{"id":794,"date":"2016-07-15T13:01:06","date_gmt":"2016-07-15T11:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=794"},"modified":"2016-09-30T08:05:03","modified_gmt":"2016-09-30T06:05:03","slug":"81-etappe-estellalizarra-los-arcos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=794","title":{"rendered":"81. Etappe: Estella\/Lizarra &#8211; Los Arcos"},"content":{"rendered":"<p>Das war trotz bestem Wetter einer der schw\u00e4rzesten Tage auf der Tour. Dabei hatte alles positiv angefangen. Das Zelt war v\u00f6llig trocken, nicht ein Fitzelchen Tau, so da\u00df der Abbau z\u00fcgig voranging und ich rasch abmarschbereit war. Vorher noch in der Camping-Bar einen Cafe con Leche und Orangensaft. Und los gings. Ein paar Meter hinter dem Campingplatz fiel mir dann auf, da\u00df ich meinen Wanderhut gar nicht aufhatte. Und auch den ganzen Morgen noch nicht aufhatte, wie die letzten anderthalb Tage. Choder. Also zur\u00fcck. Alles nochmal ausgepackt, selbst das Zelt und geguckt. N\u00fcschte. An der Rezeption und in der Bar gefragt, ob jemand n Wanderhut gefunden hat. Ebenfalls negativ. Ich war mir aber todsicher am Freitag mit Hut eingecheckt zu sein und den am Samstag auch noch im Zelt gesehen zu haben. Zur Stadtbesichtigung und auf dem Platz habe ich ihn nicht getragen. Ich mu\u00df mich wohl damit abfinden, da\u00df sich der treue Begleiter selbst\u00e4ndig gemacht hat. Und das macht mich richtig traurig, weil mich das Teil \u00fcber die Alpen, den Rennsteig und wo wei\u00df ich noch, begleitet hat. Ich bin genervt und stapfe los. Weitergehen mu\u00df es ja. Nach zehn Minuten merke ich, da\u00df es ohne Sonnenschutz qua Hut gar nicht geht.<\/p>\n<p>Woher nehmen? Ersatz f\u00fcr diese schmucke Kopfbedeckung zu finden wird reichlich schwierig und au\u00dferdem hilf auch keine Meditation zum Fetischcharakter der Ware und sonstige Rationalisierung. Ich bin traurig, da\u00df das Teil weg ist. Ich habe es gern gehabt. Das ist doof, wei\u00df ich, aber ich kann da gerade nix machen. Auf dem Weg durch Estella hat eine Camino-Boutique schon ge\u00f6ffnet, aber die Wanderh\u00fcte sind alle mit Camino-Emblem und v\u00f6llig daneben. Also weiter. Und wieder mal erweist sich eine subkulturelle Vergangenheit als echte \u00dcberlebenshilfe. Eine gro\u00dfe 24h-Tankstelle kommt in Sichtweise, und wer an diesen Konsumtempeln nicht nur getankt hat, sondern auch das Sortiment im Auge hat, wei\u00df, da\u00df sich dort alles findet, was man im zumeist urbanen Dschungel braucht. Halleluja. Ich betrete den Laden und sehe, das es einige Sonnenh\u00fcte gibt. Darunter auch einen, der halbwegs geht. Halbwegs. Acht Euro abgedr\u00fcckt und dem Hitzetod durch Sonnenstich entronnen. Prima. Meine Laune bessert sich millimeterweise. Ich begie\u00dfe dIe Neuerwerbung mit einer eiskalten Cola, ebenfalls von der Tanke und beruhige mich weiter, indem ich google, ob es den meinen alten Hut noch im Sortiment gibt. Der ist bzw. war n\u00e4mlich von einem Markenhersteller aus dem Hutfachgesch\u00e4ft. Und siehe da. Nat\u00fcrlich gibt es den noch. Dann gibt es im Oktober einen Neuen und die untreue Tomate soll woanders gl\u00fccklich werden.<\/p>\n<p>Nun r\u00fcckt langsam diese fantastische Landschaft wieder in den Vordergrund, die sich je weiter ich nach Westen gehe, immer sanfter darstellt. Das Raue der Berge weicht geschwungenen H\u00fcgeln und die Farben wirken im Zusammenspiel von Sonnenschein und klarer Sicht noch intensiver. Bei Villamayor de Montjardin gibt es nochmal einen Aufstieg, der mit einer fantastischen Panoramasicht belohnt wird. Das ist hier wirklich ein herrlicher Fleck Erde.<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag erreiche ich Los Arcos, einen kleinen Ort mit einem sch\u00f6nen Marktplatz f\u00fcr die Touristen und einem Nebenplatz, wo sich die Einheimischen tummeln. Ich beziehe aber erstmal die Unterkunft und mache Siesta. Die laufen mir schon nicht weg. Als ich abends los will, informiere ich mich beim \u00fcberaus netten Rezeptionisten nach einem authentischen Restaurant und er bedauert \u00fcberaus, da\u00df sein Favorit Sonntags zu hat. Ich auch. So geht es also Richtung Marktplatz, wo ich kurz mit einem Engl\u00e4nder und seiner mexikanischen Lebensgef\u00e4hrtin plaudere, die ich vor ein paar Tagen schonmal kurz gesprochen habe und den schweizer Maroniverk\u00e4ufer treffe ich auch wieder. Irgendwie kann man sich auf diesem Weg schlecht aus dem Weg gehen, aber ich will schon zusehen, da\u00df da nix zu eng wird. Was da die Camino-Ger\u00fcchtek\u00fcche von Dramen zu erz\u00e4hlen wei\u00df, die nach Trennungen von Leuten passieren, die nur drei Tage zusammen gelaufen sind, ist der Hammer. Naja, neben Selbstoptimierern und Studis aus aller Welt sind eben auch sackweise Leute unterwegs, die schonmal zum T\u00f6pfern in der Toskana waren oder andere Angebote aus dem Markt der Lebenshilfe ausgesch\u00f6pft haben. Und da kann es halt schonmal anstrengend werden. Deshalb hei\u00dft es von meiner Seite aus weiterhin: vornehme Zur\u00fcckhaltung bis hin zur blassierten Distanz!<\/p>\n<p>Ich hock mich aber zum Maroni-Dealer und esse mit ihm zu Abend, was Salat, Pommes, H\u00fchnchen hei\u00dft, Mich ziehts dann auch rasch auf die Stube. Ein EM-Endspiel im public viewing brauche ich heute abend nicht. Ich gehe also und beschlie\u00dfe den Abend mit einem nicht ganz freiwilligen Gedanken an den Hut&#8230; Oh Fetischcharakter der Ware. Bl\u00f6d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war trotz bestem Wetter einer der schw\u00e4rzesten Tage auf der Tour. Dabei hatte alles positiv angefangen. Das Zelt war v\u00f6llig trocken, nicht ein Fitzelchen Tau, so da\u00df der Abbau z\u00fcgig voranging und ich rasch abmarschbereit war. 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