{"id":817,"date":"2016-07-19T17:21:33","date_gmt":"2016-07-19T15:21:33","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=817"},"modified":"2016-07-19T17:21:33","modified_gmt":"2016-07-19T15:21:33","slug":"87-etappe-atapuerca-burgos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=817","title":{"rendered":"87. Etappe: Atapuerca &#8211; Burgos"},"content":{"rendered":"<p>Bin ich froh jetzt hier zu sitzen. Etwas abseits der Altstadt und touristischen Hotspots hat sich innenstadtnah das kommunale Kino, einige KunsthandwerkerInnen und nat\u00fcrlich das zugeh\u00f6rige Cafe angesiedelt. Und wer ist drauf gesto\u00dfen. Ich. So bekomme ich ein wenig Gelegenheit die spanischen Prenzelberger unter die Lupe zu nehmen und kann gleichzeitig den Tag Revue passieren lassen. Dazu einen Rosado aus Ribera, nat\u00fcrlich aus biologischem Anbau. Da gleichen sich die Kulturen&#8230;<\/p>\n<p>Der Tag fing heute auch eigentlich schon ruhig an, weil es heute ja nur knappe vier Stunden Wanderprogramm gab und der Rest des Tages f\u00fcr die Burgos-Visite reserviert war. Folglich vernahm ich das St\u00f6ckegeklapper der mitwandernden Fr\u00fchaufsteherInnen um Sechse mit einem Lidzucken und hab mich nochmal rumgedreht. Aber um Sieben bin ich dann auf und bei der Tr\u00f6delei, die derzeit Einzug gehalten hat, war ich kurz vor Acht soweit auszuchecken. Die Combo hatte aber schon klargemacht, da\u00df niemand vom Haus da sein w\u00fcrde und ich den Schl\u00fcssel auf die Theke legen soll. Hab ich auch gemacht, steh auf der Gasse und merke, das meine St\u00f6cke noch drinnen an der Zimmert\u00fcr lehnen. Ich hatte sie aus der Hand gelegt, weil die Zimmert\u00fcr klemmt und ich die T\u00fcr mit beiden H\u00e4nden maltr\u00e4tieren mu\u00dfte. Als mir das mkt den S\u00f6cken auff\u00e4llt, ist die T\u00fcr gerade ins Schlo\u00df gefallen. Also Klingeln. Da macht niemand auf. Also warten. Nicht meine St\u00e4rke und wenn mir Malheurs unterlaufen, ist das besonders bl\u00f6d. Also wieder mal eine Pr\u00fcfung auf dem Weg, die original 45 Minuten dauerte. Dann wurde die T\u00fcr von Innen ge\u00f6ffnet und die Dame des Hauses \u00f6ffnete. Ich wei\u00df nicht, wie die da rein gekommen ist oder ob die 45 Minuten kl\u00e4ffenden Hund und klingelnden Mertens mit der Gewi\u00dfheit eines arbeitsvertraglich geregelten Arbeitsbeginns einfach ignoriert hat. Es ist schlu\u00dfendlich auch egal, interessieren w\u00fcrde es mich trotzdem. Es w\u00e4re n\u00e4mlich spannend, wie Menschen das schaffen, so auf sich und ihr Ding fokussiert zu sein.<\/p>\n<p>Also komm ich kurz vor Neun los und es geht sofort bergauf.Ich laufe ja eh seit Rioja auf durchschnittlich 900hm und da sind dann 200 weitere H\u00f6henmeter schon ein Schritt in andere Fernsichten, weil die Luft einfach anders ist. Und hinter Atapuerca und eben diesem Aufstieg betrete ich kastilisches Kernland, die Heimat Cervantes und Don Quichote und als bei der \u00dcberschreitung die Ebene von Burgos vor mir liegt und auf den H\u00fcgeln und Bergen rundum Windparks in der Morgensonne strahlen, kann ich es mir nicht verkneifen. Ich glaube n\u00e4mlich, da\u00df es lohnt, diesen Klassiker nochmal anzuschauen und zu verfilmen. Die Rolle des Don Quichote kann dann ein CSU-Landrat oder jemand aus der Landesregierung \u00fcbernehmen, der gegen einen b\u00fcrgerschaftlich betriebenen Windpark ank\u00e4mpft, weil er die Zeichen der Zeit nicht erkennt und trotz mahnender Stimmen von Stammtisch und Klientel (Sancho Panza) aus seiner Nummer nicht rauskommt. So empfinde ich das manchmal und habe seit heute ein Bild dazu. Die englischen Rentner, die sich den H\u00fcgel hochwuchten, finden jedenfalls mein Reden von den modern windmills in cervantes country irgendwas zwischen funny und interesting.