{"id":830,"date":"2016-07-26T08:10:54","date_gmt":"2016-07-26T06:10:54","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=830"},"modified":"2016-07-26T14:54:58","modified_gmt":"2016-07-26T12:54:58","slug":"90-etappe-itero-de-la-vega-carrion-de-los-condes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=830","title":{"rendered":"90. Etappe: Itero de la Vega &#8211; Carrion de los Condes"},"content":{"rendered":"<p>Gut geschlafen und um sechse wach. Das passt, weil es heute auf 34km geht. Folglich tr\u00f6dele ich etwas fokussierter rum und bin tats\u00e4chlich um halb acht auf der Stra\u00dfe, aufgef\u00fcllt mit Kaffee und Orangensaft. Es ist bew\u00f6lkt und hat abgek\u00fchlt, was ich gerade nicht wirklich schlimm finde. Nerviger ist dabei die steigende Luftfeuchtigkeit, die wiederum f\u00fcr das ganz besondere Licht dieses Morgens verantwortlich ist. So hat alles sein Gutes. Die Landschaft pr\u00e4sentiert sich n\u00e4mlich weiterhin in ermattender Eint\u00f6nigkeit, was zwar seinen Reiz hat, der aber langsam ausgespielt ist und nur durch die neuen Lichtverh\u00e4ltnisse wieder gewonnen hat. Dadurch wird auch die weitere Verflachung der Landschaft teilweise kompensiert, die f\u00fcr mich als Mittelgebirgskind ja schlimm ist. Wenn das Auge keinen Haltepunkt am Horizont findet, werde ich entweder nerv\u00f6s oder konzentriere mich auf die n\u00e4here Umgebung. Die Schritte vor mir, das n\u00e4chste Stra\u00dfenschild und den n\u00e4chsten Kirchturm. Tats\u00e4chlich ist es so, da\u00df die in dieser l\u00e4ndlichen Gegend als Erstes auftauchen. Vielleicht kommt das Kirchturmdenken ja von daher. Schade ist, da\u00df es keine Interpretation dieser Begrifflichkeit gibt, die etwas mit der Neugier auf den \u00fcbern\u00e4chsten Kirchturm zu tun hat. Obwohl es ja schon sch\u00f6n w\u00e4re, wenn manche bis zum n\u00e4chsten Kirchturm gucken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>So komme ich guckender- und gr\u00fcbelnderweise ins erste Dorf, komme ins zweite Dorf und so weiter, kehre hie und da ein und komme schlie\u00dflich auch durch Villarmentero de Campos, was sich mir tief ins Ged\u00e4chtnis gebrannt hat. Ein Kaff. Von weiten schon sind aber Indianerzelte, Zirkuswagen und Zeigsl zu sehen. Als ich n\u00e4her komme, ist eine Auberge mit Bar angeschrieben. Mu\u00df ich mir angucken, will ich sehen. Ich biege also rechts durch die Hofeinfahrt auf eine Wiese ein, auf der einschl\u00e4gige St\u00fchle Kneipe signalisieren und zwei Esel in der Sonne oder besser im Schatten &nbsp;d\u00f6sen. Dazu kommt ein Sack H\u00fchner und rund ein Dutzend G\u00e4nse. Zwischendurch gibt es aber auch einen Weg zur Theke und ich kann mir was zum Trinken holen. Weil die Szenerie nicht uninteressant ist, suche ich mir einen guten Platz. Einer der Esel hat n\u00e4mlich angefangen zu grasen und bewegt sich stoisch auf die H\u00fchner zu. Der Hahn findet das doof und mit ihm die H\u00fchnerherde auch. Der Esel trampelt im Halbschlaf in die H\u00fchnerfalle und was dann folgte, was disneyreif. Der Esel hat sich aufgeregt und IA geschrieen, als wenn es um die Menschen- bzw. Eselsrechte ging und die H\u00fchner gaben erst Kontra und dann zackig Gummi. Ich habe noch nie im real life in das Gesicht eines aufgescheuchten Moorhuhns geguckt. Das waren jetzt auch kein Moorh\u00fchner, sondern strunznormale, aber die haben genauso geguckt. Ich schw\u00f6r. Es war herrlich und ich hab Tr\u00e4nen gelacht.