{"id":861,"date":"2016-08-01T09:17:28","date_gmt":"2016-08-01T07:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=861"},"modified":"2016-08-01T09:17:28","modified_gmt":"2016-08-01T07:17:28","slug":"99-etappe-villafranca-de-bierzo-las-herrerias","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=861","title":{"rendered":"99. Etappe: Villafranca de Bierzo &#8211; Las Herrerias"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin einfach liegengeblieben. Es ist kein langer Wandertag und kein rat race um eine Unterkunft, weil ich reserviert habe. So what? Au\u00dferdem war das gestern ein langer Abend. Es war warm und nachdem ich mit dem Essen fertig war, machte sich das ganze St\u00e4dtchen auf, um ins Wochenende zu starten. Es war ein Heidenspa\u00df, dabei zuzusehen und da ich einen guten Platz hatte, gab es auch genug zu gucken. Es wurde Mitternacht und das Treiben nahm kein Ende, aber ich hab mich dann verabschiedet, weil ich ja heute eben doch was vor habe. Knapp f\u00fcnf Stunden in sanftem Bergauf bevor es morgen die \u00dcberschreitung nach Galizien gibt. Die will ich gerne am sp\u00e4ten Vormittag erleben, wegen Fr\u00fchnebel und so.<\/p>\n<p>Nach einer Stunde gehen, schreit mein K\u00f6rper nach Cafe con Leche und Orangensaft. Also kehre ich in der n\u00e4chsten Bar ein und gebe dem Schreihals wonach er verlangt. Danach geht es weiter, etwas dumpfbackig neben einer Nationalstra\u00dfe, was mir aber recht ist. Ich h\u00e4nge meinen Gedanken nach. Meine Mutter w\u00e4re heute 76 geworden, was sie aber leider nicht mehr erleben kann. Wie immer geht mir dieses &#8222;Solang du noch eine Mutter hast, so danke Gott daf\u00fcr&#8230;&#8220; durch den Kopf und ich summe es vor mich hin. Ich denke auch, was sie mit ihrer Arbeitsmoral zu dieser Auszeit gesagt h\u00e4tte und warum ich bei jedem getapten Mitwanderer denke, da\u00df er sich nicht so anstellen soll. Da\u00df man sich nicht anstellen, sondern durchbei\u00dfen, wegstecken, funktionieren und wenig R\u00fccksicht auf sich selber nehmen soll, habe ich von ihr. Naja, andererseits denke ich, h\u00e4tte Sie sich sehr gefreut, da\u00df ich meine Tr\u00e4ume verwirklichen kann, weil das Ihr leider verwehrt blieb. Mama, ich laufe auch f\u00fcr dich!<\/p>\n<p>Das alles wird begleitet von einer zunehmend gr\u00fcner werdenden Landschaft, mit enger werdenden T\u00e4lern und h\u00f6her werdenden Bergen. \u00dcberw\u00e4ltigend sch\u00f6n. Aber der Weg ist halt keine touristische Erfindung, sondern ein alter Pilgerweg, weshalb nat\u00fcrlich auch heute die Verkehrsstr\u00f6me denselben Weg nehmen, n\u00e4mlich den des geringsten Aufwands. Deshalb wird diese gro\u00dfartige Landschaft und dieser uralte Weg mittlerweile mit einer Autobahn und einer Nationalstra\u00dfe geteilt. Gibt es eigentlich eine Geschichte der Handelswege? Warum habe ich auch in Deutschland das Gef\u00fchl, die Bundesstra\u00dfen und Autobahnen verbinden immer noch die Hanse und ander mittelalterlichen B\u00fcnde? Warum stehe ich auf der A3 vor W\u00fcrzburg im selben Stau den schon Goethe auf seiner Italienreise beklagte? So lande ich wieder bei einem Logistikthema, was mir mittlerweile echt am Herzen liegt.<\/p>\n<p>Dann passiert noch eine ganz komische Geschichte. Ich komme durch einen Ort und sehe, kurzsichtigerweise, einen alten Mann die Stra\u00dfe \u00fcberqueren, t\u00fcttelig sein Taschentuch rausholend und schneuzen. Der hat auch nicht mehr alle Kaninchen im Stall, denke ich noch und gehe an im vorbei. Auf der Stra\u00dfe liegt ein B\u00fcndel F\u00fcnfziger. Uppsa, da hat der alte Mann wohl sein Taschengeld verloren. Ich hebe also die Kohle auf und laufe ihm hinterher. Und der hat wirklichlich nicht mehr alle Kerzen am Baum. Guckt mich an und faselt, was ich den wolle und wie er denn an das Geld gekommen sein soll. Ich bin heilfroh, als ein Auto h\u00e4lt und der leicht \u00fcbergewichtige Kommunalpolitiker (Mu\u00df so einer sein. Eigentlich zu jung, um schon so alt auszusehen und zu checkerig, um nur hilfsbereit zu sein.) die Sache in die Hand nimmt. Bei mir bedankt er sich und f\u00fchrt eigenh\u00e4ndig den Alten und die Kohle in Richtung Familie, hoffe ich. Ich gehe weiter und hoffe, da\u00df es bei mir nie so weit kommt.&nbsp;<\/p>\n<p>Dann ist der Zielort irgendwann erreicht und ich freue mich wirklich gut untergekommen zu sein. Mit Restaurant im Haus, das mit lobender Erw\u00e4hnung in der Lokalpresse wirbt. Da wei\u00df ich doch, wo es heute abend hingeht. Ein wenig W\u00e4sche gewaschen, selber geduscht, gelesen, geduckelt, nachgedacht und telefoniert. Dann eine Runde durchs D\u00f6rfchen gedreht und um halb Acht mit einem Mordskohldampf endlich ins Restaurant. Lalala, war das gut. Vorneweg eine Empanada, gef\u00fcllt mit Muscheln, Langostinos und Porree. Danach Kurzgebratenes vom iberischen Schwein, dem wo dieser jamon Iberico raus gemacht wird, mit Bratkartoffeln, die 50:50 von Gem\u00fcsezwiebeln begleitet wurden und einem tollen Oliven\u00f6l. Zum Niederknien. So schlicht und so gut. Der Nachtisch bestand aus einer Lecha Cocida, also Panna Cotta, einer Trilogie von Schokolade und einem St\u00fcck Kaffeesahne auf Bisquit. Wie sch\u00f6n. Zum ganzen Men\u00fc ein halber Liter junger Rotwein aus der Mencia-Traube. Der Gute hat zu allen drei G\u00e4ngen eine gute Figur gemacht, wenn ich auch das Dessert eher an einem Cafe Solo vorbeirutschen habe lassen. Boah, war das gut. So gest\u00e4rkt kann ich doch morgen \u00fcber die Berge nach Galicien gehen und n\u00e4chsten Samstag bin ich in Santiago! Alerta.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin einfach liegengeblieben. Es ist kein langer Wandertag und kein rat race um eine Unterkunft, weil ich reserviert habe. So what? Au\u00dferdem war das gestern ein langer Abend. 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