{"id":810,"date":"2016-07-19T17:07:00","date_gmt":"2016-07-19T15:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=810"},"modified":"2016-07-19T17:07:00","modified_gmt":"2016-07-19T15:07:00","slug":"85-etappe-santo-domingo-de-la-calzada-belorado","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=810","title":{"rendered":"85. Etappe: Santo Domingo de la Calzada &#8211; Belorado"},"content":{"rendered":"<p>Wie soll ich denn anfangen? Vielleicht so. Seit jungen Tagen und der Einf\u00fchrung des Fr\u00fchst\u00fccksfernsehens, kann ich den Finger nicht von der Fernbedienung lassen, wenn ich in der Reichweite derselben gen\u00e4chtigt habe. Das war ganz fr\u00fcher in der WG der Fall, heutzutage eben in Hotels, weil ich es mir f\u00fcr daheim echt verboten habe. Und wo habe ich \u00fcbernachtet? Richtig. Im Hostal mit Fernseher&#8230; Also an damit, und dann die schrecklichen Bilder aus Nizza. Eine Stadt, die ich sehr mag. An der Cote d&#8216; Azur, einem Sehnsuchtsziel. Unweit von einem Campingplatz, der mir im Zusammenspiel mit der Stadt vor 25 Jahren drei wunderbare Tage mit Blicken \u00fcber Stadt und Mittelmeer und viel Nachdenken und Klarheit verschafft hat. Meine Stadt, so ein bi\u00dfchen. Und eine liebe Freundin war erst vor kurzem dort. Das macht es alles irgendwie so konkret, so nah, so nah an mir.<\/p>\n<p>Und in all der Trauer wird in dieser Sendung sofort die Gleichung Tunesischer Hintergrund = Moslem= Islamist\/Gaesh aufgemacht. Das macht mich w\u00fctend, weil es darum doch schon lange nicht mehr geht. Es ist egal, ob es ein durchgeknallter Irgendwas oder ein politischer Aktivist ist. Der Repressionsapparat wird sich weiter drehen. Frankreich lebt nun seit den Anschl\u00e4gen von Paris im Ausnahmezustand. Die franz\u00f6sische Regierung hat diese Zeit auch genutzt, um die franz\u00f6sischen HartzIV-Gesetze durchzusetzen, und das eben auch mit Kn\u00fcppelei und Tr\u00e4nengas, was auf meinem Weg durch Frankreich nur Wenige gest\u00f6rt hat. Das alles in einem Atemzug zu tun, hat die Regierung Hollande weiter auf den milit\u00e4rischen Weg gezwungen und das ist das Einfallstor f\u00fcr Durchgeknallte an sich und f\u00fcr politische Schwerverbrecher, weil er Ihnen damit in ihren Augen Legitimit\u00e4t f\u00fcr ihre Taten verleiht. Und er hat gestern Nacht die Rechnung pr\u00e4sentiert bekommen. Dabei h\u00e4tte er es besser wissen k\u00f6nnen. Bereits vor fast oder mehr als 100 Jahren hat der gute Lenin die Spirale aus individuellem Terror, und auch Lenin wu\u00dfte schon zwischen durchgeknallten Einzelpersonen und wahnsinnigen Organisationen zu unterscheiden, und Repression beschrieben. Dieser Anschlag macht Le Pen zur n\u00e4chsten Pr\u00e4sidentin und die Spirale der Repression geht weiter. Das Angela Merkel die leninsche Erkenntnis so eiskalt richtig umgesetzt hat, halte ich ihr zu Gute. Da\u00df sie mittendrin die Linie verliert, ist eine ganz bl\u00f6de Geschichte. Aber. Und das meine ich ernst. Sie hat den Druck aus dieser Repressionsnummer genommen und daraus ein zivilgesellschaftliches Problem gemacht. Prima. Jetzt k\u00f6nnen wir es aushandeln. Zusammen kochen oder Heime anz\u00fcnden, aber wir als Gesellschaft, als Community entscheiden. Zur Zeit sieht es eher nach 2:0 f\u00fcr zusammen Kochen aus. Noch. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir alles tun. Und solange sich die Cops, Rigaer und so, raushalten und niemand aus dem etablierten Lager schlechte Stimmung macht, kriegen wir das auch hin. Die Sozialdemokratie ist dabei schlechte Stimung zu machen, so leid mir das tut. Der kritische Faktor.den dieser Parteivorstand von Andrea bis Zigmar darstellt, ist dabei unglaublich, weil viele SPDlerInnen vor Ort ja prima unterwegs sind&#8230;. Denke ich, aber ich bin ja auch schon n viertel Jahr weg. &nbsp;All das geht mir durch den Kopf . Morgens fr\u00fch, wegen Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen, und sonst auch&#8230;<\/p>\n<p>Ich verlasse heute die Region Rioja und komme in das von mir ungeliebte Kastilien. Das hat v\u00f6llig