{"id":796,"date":"2016-07-15T13:07:45","date_gmt":"2016-07-15T11:07:45","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=796"},"modified":"2016-07-15T13:07:45","modified_gmt":"2016-07-15T11:07:45","slug":"82-etappe-los-arcos-logrono","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=796","title":{"rendered":"82. Etappe: Los Arcos &#8211; Logro\u00f1o"},"content":{"rendered":"<p>Am Morgen geht es fr\u00fch los, weil 29km zu bew\u00e4ltigen sind, aber wider Erwarten sind nicht viele Wanderer unterwegs. Mir solls recht sein. Es ist auch etwas k\u00fchler wie gestern und bew\u00f6lkt hat es sich auch. Zum Wandern ist es also recht angenehm. Heute geht es von Navarra nach Rioja, dem wohl bekanntesten Anbaugebiet Spaniens. Zielort ist Logro\u00f1o, die Hauptstadt der Region und Universit\u00e4tsstadt. Ich werde zwei N\u00e4chte dort bleiben, weil ich mir die Stadt seit der Lekt\u00fcre eines Weinkrimis, der dort spielte, recht interessant vorstelle. Au\u00dferdem gilt es auch auf der Spur wei\u00dfer Trauben zu bleiben, die mit Hitze umgehen k\u00f6nnen, weil unser deutsches Portfolio von Riesling bis Silvaner ja bei hohen Temperaturen richtig Stress kriegt und da ich denke, da\u00df es im Klimawandel zu Perioden mit hohen Temperaturen und gro\u00dfer Trockenheit kommen wird, gilt es schonmal nach Alternativen Ausschau zu halten. Unterst\u00fctzung werde ich von einem Freund und Kollegen erhalten, den es nach seiner Verrentung Richtung Spanien gezogen hat.<\/p>\n<p>Aber zun\u00e4chst geht es durch Weinberge, Felder und W\u00e4ldchen flott voran. Zwei Einkehrschw\u00fcnge f\u00fcr den Mineralienhaushalt f\u00fchren zu einer echt miesen Erfahrung. Beim zweiten Boxenstopp war mir nach einem Mineralwasser mit Blubb. Dieses stille Wasser aus dem Hahn h\u00e4ngt mir n\u00e4mlich allm\u00e4hlich zum Hals raus. Und bei dem Stra\u00dfenverkauf mit Sitzgelegenheit entdecke ich ein Dose auf der was mit Aqua und con Gas steht. Gekauft. Aufgerissen und an den Hals damit. Aber so schnell wie ich die Dose wieder abgestellt habe, habe ich lange nichts mehr abgestellt. Das reinste Zuckerwasser. Ich hatte irgend so einen halbseidenen Energydrink erwischt. Bah, schmeckt das eklig. Da lob ich mir doch Coca-Cola, eiskalt, zumindest hier auf dem Weg. Ich hoffe n\u00e4mlich, da\u00df sich mein Softdrink-Konsum zuhause wieder runterfahren l\u00e4sst. Zur Zeit ist mein Kalorienumsatz so, da\u00df ich das verkrafte, vor allem weil ich tags\u00fcber eigentlich auf feste Nahrung verzichte, mal hie und da ein Pintcho, aber das z\u00e4hlt ja nicht. Ab Oktober sitze ich aber wieder an einem Schreibtisch oder sonstwo. Da w\u00e4re das fatal. Naja, wird schon klappen, gibt ja dann wieder Mineralwasser mit Blubb.<\/p>\n<p>Mit solch schwergewichtigen Gedanken n\u00e4here ich mich Logro\u00f1o und sehe mal wieder Industrie, produzierendes Gewerbe, was mich echt freut. Es ist nat\u00fcrlich nicht wirklich lauschig durch ein Industriegebiet zu wandern, aber es f\u00fchlt sich gut an. Danach geht es bergab durch eine kleine Stra\u00dfe Richtung Innenstadt an der ein ganz besonderer Verkaufsstand Getr\u00e4nke und Souvenirs anbietet. Vor einem kleinen H\u00e4uschen sitzt eine alte Frau, die sich mit diesem Stand finanziert, so wie das schon ihre Mutter gemacht hat, die schon 2002 gestorben ist und der mit einer Tafel am Haus gedacht wird. Das wirkt alles m\u00e4chtig sympathisch und ich beschlie\u00dfe die 29km in sieben Stunden mit einem San Miguel.<\/p>\n<p>Danach geht es in die Unterkunft, duschen und ruhen und los. Zum Busbahnhof, meinen Freund abholen, der aber erst morgen um die gleiche Zeit kommen wird. Stellen wir telefonisch fest. Da haben wir uns wohl mi\u00dfverstanden. Naja, ziehe ich halt alleine los. Ab in die Altstadt. Menschen, Bars und L\u00e4den. Der abendliche Corso beginnt langsam. Man flaniert durch die Gassen, trinkt hier ein Glas, nimmt da ein Pintcho und geht weiter, trifft sich auf einen kurzen Plausch. Alles geht schrecklich laut zu und ich bin nach vier Pintchos satt. Pappsatt. Sch\u00f6n finde ich, da\u00df die zum Pintcho immer nur ein Schl\u00fcckchen Wein ausschenken und keinen Schoppen, sonst w\u00e4re der Abend schnell vorbei. So kann ich weiter cruisen und eintauchen. Ab 21.00h \u00f6ffnen dann die Restaurants und die Pintchos werden abger\u00e4umt, bzw. nicht mehr nachgef\u00fcllt und dann gehen die Leute noch richtig Essen. Das ist der Hammer. Naja, ich hab genug gesehen und geh schlafen.