{"id":825,"date":"2016-07-26T08:06:05","date_gmt":"2016-07-26T06:06:05","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=825"},"modified":"2016-07-26T08:06:05","modified_gmt":"2016-07-26T06:06:05","slug":"89-etappe-hontanas-itero-de-la-vega","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=825","title":{"rendered":"89. Etappe: Hontanas &#8211; Itero de la Vega"},"content":{"rendered":"<p>Boah. Die Menschheit kann mir gestohlen bleiben. Was eine Nacht. Der italienische Kollege im Nachbarzimmer, der mich nachmittags schon durch ein lautstarkes Telefonat mit seiner Mamma geweckt hatte, hat in einer Lautst\u00e4rke geschnarcht, die waffenscheinpflichtig ist. Ich hatte wegen warm, die Fenster aufgemacht, damit ein wenig k\u00fchle Luft ins Zimmer kann und nachdem sich der Rest der Pilgercombo auch hingelegt hatte, fand ich das wenig riskant. Zwei junge M\u00e4nner mit ziemlich schwerer Zunge meinten jedoch sich n\u00e4chtens noch ihre witzigsten Filmchen vorspielen zu m\u00fcssen. Und ich. Wach. Genervt. Auf 180. Ich hatte Puls, was das Einschlafen ziemlich schwierig, wenn nicht unm\u00f6glich macht. Und dann, hat irgendjemand diesen Leuten gedr\u00fcckt, da\u00df sie um halb sechs losst\u00f6ckeln sollen. Kann man ja machen, kann man auch leise machen. Aber nein. Das mu\u00df ja die halbe Welt mitkriegen, was die Kerle f\u00fcr Helden und wie m\u00fcde die M\u00e4dchen sind. Ich wachliegenderweise beim Zwangszuh\u00f6ren. Meine eigentlich recht menschenfreundliche Grundhaltung war dahin. Alle weg. Meine Fresse war ich sauer.<\/p>\n<p>An Einschlafen war \u00fcberhaupt nicht mehr zu denken, weshalb ich um halb Acht auf der Stra\u00dfe stand und loszog. Das war heute eine kurze Tour, die auch zum Relaxen herhalten soll, weil die kommenden Tage immer \u00fcber Distanzen um die 30km gehen. Also fand ich den Weg durch die Felder ohne Steigungen an einem leichten Hang entlang, genau richtig. So erreichte ich nach knapp zwei Stunden Castrojeriz, einem der l\u00e4ngsten D\u00f6rfer, die ich je durchschritten habe. Am Fu\u00dfe einer Burgruine, schl\u00e4ngelt sich das Dorf entlang der Hauptstra\u00dfe um den Burgh\u00fcgel. Das Dorf hat dabei am Anfang, in der Mitte und am Ende eine Kirche, am Anfang, in der Mitte und am Ende eine Bar, aber nur gegen Ende eine Art Marktplatz. In der dortigen Bar kehre ich ein. Zeit f\u00fcrs zweite Fr\u00fchst\u00fcck. Cafe con Leche und Empanada mit Thunfisch. Lecker. Und eine singende Wirtin, die die Radiohits lautstark begleitet bilden den kulturellen Rahmen.&nbsp;<\/p>\n<p>Dann gehts weiter und es kommt nochmal zu einem Aufstieg. Ein richtiger Tafelberg erhebt sich aus der Ebene und fordert ein wenig Anstrengung. Aber oben wartet Don Jon und bietet Kaltgetr\u00e4nke an. Genau richtig. Jetzt noch anderthalb Stunden und der Wandertag ist gelaufen. Ich merke nach kurzer Zeit, da\u00df ich zu wenig Pause gemacht habe und setze mich nochmal hin, lockere die Schn\u00fcrung der Schuhe und gucke dumm \u00fcbers Land. In seiner Eint\u00f6nigkeit hat das was. Und als ich mir den Zielort nachmittags genauer angucke, kriege ich das Gef\u00fchl an den aufgepimpten Landarbeiterh\u00e4uschen des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts vorbeizuschlendern. Das ist hier eben kein Bauernland, sondern Gro\u00dfgrundbesitzer- und Landarbeitergegend. Mal gucken, was das kulinarisch hei\u00dft.<\/p>\n<p>Nix. Nix hei\u00dft das. Spargelsalat mit Mayonaise (ohne schinken. Und nicht eingerollt, was die 70er Jahre nur leicht anklingen l\u00e4sst.) Danach Fleisch. Pommes und ein Fitzelchen eingelegte Paprika. Dazu einen Blanco aus Rueda, Verdejo!, der aller Ehren wert war. Dazu eine Familie aus Dinslaken, die mir schon seit ein paar Tagen immer wieder mal begegnet ist und mich heute nach einem kurzen von Tisch-zu-Tisch-Gespr\u00e4ch an ihren Tisch gebeten haben. Die Einladung habe ich angenommen und es wurde eine lustige Runde. Zwei Lehrer an einer katholischen Schule, die zwei lebhaften aber eher unaufdringlichen Kindern auf dem Jakobsweg ein Ding erm\u00f6glichen, was die erst Jahre sp\u00e4ter zu sch\u00e4tzen wissen. Die beiden Elternteile kamen auch von meiner Seite der Scheibe und es entspann sich ein gutes Gespr\u00e4ch zum Zustand der Welt. Zu deren Rettung hat es dann nicht ganz gelangt, weil der kalte Wei\u00dfwein aus war. Das war auch gut so, weil wir alle morgen eh fr\u00fch los wollen. &nbsp;Mir hat dieses NRW-Gespr\u00e4ch gut gefallen, weil ich halt von da wech komme und bei uns eben nicht alles auf der Goldwaage liegt und auch schon mal drauflos erz\u00e4hlt wird. N sch\u00f6ner Abend. Ich glaube, ich h\u00f6re mir jetzt noch Wolfgang Petrys &#8222;Wir sind das Ruhrgebiet&#8220;an und duckel damit ein&#8230; Hasta mana\u00f1a!&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boah. Die Menschheit kann mir gestohlen bleiben. Was eine Nacht. Der italienische Kollege im Nachbarzimmer, der mich nachmittags schon durch ein lautstarkes Telefonat mit seiner Mamma geweckt hatte, hat in einer Lautst\u00e4rke geschnarcht, die waffenscheinpflichtig ist. 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