<\/p>\n<p>Ich komme dann Burgos n\u00e4her und stehe pl\u00f6tzlich und unerwartet vor dem avisierten Campingplatz. Das ist aber viel zu fr\u00fch und viel zu weit weg von der Stadt. Die Etappe morgen hat ab Kathedrale eh schon 30km und da nochmal f\u00fcnf draufzulegen erscheint mir unn\u00f6tig. Auf der Internetseite war von dreien die Rede. Das w\u00e4re irgendwie was anderes gewesen. Also, Internet sei Dank, ein nettes Hotel in der Innenstadt gerissen. Weitergelatscht und eingecheckt. Und dann in knapp zwanzig Minuten ein nettes Hotelzimmer in ein Feldlager verwandelt. Es musste W\u00e4sche gewaschen und getrocknet werden, weshalb eine W\u00e4scheleine durchs Zimmer gespannt ist und die Schuhe m\u00fcssen stadtfein vemacht werden, weshalb es im Badezimer arg staubt, bevor ich mich selber unters Wasser stelle. Rasieren f\u00e4llt aus. Danach noch schnell ausm Haus und in der Bar um die Ecke ein Feierabendbierchen und ein Tapas genommen. Eingelegte Sardine auf Ei mit gehackten Zwiebeln und Paprika. Dann Siesta und das Touri-Programm checken.<\/p>\n<p>Bereits um Drei gehts mit der Besichtigungstour los. Zun\u00e4chst zur Kathedrale, die Eintritt kostet, was ich, wie schonmal gesagt, eigentlich unm\u00f6glich finde. Ich dr\u00fccke trotzdem ab und betrete einen Palast des Kirchlichen, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Rund um das Kirchenschiff sind weitere Kapellen angebaut, die eine wie die andere prachtvoll mit Gold \u00fcberzogen sind und von wagemutig konstruierten Kuppeln lichtdurchflutet werden. Welch eine Pracht und welch ein Elend f\u00fcr all die Menschen, die daf\u00fcr gebuckelt und geblutet haben. Aber eben auch ein beeindruckendes Konzentrat k\u00fcnstlerischen Schaffens.Das wird f\u00fcr mich beim Betrachten historischer Bauten immer schwierig bleiben. Ich kann es nicht einfach genie\u00dfen, sondern frage mich immer auch, wer hat das wie gearbeitet. Ausgangspunkt dazu war, neben vielem Anderen, diese sensationelle WDR-Serie zum K\u00f6lner Dombau.Kinderfernsehen mit Anspruch bringt halt doch was. Weiter geht es zum Denkmal f\u00fcr El Cid, dessen Grab ja etwas profan in der Kathedrale liegt. Ist da aber auch erst 1921 angelegt worden. Da hatte man es schon nicht mehr mit der Pracht.<\/p>\n<p>Nach drei Stunden ist das Programm auch abgespult und es ist eh br\u00fcllwarm. Also noch eine Limonade (KAS-limon. Herrlich) gekauft und zur\u00fcck ins Feldlager. Krimi zuende gelesen und um Acht dann in den Corso eingereiht. Mein erster Corso in Altkastilien. An einem Sonntagabend in der Kr\u00f6nungsstadt der kastilischen K\u00f6nige. Was ist also zu erwarten? Richtig. Ein paar Leute sind richtig in Schale geworfen und die Se\u00f1oras fallen wegen der Kleider und Kost\u00fcme in diesem angesagten, etwas kr\u00e4ftigeren Lachsfarbenen zwischen all den Touris und Pilgern sofort auf. Dann gibt es junge Leute mit mehr oder weniger Geld, die durch mehr oder weniger gewagte Klamotten auffallen, aber ihre Netzwerke ins lachsfarbene Establishment schon haben.Bussibussi. Das ist mir mit diesem Habitus bislang nicht aufgefallen und als ich in der ersten Tapasbar (Morcilla) mit Caballero angesprochen werde, wei\u00df ich, da\u00df was anders ist. In der zweiten Bar (paniertes Spargelr\u00f6llchen mit Schinken und Mayo. Die 70er lassen gr\u00fc\u00dfen, aber cool) wars dann schon netter, weil Burgos eben auch ein industrielles Zentrum ist und ich da mit den Kollegen an der Theke stand. Mehrheitlich, weil es in dem abendliche-Kreise-ziehen, Tapas nehmen und was trinken, keine strikten Trennungen gibt. Mich ziehts weiter und es gibt noch einen ensaladilla rusa. Danach bin ich satt, aber noch nicht m\u00fcde. Hab ja auch den Tag \u00fcber genug geruht. Also streife ich durch die Randbereiche der Altstadt, komme in eine zona antifascista, in der aber reichlich tote Hose wegen Sonntagabend und Semesterferien herrscht, ziehe weiter und komme in dieses nette Cafe und endlich zum schreiben. Aber es ist auch zu sch\u00f6n. Es ist l\u00e4ngst dunkel, aber die Leute kommen und gehen, alt und jung, M\u00e4nner und Frauen und niemand macht den Eindruck als ob er es eilig h\u00e4tte ins Bett zu kommen. Eilig habe ich es auch nicht, aber so wie andere an ihre Fr\u00fchschicht denken, denke ich an die morgige Etappe. Deshalb geht es jetztmal auf die Stube. Hoffentlich sind die Sachen trocken&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bin ich froh jetzt hier zu sitzen. Etwas abseits der Altstadt und touristischen Hotspots hat sich innenstadtnah das kommunale Kino, einige KunsthandwerkerInnen und nat\u00fcrlich das zugeh\u00f6rige Cafe angesiedelt. Und wer ist drauf gesto\u00dfen. Ich. 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