{"id":852,"date":"2016-07-29T09:52:50","date_gmt":"2016-07-29T07:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=852"},"modified":"2016-07-29T09:52:50","modified_gmt":"2016-07-29T07:52:50","slug":"96-etappe-astorga-el-acebo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=852","title":{"rendered":"96. Etappe: Astorga &#8211; El Acebo"},"content":{"rendered":"<p>Um Viertel nach Sieben stand ich auf den Stra\u00dfen des langsam erwachenden St\u00e4dtchens und machte mich auf den Weg. Nachdem ich gestern reichlich \u00fcppig und sp\u00e4t zu Abend gegessen hatte, war mir \u00fcberhaupt nicht nach Fr\u00fchst\u00fcck, selbst die Kaffee\/Orangensaft-Kombi w\u00e4re mir zuviel gewesen. Der Weg f\u00fchrte z\u00fcgig aus der Stadt hinaus und neben wir war alles auf dem Camino unterwegs, was aus den Hostals und Herbergen gekehrt worden war. Mir war das fast ein wenig zuviel Trubel, und ich war dankbar f\u00fcr die Ruhe der letzten Tage, die sich aus meinen sp\u00e4ten Starts ergeben hatte.&nbsp;<\/p>\n<p>Bei neuneinhalb Stunden reiner Gehzeit, 32km L\u00e4nge und 500hm im Auf und Ab, die auf dem Zettel standen, habe ich davon Abstand genommen, was sich auch als gut und richtig erweisen sollte. Denn wie im Autosport ist auch beim Wandern die richtige Boxenstrategie entscheidend. Nach rund zwei Stunden stand die erste Ruhepause auf der Tagesordnung und es war nun Zeit f\u00fcr Cafe con Leche und frischgepressten Orangensaft. Ich hatte einen guten Platz vor der Bar erwischt und konnte die ganze Corona an mir vorbei defilieren lassen. Wirklich h\u00e4ngengeblieben, und zwar f\u00fcrs Poesiealbum, ist der erste Aluhuttr\u00e4ger, den ich live und in Farbe gesehen habe. Das es das echt gibt, h\u00e4tte ich nicht wirklich geglaubt. Aber da diese Typen ja unberechenbar sind, hab ich mich nicht an ihn gewandt, sondern von hinten fotografiert. Im Schlepptau hatte der Typ, als wenn ich es geahnt h\u00e4tte, ein \u00e4therisches Wesen aus der T\u00f6pfern-in-der-Toscana-Ecke mit \u00e4rmelloser hellblauer Bl\u00fcmchenbluse und diesem Gesicht, wo mein Freund Ralf schon immer gesagt hat: &#8222;Finger weg. Gibt nur Probleme.&#8220;Hat auch immer Probleme gegeben, aber&#8230;<\/p>\n<p>So hing ich in wenig meiner Vergangenheit hinterher und bin froh, da\u00df ich da mittlerweile hingucken kann, ohne den Retter zu spielen. Wer so doof ist, mu\u00df leider ohne mich kl\u00fcger werden. Nach der zweiten Pause, etwa vier Stunden sp\u00e4ter, verl\u00e4uft sich das alles. Einige sind wohl nach vier Stunden schon am Ende und warten auf ihren Gep\u00e4ckexpress, damit sie an ihr Duschzeug kommen und andere brauchen eine lange Mittagspause, was sich nicht anbietet, weil es halt eben erst gegen vier richtig hei\u00df wird. Das gibt mir die Chance nach Cola und Empanada durchzustarten. Es geht in die Berge, was mich nach all den Tagen im Flachland echt freut. Auffi.<\/p>\n<p>Sensationelle R\u00fcckblicke in die Ebene von Leon und vor mir nur Berg. Da mu\u00df doch jetzt irgendwann die \u00dcberschreitung Richtung Bierzo kommen. Menno. Nachdem ich nochmal genauer nachgeguckt habe, freue ich mich jetzt erstmal auf das Croz de Ferro. Das liegt auf etwa 1500hm und ist dann auch erreicht. Da\u00df es danach nur noch bergab gehen w\u00fcrde, glauben auch nur Leute, die Mittelwerte f\u00fcr aussagef\u00e4hig halten. Als geht erstmal noch vier Kilometer an der Bergkante auf und ab. Sch\u00f6ne Aussichten, zugegebenerma\u00dfen, aber mir w\u00e4re langsam mal nach Ziel. Dann geht es die n\u00e4chsten zwei Kilometer steil bergab und die F\u00fc\u00dfe tun weh, die Knie sind genervt und der Kleine will ein Feierabendbier.