Blick auf die Stra\u00dfe vor dich hin.&#8220; Gesagt getan und ein Fenster hochgeschoben, das aber so schnell wieder runterkam, da\u00df mein rechter Mitelfinger nicht mehr ganz davon kam. Der sah aus wie guilliotiniert, so da\u00df ich mit dem Taxi ins Hospital bin, die das aber entspannter gesehen haben, weil nichts gebrochen und auch nix wirklich abgerissen ist. So hock ich nun adrenalingeschw\u00e4ngert auf dem Bett und schreib dann doch noch. So ein Mist. Hoffentlich heilt das schnell aus. Ich will ans Meer und ins Wasser&#8230; Morgen fr\u00fch mu\u00df ich mich da wieder vorstellen und dann wohl jeden Tag mal sehen, wo es so ein Centro de Salud gibt. Jetzt leg ich mich nach dem Schreck aber erstmal hin&#8230; Guts N\u00e4chtle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Nebelged\u00f6ns gestern, hab ich mich einfach noch zweimal rumgedreht, bevor der Tag losging und so war ich um zehn auf der Strecke. 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