{"id":814,"date":"2016-07-19T17:12:26","date_gmt":"2016-07-19T15:12:26","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=814"},"modified":"2016-07-19T17:12:26","modified_gmt":"2016-07-19T15:12:26","slug":"86-etappe-belorado-atapuerca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=814","title":{"rendered":"86. Etappe: Belorado &#8211; Atapuerca"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin heute schon um Punkt 8:00h auf der Strecke gewesen, weil es relativ lang geht und gegen vier dann auch richtig hei\u00df werden soll. Also gilt es die Kr\u00e4fte gescheit einzuteilen, viele Pausen zu machen und trotzdem vor der gro\u00dfen Hitze im Zielort zu sein. Deshalb geht es ohne Kaffee los, vor allem aber ohne diesen frischgepressten Orangensaft, den es hier allerorten gibt. Das ist ein Vitaminlieferant wie ich ihn mag, vor allem sch\u00f6n gek\u00fchlt. Herrlich. Gesund kann auch gut schmecken.<\/p>\n<p>Die Strecke f\u00fchrt zun\u00e4chst durch den Ort, der offensichtlich haupts\u00e4chlich vom Tourismus lebt. Das ist also rasch durchschritten und es geht zun\u00e4chst weiter durch wogende Kornfelder, aber ohne \u00fcberw\u00e4ltigendes Panorama, eben weil es voll flach ist. Nach anderthalb Stunden ist ein Boxenstopp f\u00e4llig und die Kaffee\/Orangensaft-Kur wird nachgeholt. Frischgest\u00e4rkt geht es dann wieder anderthalb Stunden bis Villafranca &#8211; Montes de Oca, wo eine fr\u00fche Mittagspause eingeplant ist. Die Bars an der Durchgangsstra\u00dfe sind allerdings wenig einladend und ich mache mich schon auf das Schlimmste gefasst, als ich im Bergauf rechts in einen sch\u00f6nen Biergarten gucke, der zu einem Hostal geh\u00f6rt. Dann gibts da auch ne Bar zum Garten, denk ich mir und betrete dieses Kleinod. Richtig gedacht. Eiskalte Cola und ein Bocadillo mit Lomo, das ist ein Sandwich mit Minutenschnitzeln und eingelegten Paprika belegt. Der Hammer ist aber das Brot, eine Art Chiabatta, ich denke mit a weng Maismehl. So gut, da\u00df ich nachfrage. Das Brot, das nat\u00fcrlich das Beste der Welt und wird so nur in den Bergen, die Nord-S\u00fcd verlaufen, gebacken und ich, der ich in Ost-West-Richtung unterwegs bin, hab nun keine Gelegenheit zur Verkostung mehr, weils direkt nach dem Biergarten steil bergauf geht und ich die Montes de Oca \u00fcbersteige.<\/p>\n<p>Es geht nun durch ausgedehnte Waldgebiete, die reichlich Schatten bieten, was bei dem mitt\u00e4glichen Sonnenstand eine feine Sache ist. So mittendrin wird dann ein Monument angek\u00fcndigt, also ein Denkmal, was am Jakobsweg nichts au\u00dfergew\u00f6hnliches ist. Es entpuppt sich dann aber als was ganz Besonderes, weil es sich um ein Denkmal f\u00fcr ermordete Republikaner handelt, die dort wohl 1936 erschossen wurden. Ihre Gebeine wurden erst 2011 ausgegraben, also 75 Jahre nach der Tat und etwa 35 Jahre Jahre nach Francos Tod. Das kann als weiterer Beleg f\u00fcr die mangelnde und versp\u00e4tete Aufarbeitung dieser Jahre in Spanien gewertet werden, aber meine Gedanken sind woanders. Rucksack bei Seite stellen, Fahne rausholen, flaggen und den Toten die Ehre erweisen, die ihnen geb\u00fchrt. Das die Rast machenden Wanderer komisch gucken, st\u00f6rt mich nicht. Das mich niemand anspricht schon eher. Nach 20min ist die kleine Feier aber auch vorbei.<\/p>\n<p>Es geht weiter durch den Wald und zwar 12km. Einziger Lichtblick ist die Oasis de Camino, eine von einem Hippiem\u00e4dchen betriebene Versorgungsstation mit H\u00e4ngematten und Kaltgetr\u00e4nken. Kaltgetr\u00e4nk nehm ich, H\u00e4ngematte ist f\u00fcr andere. Auch wenn mir die chillige Musik nach einer Zeit auf den Wecker geht, ist das ein netter Fleck Erde, wo man es eigentlich aushalten kann. Eigentlich. Weiter gehts auf breiten Forstwegen durch den Wald und ich begegne einer leibhaftigen Schlange. Lebend. Schwarz mit &nbsp;voll gef\u00e4hrlichen Zackenmustern. Aber sie tut mir nichts, ich tue ihr nichts und alles ist gut. Dann hat es sich mit dem Wald und vor mir tut sich eine schier endlose Ebene auf. Im n\u00e4chsten \u00d6rtchen ist auch das erste Mal auf einem Transparent die Rede von Don Quichote, dessen Wirkungskreis ich mich wohl allm\u00e4hlich n\u00e4here. Und im \u00fcbern\u00e4chsten Ort bin ich dann endlich am Ziel. Kurz nach Vier. Eine Casa Rural, also ein umgebautes Bauernhaus. Ich erhalte ein sch\u00f6nes Zimmer mit Holzfu\u00dfboden, aber bevor es Richtung \u00e4u\u00dferlichen Anwendungen geht, will ich erstmal ein sch\u00f6nes, kaltes Bier. Also werden die Wandertreter gegen die Crogs getauscht, der Gastraum betreten, ein Bier bestellt und ein schattiges Pl\u00e4tzchen auf der Terasse gesucht. Gefunden und gefunden worden von einer Wanderin aus Dortmund, Typ alleinerziehende Haus\u00e4rztin im Ruhestand. Sch\u00f6n an diesen Ruhrgebietsgew\u00e4chsen mit Haaren auf den Z\u00e4hnen ist ja, da\u00df der Small Talk auch schonmal derber gef\u00fchrt werden kann. Passt zum Bier und macht Spa\u00df, aber mein K\u00f6rper schreit nach Bad und Liege. Also verabschiede ich mich. Als die gute Frau schnallt, da\u00df es in der Butze auch Einzelzimmer f\u00fcr kleines Geld gibt, sie aber im Schlafsaal unter ist, kriegt sie Schnappatmung. Naja, kann ich nich f\u00fcr&#8230; w\u00fcrde man in Ewing wohl sagen. \u263a<\/p>\n<p>Das Dorf ist eigentlich zu klein f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen Corso. Trotzdem ziehe ich los, entdecke einen Minimercado und f\u00fclle meine Nektarinenvorr\u00e4te wieder auf. Und weil sich sonst nichts anbietet, esse ich im Resto der Unterkunft, was sich als gute Wahl erweisen soll. Zun\u00e4chst gibt es eine Linsensuppe mit kleinen Berglinsen, die diesen nussigen Geschmack haben und in Italien aus Norcia, in Frankreich aus Le Puy und in Deutschland von der schw\u00e4bischen Alb kommen. Wo es die in Spanien gibt? Keine Ahnung. Die Einlagen in der Suppe sind Morcilla und Chorizoscheiben, die hier schon wieder anders schmecken, als im Baskenland und im Rioja. Alles gut. Und es soll besser werden. Lammkoteletts, wie ich sie schon lange nicht mehr oder noch nie geschmeckt habe. So gut, da\u00df ich die Finger nehme, um auch den letzten Fitzel Geschmack mitzunehmen. In einer Casa Rural geht das eventuell, aber es ist soooo gut, da\u00dfmir das eigentlich egal ist. Dazu gibt es gegrillte gr\u00fcne Chillies und Bratkartoffeln. Dazu einen wei\u00dfen Verdejo, einer Rebsorte, die sich gerade in meine Top Ten spielt. In der Regel echt guter Stoff!<\/p>\n<p>Ich glaub, ich frage mal, ob es noch son Viertele gibt und setz mich noch was auf die Terasse. Gegessen habe ich n\u00e4mlich drinnen, wie die Spanier und ein Franzosenp\u00e4rchen auch, weil es abends halt die Zeit ist, wo M\u00fccken und Fliegen unterwegs sind. Davon bleib ich lieber unbehelligt. Und dann werde ich nochmal was zu Nizza und dem Putschversuch oder der Inszenierung eines Putschversuchs lesen. In was f\u00fcr einer bekloppten Zeit leben wir eigentlich? Naja, ob sie so bekloppt ist? Ein lieber Freund zitiert dazu gerne R.E.M &#8222;It&#8217;s the end of the world as we know it&#8220; und meint damit das unaufhaltsame Ende einer Politik der fossilen Nichtnachhaltigkeit. Was wir, denke ich, in dieser Diskussion v\u00f6llig untersch\u00e4tzt haben, sind die gewaltt\u00e4tigen und perfiden Formen, die das Rat Race um den letzten Tropfen \u00d6l, den letzten Euro und den letzten Profit annehmen wird und welchen ideologischen \u00dcberbau sich diese Auseinandersetzung sucht. Das lohnt sich doch, dr\u00fcber nachzudenken. Und zwar unter Spaniens Himmel. Wo sonst?<\/p>\n<p>Nachtrag. Bei der Rechnung hat sich der Kollege zu meinen Gunsten verrechnet. Als ich das moniere, freut er sich einen Ast, weil ihm das schon lange nicht mehr passiert ist. Also das sich jemand meldet, der zuwenig bezahlt hat. Und das bei den ganzen PilgerInnen&#8230; ?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin heute schon um Punkt 8:00h auf der Strecke gewesen, weil es relativ lang geht und gegen vier dann auch richtig hei\u00df werden soll. 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