{"id":859,"date":"2016-08-01T09:12:54","date_gmt":"2016-08-01T07:12:54","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=859"},"modified":"2016-08-01T18:43:43","modified_gmt":"2016-08-01T16:43:43","slug":"98-etappe-ponferrada-villafranca-de-briezo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=859","title":{"rendered":"98. Etappe: Ponferrada &#8211; Villafranca de Briezo"},"content":{"rendered":"<p>So. Nun aber hinein in dieses mir g\u00e4nzlich unbekannte Weingebiet. Ich hab bis halb neun die F\u00fc\u00dfe still gehalten, weil ich den Tro\u00df heute nicht erleben will, aber jetzt gehts los. Zun\u00e4chst mal durch die langen Stra\u00dfen der Vorst\u00e4dte dieser durchaus industriell gepr\u00e4gten Stadt. Da gibt es Geb\u00e4ude, die so auch in den 80ern als Zeichen des Strukturwandels von Oberb\u00fcrgermeistern im Ruhrgebiet gefeiert h\u00e4tten werden k\u00f6nnen. Das sah gestern schon so a la Neue Hafen oder Zeche blabla aus und woher der Wind weht, war klar, als ich im Tourist Office nach diesen interessanten Geb\u00e4uden fragte. Das w\u00e4ren Appartementh\u00e4user, war die wenig zufriedenstellende Antwort. Also mal wieder durch den Strukturwandel gehen, was mir die den Gedanken einer politisch-kulinarischen Exkursion vom Siegerland \u00fcber Wetter, Witten, Hattingen, also Ruhr, Bochum und Essen nicht vergessen, an die Wupper und von da aus r\u00fcber ins Rheintal \u00fcber Ddorf nach K\u00f6ln wieder in den Kopf bringt. Da k\u00f6nnte mit der entsprechenden Gruppe zu Fu\u00df eine Menge dr\u00fcber besprochen und angeeignet werden, was derzeit nur als &nbsp;dumpfes Gef\u00fchl vorliegt. In S\u00fcdtirol, ich sprach davon, werden wir das mal ausprobieren.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl einer Erkundung zu Fu\u00df, einer teilnehmender Beobachtung in Wanderschuhen und einer Exploration sich medial-real darstellender gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche, was ich an anderer Stelle gerne weiterf\u00fchren w\u00fcrde, l\u00f6st sich bei der \u00dcberschreitung des ersten H\u00fcgels als Priorit\u00e4t erstmal wieder in Richtung &#8222;normal&#8220; auf. Wer &#8222;eilig, brandeilig und dringend&#8220; auf Auftragszetteln kennt, wei\u00df wie es mir geht. Ich bin \u00fcberw\u00e4ltigt vom Blick auf dieses breite Tal, auf die Weinberge, die D\u00f6rfer und St\u00e4dtchen und eben die Berge Richtung Galicia. Das ist hier fast so sch\u00f6n wie in S\u00fcdtirol, echt jetzt. Die Berge sind nicht so hoch, aber es geht in die Richtung. Wundersch\u00f6n. Und directamente nach dem Eintritt ins Weinland &#8222;el Bierzo&#8220; gibts auch schon lecker Cafe con Leche und Sumo de Nara\u00f1ja &#8211; f\u00fcr Wein ist es noch zu fr\u00fch &#8211; und weiter gehts. Ein paar H\u00fcgel weiter komme ich an einer Fruteria nicht vorbei und esse mal wieder Nektarinen, die zum Niederknien sind. Was ich allerdings gerne nochmal lernen wollen w\u00fcrde, w\u00e4re so das Ding, wie man sowas ist, ohne das es spritzt. Ich habe mal jemanden so einen weichen Pfirsich Scheibe f\u00fcr Scheibe mit dem Messer vom Kern trennen sehen. So will ich das k\u00f6nnen. Wenn die nichts k\u00f6nnen und hart sind, krieg ich das hin. Wenn die schmecken, spritzen die leckeren Fr\u00fcchte. Doof, trotzdem lecker.