<\/p>\n<p>Das hat mich auch die letzten Kilometer begleitet, die nach schier endlosem Anlauf in Carrion de los Condes endeten. Ich hab den bl\u00f6den Kirchturm n\u00e4mlich schon ewig gesehen, nur voran ging nicht wirklich was. Trotz aller Tricks. Aber irgendwann war ich da und habe mich gegen das Zelten und f\u00fcr ein Hostal entschieden. Ich war n\u00e4mlich brotfertig und wollte nur noch raus aus den Schuhen und horizontal. Hat auch geklappt. Abends bin ich dann wieder raus, was so gegen sieben war, hab noch n Friseur gefunden, der das mal wieder in Ordnung gebracht hat und bin dann Essen gegangen. Schwierig im l\u00e4ndlichen Umfeld. Entweder die Schnitzelfraktion, die man auch aus Deutschland kennt. Gro\u00dfe Portionen f\u00fcr kleines Geld. Und eben die Camino-Leute, die wenig anders unterwegs sind. Nach l\u00e4ngerem Suchen hab ich dann was gefunden. Die Speisekarte war irgendwie origineller und es waren ein Menu especial und ein Menu pelegrino ausgeschrieben. Das ist ja schonmal was. F\u00fcr mich gabs dann eine Gem\u00fcsepfanne, die sogar sch\u00f6n angerichtet daherkam und aus Zuccini, Auberginen, Tonaten und mit einer K\u00e4se-Mangold-Farce zusammengehalten wurde. Das Highlight schon im ersten Gang zu verbraten ist bekanntlich doof, weshalb die Kombi Fleisch, Salat, Pommes fast langweilig daher kam. Allerdings hatte da jemand selber Hand angelegt und mit Gew\u00fcrzen gearbeitet, weshalb sowohl der Salat, als auch die Pommes und das Fleisch schon in der Oberliga gespielt haben. Ich kriege ja mittlerweile schon Wasser ins Auge wenn eine franz\u00f6sische oder spanische Crew Salat wenigstens so ernst nimmt, da\u00df sie es selber w\u00fcrzen und nicht einfach Salz, Pfeffer, \u00d6l und Essig au0f den Tisch stellen. Ich finde, das geht nicht. Da sollen die sich was einfallen lassen, das ist ihr Job. Daf\u00fcr kriegen die eine Ausbildung. Ich bin diese Pommes-Fleisch-Sachen so leid, weil ich die ja auch noch selber w\u00fcrzen mu\u00df, und wenn ich nach Paprika frage, gucken die doof&#8230; Wenn ich ruhig, ommmmm, dr\u00fcber nachdenke kann das ja auch so sein, da\u00df der Salat keinen hohen Stellenwert besitzt und deshalb eigentlich keinen Platz in der K\u00fcchencrew hat. Oder der Koch hat das Fleisch eben auf den Punkt zuzubereiten und W\u00fcrzen ist Geschmackssache. Das kann in L\u00e4ndern deren Spitzenk\u00f6che der Welt neue Geschmackswelten erschlossen haben, eben indem sie neue Gew\u00fcrze und Richtungen quasi diktiert haben, eigentlich nicht sein. Ich bin auf jeden Fall nicht g\u00e4nzlich gl\u00fccklich, hocke jetzt aber nach einer sprachlich anstrengenden Diskussion mit der els\u00e4ssischen Servicekraft in diesem spanischen Lokal vor einem Rosado, der gro\u00dfartig ist. Das war deshalb ein wenig schwierig, weil ich mich zun\u00e4chst etwas global ausgedr\u00fcckt habe: &#8222;Wo es Rotweine gibt, gibt es auch Roses. Basta.&#8220; Und dann in eine eventuell etwas ausf\u00fchrliche Beschreibung der Herstellung eines Rose-Weins eingestiegen bin. Wir haben uns aber schlu\u00dfendlich verstanden und ich nehme folgendes mit. Es gibt Weinanbaugebiete, also die ganz Gro\u00dfen. Rioja, Rueda, Ribera di Duero. Ok. Kenn ich. Und unterhalb gibt es eben die kleineren, spezielleren Gegenden, wie eben Cigales, wo immer schon Roses gemacht wurden. Das ist wohl wie mit den Rotweininseln in Franken. Mu\u00df man aber erst hinterkommen. Von daher ein lehrreicher Abend. Und jetzt gehts heim. Morgen werden zwei Etappen zusammengelegt, was fast 4\u00fckm gibt, aber ich will an einem Samstag mittag und nicht an einem Sonntag in Leon ankommen. Und da bietet sich das morgen einfach an. Der Nebeneffekt ist, da\u00df ich nochmal in eine andere Wanderkohorte komme. Ich hab heute abend kaum ein bekanntes Gesicht gesehen und hab das Gef\u00fchl wieder in einem flow amerikanischer und franz\u00f6sischer Pauschaltouristen gelandet zu sein, die dieses Jahr in zwei Wochen von Burgos nach Leon laufen. Sollen se machen, aber ohne mich. Ich freue mich gerade auf Santiago, wo ich derzeit plane ein paar Tage zu bleiben und die die noch da rumh\u00e4ngen oder gerade ankommen, einfach mal wiederzusehen&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut geschlafen und um sechse wach. Das passt, weil es heute auf 34km geht. Folglich tr\u00f6dele ich etwas fokussierter rum und bin tats\u00e4chlich um halb acht auf der Stra\u00dfe, aufgef\u00fcllt mit Kaffee und Orangensaft. 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