emotionale Gr\u00fcnde, sicher gibt es da auch nette Menschen, aber f\u00fcr mich steht Kastilien f\u00fcr die spanischen K\u00f6nigInnen, die Ausbeutung von S\u00fcdamerika, aber eben auch von Galicien, Asturien, Kantabrien, Euskadi und Catalunya, f\u00fcr Imperialismus der ersten Stunde, f\u00fcr die Antiaufkl\u00e4rung und den klerikalen Konservatismus des fr\u00fchen 20. Jahrhundert, der schlu\u00dfendlich auch den Franco-Putsch und das Verharren dieses Landes bis weit in die 80er Jahre bewirkt hat. Die \u00c4lteren werden sich erinnern, was das war, als nach Francos Tod keine roten Fahnen durch Madrid getragen wurden, sondern der junge K\u00f6nig gefragt wurde, ob er es nicht richten will&#8230; Das war 1974 in Portugal schon was anderes. Ich acht Jahre alt, aber die portugiesischen Arbeitskollegen meines Vaters in allerbester Laune. Das war Befreiung. In Spanien gabs Transition&#8230; Die InterrailerInnen der 80er werden sich sicher auch noch an den Unterschied zwischen Portugal und Spanien erinnern. In Porto am Bahnhof wurden wir mit bestimmt 400 Schlafsackleuten vorm Bahnhof liegend von der Polizei bewacht und in Spanien mit drei Rucksackis argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt. Das sind Lektionen f\u00fcrs Leben!<\/p>\n<p>Also jetzt dadurch. Und zwar ganz sch\u00f6n lange. Vorsichtig setze ich meinen Fu\u00df \u00fcber die Landesgrenze und stimme sicherheitshalber mal ein Lied an&#8230; &#8220; unsre Heimat liegt heute vor Madrid&#8230;&#8220; Es passiert nix. Also gehe ich weiter und werde von goldenen Weizenfeldern, die bis zum Horizont reichen und von der Sonne beschienen werden, geblendet. Wie sch\u00f6n. Das der Weg dabei die ganze Zeit an der N120 vorbeif\u00fchrt ist fast egal. Die Landschaft malt sich selber als abstrakte gold-scharz Schattierung oder eben monochrom. Herrlich. Wenigstens was. Die D\u00f6rfer sind zumeist verschlafen oder nur noch auf Wanderer ausgerichtet und deshalb wenig berichtenswert. Ich komme dann im Zielort an, leg mich wieder aufs Bett, guck spanische Nachrichten, lese einen zur Vorsicht gemahnenden Jacob Augstein und den Rest von Internet und denke, da\u00df der luhmannsche Aufsatz zur Soziologie der Politik, der die Reziprokit\u00e4t von Macht so ganz hervorragend beschrieben hat, also die Aufeinanderbezogenheit von Herrscher und Beherrschtem und der systemischen Komplexit\u00e4t des Prozesses, wenn einer von Beiden den Bezug zum Anderen verliert, von universellem Wert ist. Eine pr\u00e4gende Lekt\u00fcre. Dar\u00fcber duckel ich ein, drehe noch eine Runde durchs Kaff und beschlie\u00dfe in der etwas au\u00dferhalb gelegenen Unterkunft zu essen. Es macht keinen Sinn in einem von Camino-WandererInnen lebenden Ort nach einem gescheiten Resto zu suchen. Also heim. Das Obst f\u00fcr morgen aufs Zimmer und auf gehts. Salat als Vorspeise, Fritten und Schnitzelchen als Hauptspeise kennen wir. Genau wie die Musik. Ich speise mit dem Musikgeschmack von Henry Maske und diesem anderen deutschen Boxer aus den 90ern. Jetz l\u00e4uft Conquer of paradise oder wie das hei\u00dft. Es ist grausam. Aber als Nachspeise ne Scheibe Melone. Ich gebe zu, Melone ist nicht so ganz mein Ding, aber das hier hat geschmeckt. Keine Friteuse, keine Mikrowelle konnte es verhunzen. Ich bin mal gespannt, wie das kulinarisch weitergeht. Das Viertele Wein zu Essen hatte auch was von Messwein, also irgendwie eine Myrre-Note. Deshalb gibts jetzt nochn Bier auf der Terasse und ich lasse meine Gedanken weiter fliegen. Vielleicht kriege ich sie ja auch mal noch sortiert, da\u00df sie auf einen Bierdeckel passen. Allen die bis hierhin mitgelesen haben auf jeden Fall ein herzliches Danke. Ihr und sie m\u00fcsst das ja auch alles aushalten..&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie soll ich denn anfangen? Vielleicht so. Seit jungen Tagen und der Einf\u00fchrung des Fr\u00fchst\u00fccksfernsehens, kann ich den Finger nicht von der Fernbedienung lassen, wenn ich in der Reichweite derselben gen\u00e4chtigt habe. 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