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste H\u00fcgel bring mich tats\u00e4chlich in ein Weindorf, allerdings auf R\u00fcdesheimniveau, was mir f\u00fcr den Mittelrhein echt leid tut und die hier anscheinend auch nicht bereit sind zu lernen. Am Ende der Ortschaft l\u00e4dt die Winzergenossenschaft der Weinregion ein, wovon ich ja eigentlich die Finger lassen sollte. (Wer nur GWF-Weine trinkt, hat Frankenweine nicht kapiert.) Aber wenn ich Cooperative lese, werde ich sentimental. Ich gehe also rein und frage nach einem Do\u00f1a Blanca, das ist eine regionale, f\u00fcr Massenweine angebaute Sorte, und frage ob sie den auch in buena h\u00e4tten. Warum? Nach all den Offenbarungen in Franken, wo sich junge Leute, der Johannes Nickel sei hier mal ausdr\u00fccklich genannt, aber auch sonstwo in der Republik, mit den Themen Kerner, Bacchus, M\u00fcller oder Scheurebe so sensibel und geil auseinandergesetzt haben, denke ich mir, da\u00df der hochwertige Ausbau ebendieser Massenweine die Qualit\u00e4t des Winzers zeigt. Die Antwort ist unfreundlich, liegt aber nicht am Wein, sondern an der Verk\u00e4uferin und das Ergebnis ausbauf\u00e4hig. Was ich auf meinem Zettel auf der Rebenliste &#8222;Potentialkandidat im Klimawandel&#8220; unter nicht ganz so eilig buche. Weiter. Und dabei wird mir klar, da\u00df ich zwar die Windparks angesprochen habe, aber das Thema Solarenergie noch gar nicht geschildert habe. Wahrscheinlich weil es das nicht gibt. Ich werde mir dar\u00fcber erst wirklich klar, als ich den n\u00e4chsten H\u00fcgel Richtung Ziel \u00fcberschreite.&nbsp;<\/p>\n<p>Da steht n\u00e4mlich ein Mountainbiker, der mich am Berg \u00fcberholt hat und als ich mich , kann halt nicht anders, mit einem &#8222;amazing&#8220; bemerkbar mache, kommen wir ins Gespr\u00e4ch. Der Typ ist im worldwide Vertrieb von spanisch Dachziegel&#8230; also die spanischen Braas&#8230; &nbsp;M\u00e4chtig interessant, weil er eigentlich aus Madrid kommt, aber die hiesige Gegend gut kennt. Das ist n\u00e4mlich die Gegend in Spanien mit dem kontinentalsten Klima. Als ich doof gucke, sagt er, da\u00df sie hier die Produkte f\u00fcr Rusland testen. Wir w\u00e4ren zwar Kontinent, h\u00e4tten aber nicht so ein Klima, ganz kalte Winter, ganz hei\u00dfe Sommer. In Deutschland w\u00e4re es ja eher gem\u00e4\u00dfigt, auch auch was den Niederschlag angeht. Yo, sag ich. Bei uns f\u00e4llt der Sommer aus und es regnet, wenn es regnet, v\u00f6llig heftig. Haber wir uns dann geschenkt ich hab aber dann doch noch nach Solarenergie im Eigenheim gefragt, wo er sagt, das w\u00e4re bei ihnen bislang kein Thema. Stimmt. Egal wo ich durchgekommen bin, und das war ja in den letzten Wochen schon das ein oder andere Neubauviertel, wenig, ganz wenig. Das ist nat\u00fcrlich in einem Land, wo die Sonne ziemlich regelm\u00e4\u00dfig scheint, schon doof. Aber wahrscheinlich ist der Zusammenhang zwischen Sonnenenergie und Strom in einem Land, wo du dich vor der Sonne sch\u00fctzen musst, also Energie brauchst um die W\u00e4rme drau\u00dfen zu halten, kommunikativ anders