{"id":863,"date":"2016-08-01T09:25:32","date_gmt":"2016-08-01T07:25:32","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=863"},"modified":"2016-08-01T09:25:32","modified_gmt":"2016-08-01T07:25:32","slug":"100-etappe-las-herrerias-triacastela","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=863","title":{"rendered":"100. Etappe: Las Herrerias &#8211; Triacastela"},"content":{"rendered":"<p>Als ob ich es geahnt h\u00e4tte. Morgens um acht zeigen sich die zu \u00fcberwindenden Berge in vornehmen Wei\u00df, was nichts anderes als schn\u00f6der Nebel bzw. tiefh\u00e4ngende Wolken bedeutet. Entsprechend gelaunt ziehe ich los und hoffe darauf, da\u00df meine Strategie aufgeht und gegen Mittag der Himmel aufrei\u00dft. Meine Laune bessert sich, als ich ich die ersten Meter gegangen bin. Ein sattes Gr\u00fcn leuchtet mir entgegen und diese tiefen, fast engen T\u00e4ler entfalten ihre Wirkung auch ohne Lichtspiele. Ich komme gut voran und nach einer Stunde, bevor es richtig bergauf geht, kehre ich ein und bekomme meinen Cafe con Leche. Zumo de Naranja f\u00e4llt aus, wegen ist nicht.<\/p>\n<p>Dann gehts aufw\u00e4rts in den Nebel. Gr\u00fcne H\u00f6lle. Echt interessant, aber kaum zu schildern, wie sich taubesprengte Spinnennetze um ganze B\u00e4ume schlingen oder eine k\u00e4mpfende Sonne schillernde Lichteffekte auf die H\u00fcgel zaubert. Weil es aber bergauf geht, schwitzel ich a weng, gleichzeitig geht Wind und ich hole, nach langen Tagen, die Softshell-Jacke mal wieder raus und das alte Spiel geht los. Sobald die Sonne rauskommt, ist es mit der Jacke zu warm. Ohne, ist es zu kalt, sobald der Wind bl\u00e4st. Zwischendurch treibt der Wind auch noch Wasser vor sich her, was ich noch nicht Regen nennen w\u00fcrde, was es aber zus\u00e4tzlich bl\u00f6d macht. Egal, irgendwann ist oben!<\/p>\n<p>Angekommen in Galicia. Deutlich unter 200km bis Santiago. Und endlich comida gallego, die galizische K\u00fcche, die ich f\u00fcr eine der besten Spaniens halte. Aber das erste Dorf auf galizischer Seite ist zum Museumsdorf gemacht worden, was nicht unsympathisch ist, und ich h\u00f6re ja auch die Dudels\u00e4cke gerne, aber dieser Gaelic\/Kelten-Kram, der in den Shops angeboten wird und genauso wie in der Bretagne und Wales auch in Fernost gefertigt wird, l\u00e4sst mich weitergehen.<\/p>\n<p>Deshalb gibt es erst oben in der Bar am Pass die erste Caldo Callego seit vielen Jahren. Das ist eine vegetarische Suppe mit einer regionalen Kohlart, wei\u00dfen Bohnen und Kartoffeln. Dieser regionale Kohl ist nun in Deutschland recht schwer zu organisieren, weshalb das Nachkochen einfach schwerf\u00e4llt. Und mit den bei uns erh\u00e4ltlichen Kohlsorten kriege ich den Geschmack nicht hin. Also nutze ich die erste Gelegenheit und bestelle ein T\u00f6pfchen zum Aufw\u00e4rmen. Wobei ich das mit dem Aufw\u00e4rmen ehrlich meine. Mir war trotz Softshell auf 1400m im Juli in Spanien voll kalt. Die Suppe war gut und als ich mir ein Gipfelbier g\u00f6nnen wollte, betrat jemand suchend die Bar und starrte den Leuten quasi auf den Teller. Als sie den Typen am Tisch gegen\u00fcber der Theke be\u00e4ugte, wollte ich helfen und sagte, da\u00df das Caldo Gallego sei, eine regionale Spezialit\u00e4t. Auf spanisch. Das kriege ich mittlerweile verst\u00e4ndlich hin, denke ich zumindest. Als sie &#8222;Wie bitte?&#8220; antwortete, bin ich ins Muttersprachliche gewechselt und hab ihr erkl\u00e4rt, was das ist. Das w\u00fcrde sich ja gut treffen, sie w\u00e4re n\u00e4mlich Vegetarier. Als szenegeschulter Kerl wei\u00dfte da, das die aus einer anderen Welt kommt. Sprachlich nicht so sensibel, die Gute. Ich geh dann mit meinem Gipfelbierchen zu meinem Platz und denk an das Etappenziel. Zweieinhalb Stunden noch. Zack, sitzt die da. N\u00e4, sie hat nat\u00fcrlich gefragt, ob sie sich dahin setzen kann und da kannste ja nicht nein sagen. Das w\u00e4re ja unh\u00f6flich. Als sich die Frau aber nach einiger Zeit als dieser Typ Ich-hab-die-ganzen-sechs-Wochen-Urlaub-auf-den-Abflug-am-soundsovielsten-beplant-und-jetzt-bin-ich-viel-zu-schnell-und-wohin-soll-ich-denn-bis-zum-Abflug-noch-Laufen loslegte, hab ich mich verd\u00fcnnisiert und den Hinweis, das sie ja weiter vor sich davon laufen k\u00f6nnte, runtergeschluckt. Ich habe derzeit die Freiheit zu sagen, mit dir ja, mit dir nein. Das ist so kostbar, weshalb ich kein Gramm dieses Schatzes verschenken m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Also gehts dann Bergab ins erste galizische St\u00e4dtchen. Und abends dann. Alles gut. Wieder Suppe. Sopa de Marisco, mit Muscheln und Krebschen. Danach Pollo vom Bauernhof an einer sehr leckeren Sauce mit Paprika. An, damit die Haut sch\u00f6n kross bleibt. Dazu Salat und Kartoffeln, sowie ein leichter Wei\u00dfer aus Ribeiro, nicht zu verwechseln mit dem Ribera&#8230; Regionale Weinsorte, trinky wie ein Muscadet. Sch\u00f6n, sowas auch mal zu entdecken, nach all dem Rotweinen der letzten Tage. Ich freue mich auf Galizien und hab einen Tag auf dem Land dazwischengebastelt, weil ich hier weiter probieren will. Das ist eine gute Gegend f\u00fcrs buen vivir. Mit dem Gedanken beschlie\u00dfe ich den Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ob ich es geahnt h\u00e4tte. Morgens um acht zeigen sich die zu \u00fcberwindenden Berge in vornehmen Wei\u00df, was nichts anderes als schn\u00f6der Nebel bzw. tiefh\u00e4ngende Wolken bedeutet. 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