<\/p>\n<p>Geschafft. Eingecheckt und ungeduscht erstmal in die Bar um die Ecke und ein eiskaltes Bier gegen den Durst getrunken. Dann selbstreden geduscht und geruht. Eigentlich w\u00e4re das auch die Zeit, um die n\u00e4chsten Unterk\u00fcnfte zu checken, Fotos zu sichern und all sowas, aber manchmal, eher meistens bleibt es beim Krimi lesen und a weng duckeln. Von daher bin ich \u00fcber kurze Wandertage ganz froh, dann kann ich das am St\u00fcck wegschaffen. Heute geht es dagegen nur zum Essen, wieder um die Ecke in die Bar-Restaurante-Auberge. Zu einer Suppe mit Kartoffeln, Bohnen und Porree sowie dem Hauptgang, einer gut abgehangenen Rouladen-Scheibe, die angebraten mit Pommes serviert wird, gibt es einen Rosado aus der Region. Das Dorf macht auch Werbung damit, da\u00df es das erste Dorf in Bierzo ist. Alles eine Frage des Standpunkts. Mir auch egal. Ich freue mich jedenfalls mal wieder in eine Weingegend jzu geraten, die mir gar nichts sagt.<\/p>\n<p>Am Nebentisch sitzt ein Spanier, dessen Teller so aussieht, als ob er das, was ich in Astorga sch\u00f6n getrennt bekommen habe, alles auf einmal bekommen hat. Es sieht jedenfalls reichlich m\u00e4chtig aus. Ich frage ihn auch, was das ist und es stellt sich heraus, da\u00df er kein Englisch spricht, aber nachdem der Wirt freundlicherweise kulinarische Nachhilfe leistet (In der Provinz Leon hei\u00dft die Chose Cocido Maragado und die Zutaten werden in der Reihenfolge Fleisch, Gem\u00fcse, Suppe serviert. In der Provinz Bierzo gibt es diesselben Zutaten alle auf einmal und die Suppe wird zur Sauce. Das Ganze hei\u00dft dann Botillo oder so.) entspannt sich ein ganz interessantes Gespr\u00e4ch \u00fcber den Camino, warum jeder von uns Beiden denn \u00fcberhaupt geht, \u00fcber den Unfug au\u00dferhalb Valencias eine Paella zu bestellen und das Kastilier arrogante S\u00e4cke sind. H\u00e4nde, F\u00fc\u00dfe und mein K\u00fcchenspanisch reichen aus. Sch\u00f6n und interessant. Leider reicht es sprachlich nicht, um mal nachzufragen, wie die Situation in Spanien denn eingesch\u00e4tzt wird. Ich habe auch, noch st\u00e4rker als in Frankreich, das Gef\u00fchl, das interessiert die Leute auch nicht, wer sie regiert. Vielleicht ist das in den Metropolen anders, aber hier auf dem platten Land sp\u00fcre und sehe ich nichts.<\/p>\n<p>Es wird \u00fcber die Tour aber sp\u00e4t, was aber niemanden, vor allem den Hausherr, davon abh\u00e4lt mich noch auf ein Glas und das Dessert einzuladen, als ich bei meiner Unterkunft auf die Terrasse einbiege. Ich bin heute n\u00e4mlich in einer Casa Rural, der spanischen Variante einer Chambre d&#8216; Hote unter und die anderen Hausg\u00e4ste haben sich vom Hausherrn bekochen lassen. Auch das wird ein sehr netter Plausch \u00fcber die Vorteile eines Sabbaticals, die L\u00e4nge des Weges und das Oktoberfest. Irgendwann zieht es mich aber in die Heia und ich schlafe bewacht von den drei Hunden des Hauses tief und fest. Der Tag war ja auch lang genug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Viertel nach Sieben stand ich auf den Stra\u00dfen des langsam erwachenden St\u00e4dtchens und machte mich auf den Weg. 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