aufzubauen. Das sieht der spanische Kollege \u00e4hnlich, hat das aber bislang nicht so aufm Schirm gehabt. Die Chinesin, die in Kanada lebt und sich ersch\u00f6pft daneben stellt, auch nicht. Also geht es wohl auch darum, den monokausalen Zusammenhang von Sonne und W\u00e4rme in Richtung &nbsp;Sonne und Energie weiterzuentwickeln und zwar auch da wo der Zusamenhang eigentlich so offensichtlich ist. Mir w\u00e4re er auch beinahe abhanden kommen, weil es br\u00fcllwarm ist. Ich komme also in einen Ort, knappe anderthalb Stunden vor dem Ziel, und mu\u00df was trinken, und weil es nicht mehr lange geht, darf es ein Bier sein.Nach all dem Denken vorher, werde ich vom Wirt gefragt, ob das Vaso frio sein soll und ich sage ja, si, claro.Der Wirt geht an die vierte oder f\u00fcnfte Tiefk\u00fchle in seiner Butze und holt ein tiefgefrorenes Glas raus, f\u00fcllt &nbsp;ein eh eiskaltes Bier rein und stellt mir das hin. Das ist klimawandel- und energiepoltisch eigentlich unverantwortlich, aber so unbeschreiblich sch\u00f6n. So kalt, so erfrischend, so feinherb&#8230;&nbsp;<\/p>\n<p>Im Zielort komme ich dann tats\u00e4chlich noch an einer Herberge mit Solarzellen aufm Dach vorbei. Vielleicht mu\u00df man es ja auch nur beschreien. Ich checke ein und bin dann erstmal um. Dann gehts los und ich gucke mir das St\u00e4dtchen an. Nett. Meine Unterkunft ist auch gut, aber ich finde keinen wirklichen Draht, und bleibe nach einer unfreundlichen, also nicht von meiner Seite, Einkehr in der\u00f6rtlichen Vinothek, am Plaza Mayor, also im Touristenbums h\u00e4ngen, erobere mir aber das Herz der M\u00e4dels mit einer Bestellung jenseits des Menu de Dia indem ich einen Salat und Pommes bestelle. Vielleicht gibt das ja mal Durchschlafen trotz Warm. Das ist echt lecker, vor allem wahrscheinlich auch wegen der selbstanger\u00fchrten Vinaigette. Ich habe n\u00e4mlich vor ein paar Tagenbeobachtet, wie eine spanische Mama, die T\u00fctchen und den Pfeffer\/Salz St\u00e4nder aus dem mitgelieferten Porzellansch\u00e4lchen nahm, alles einf\u00fcllte und die Vinaigrette darin anr\u00fchrte. Eine Salatsauce, z.B. eine Vinaigrette, wirkt n\u00e4mlich nicht \u00fcber ihre Einzelteile, sondern &nbsp;ihre Composition. Habe ich dann auch mal so gemacht. Touristenbums. Glatze. Crogs. Und ? Als ich nach der H\u00e4lfte von Salat und Pommes alles zusammensch\u00fctte und das nochmal durchmisch, sagt ein alter Mann von Nebentisch, da\u00df w\u00e4re bueno. Wer mich kennt, wei\u00df wie sehr mich sowas freut. Als ich nach dem Essen und einem Rosado, statt dem Nachtisch nach einem Vino Dulce frage, kriege ich den auch. Dann bestelle ich die Rechnung und trotz aller Extras finde ich nur das Menu Peregrino mit all inclusive auf dem Zettel. Ich frage nach und bekomme als Antwort &#8222;It&#8217;s ok. Muchas Gracias.&#8220; Das freut mich, gibt mir aber auch weiter zu denken.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So. Nun aber hinein in dieses mir g\u00e4nzlich unbekannte Weingebiet. Ich hab bis halb neun die F\u00fc\u00dfe still gehalten, weil ich den Tro\u00df heute nicht erleben will, aber jetzt gehts los. 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