<\/p>\n<p>Morgens schlafe ich aus, ignoriere das Fr\u00fchst\u00fcck im Hotel und beziehe einen guten Platz in einem Marktcafe, bestelle Cafe con Leche und Zumo de Nara\u00f1ja und beginne den gestrigen Tag festzuhalten. Diese Kaffeeh\u00e4user haben einfach eine tolle Ausstrahlung. Businesspeople und Marktfrauen, die Chicas aus den Boutiquen, die erst um zehn \u00f6ffnen und Bauarbeiter, die schon um sieben angefangen haben und eine Kaffeepause machen. Mittendrin ich, also weniger mittendrin als in einer Ecke mit guter \u00dcbersicht. Sch\u00f6n. Nachdem das Schreiben und Sitzen und Gucken rum ist, wird es auch Zeit zum Busbahnhof zu gehen und den Claus abzuholen, der sich extra meinetwegen auf den Weg aus Donostia hierher gemacht, wo er im Ruhestand seine Zelte aufgeschlagen hat. Ich freue mich und der Bus ist p\u00fcnktlich. Herzliches Hallo. Nachdem wir sein Gep\u00e4ck in meinem Zimmer verstaut haben, gehen wir erstmal nen Kaffee trinken, dann am Ebro spazieren, um dann quer durch die Stadt zu laufen. Es gibt zu erz\u00e4hlen und zu diskutieren, nachzufragen, gemeinsam zu beleuchten, was mir nach all den Wochen seit dem Burgund, wo ich alleine unterwegs bin, richtig gut tut. Irgendwann werden wir hungrig und essen eine Kleinigkeit, bevor es weitergeht.<\/p>\n<p>Dann kann Claus in seinem Hotel einchecken, was er dann auch tut und wir wenden uns den angenehmen Dingen des Lebens zu. Eine Weinbar mit einem guten \u00dcberblick ist in der Altstadt schnell gefunden und wir fangen bei den einfachen Weinen an. Dazwischen immer wieder ein Pintcho oder Tapas, wie die hier auch schon hei\u00dfen. Wir f\u00fchren weiter Gespr\u00e4che \u00fcber die Rettung der Welt und merken, da\u00df uns ein junger Kerl die ganze Zeit schon mit zunehmender Aufmerksamkeit zuh\u00f6rt. Wir fragen nach und er entpuppt sich als wiss. Mitarbeiter an der Uni Birmingham, der dort Sozialarbeiter ausbildet und kurz drauf diskutieren wir zu dritt die Rettung der Welt aus der Perspektive der Sozialarbeit im Europa der leeren D\u00f6rfer und der \u00fcberforderten Metropolen. Das ist sehr interessant, weil der Kollege, der \u00fcbrigens wegen seiner Oma aus Hannover ganz gutes Deutsch spricht, eben auch die methodischen und qualitativen Ans\u00e4tze einer Sozialarbeit im 21. Jahrhundert und deren strukturellen Rahmenbedingungen einbringt. Gemeinwesenarbeit mit einer einzigen Planstelle wird eben schwierig und schon entsteht Migrationsdruck vom Land in die Stadt, weil nur dort ad\u00e4quat geholfen werden kann. Es ist ein fulminanter Abend, der mich an beste Studienzeiten erinnerte, wo wir auf theoretisch hohem Niveau die neuen Welten auf einen Bierdeckel brachten, oder ein Flugblatt oder einen Artikel. Zwischendurch spielt auch noch ein Japaner mit, der eine Woche auf dem Camino verbracht hat und seinen letzten Abend feierte. Das konnte er mit einem japanischen Pintcho, weil der Wirt der Kneipe eine japanische Freundin hat, die ihm das Rezept gedr\u00fcckt hat. Deshalb also mitten in einer Weinbar in Logro\u00f1o Sushi und ein Japaner, der sich freut. Ich find das schon gro\u00dfartig, das es einen Schlag junger Leute gibt, die echterdings als international zu bezeichnen sind und viel reisen und hoffentlich den Anderen, die h\u00f6chstens Urlaub machen, beibringen, da\u00df Nation ein Konstrukt ist und wir alle Menschen.<\/p>\n<p>Als es dann aber immer mehr Under30 wurde, haben Claus und Klaus sich verzogen. Wir sind dann in einer Sidreria etwas au\u00dferhalb der Partyzone eingecheckt und haben den Wein erstmal mit Sidra neutralisiert, bevor wir -einer Empfehlung der Wirtin folgend- noch Essen gingen. Der Geheimtip entpuppte sich als das Teil, wo alle Vertriebler ihre Kunden zum Essen hinzerren, weils da soooo authentisch ist. Seis drum. Essen lecker. Es gab was zum l\u00e4stern und wir hatten weiterhin unseren Spa\u00df. Weil man aufh\u00f6ren soll, wenn es am Sch\u00f6nsten ist, gings nach einer herzlichen Verabschiedung dann in die jeweilige Unterkunft. Ein sch\u00f6ner Tag und Logro\u00f1o war genau der richtige Ort. Super-Weine, coole Bars, nette Leute und Universit\u00e4ts-\/Verwaltungsstadt, also fast wie W\u00fcrzburg! \u263a<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Morgen geht es fr\u00fch los, weil 29km zu bew\u00e4ltigen sind, aber wider Erwarten sind nicht viele Wanderer unterwegs. Mir solls recht sein. Es ist auch etwas k\u00fchler wie gestern und bew\u00f6lkt hat es sich auch. 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