{"id":784,"date":"2016-07-11T17:34:43","date_gmt":"2016-07-11T15:34:43","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=784"},"modified":"2016-09-30T08:04:36","modified_gmt":"2016-09-30T06:04:36","slug":"79-etappe-zurinain-puente-la-reina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=784","title":{"rendered":"79. Etappe: Zurinain &#8211; Puente-la-Reina"},"content":{"rendered":"<p>Ich war bereits um Viertel vor Acht Richtung Pamplona unterwegs, weils mit sechs Leuten in dem kleinen Zimmer nicht auszuhalten war. Pamplona wird der Mega-Boxenstopp auf der heutigen Etappe. In Pamplona wird n\u00e4mlich jedes Jahr ab dem 6. Juli San Fermin gefeiert, weil das der Stadtpatron ist und heute haben wir den 7., also ist die Fiesta in vollem Gange. Ernest Hemingway hat mit seinem gleichnamigen Roman dieses Fest weltbekannt gemacht und f\u00fcr viele Amerikaner ist es ein must have einmal dabei gewesen zu sein. Ich dagegen war nicht scharf drauf mit den Stieren um die Wette zu rennen, weshalb ich gegen halb Zw\u00f6lf, wenn die Rennerei gelaufen ist, in Pamplona eintrudeln will. Hab ich auch geschafft. Nach dreieinhalb Stunden bei bestem Wetter durch ein Meer von Beige und Braunt\u00f6nen, die mit dem satten Gr\u00fcn von Weinbergen und W\u00e4ldern harmonieren, kam ich in die ersten Vororte. Ausgestorben. Alle Schotten dicht, nur hier und da hatte eine Bar auf und es huschten M\u00e4nner und Frauen ganz in Wei\u00df mit roten Halstuch und roten G\u00fcrtel durch die Gassen. Aufgeregt. Whole town in panic.<\/p>\n<p>Dann passierte ich das Ortsschild unter dem ein ebenso gro\u00dfes Schild verk\u00fcndete, da\u00df die Stadt keine sexuelle Aggressionen toleriert. Sowas w\u00fcrde ich mir ja mal f\u00fcrs Oktoberfest w\u00fcnschen, wo man doch eher versucht alles kleinzureden und zu vertuschen, was an sexuellen \u00dcbergriffen bis bin zur Vergewaltigung so alles vorkommt, Jahr f\u00fcr Jahr. Da scheint Pamplona einen offensiveren Umgang mit dem Thema zu pflegen. Je n\u00e4her ich dem Stadtzentrum kam, desto mehr Menschen sah ich in Tracht und desto h\u00e4ufiger war die baskische Fahne gehisst, politische Transparente \u00fcber die Strasse gespannt und die Stadt entsprechend plakatiert. Ein reichlich gro\u00dfer Bierstand war mit \u00f6kologisch, antikapitalistisch und antisexistisch \u00fcberschrieben. Ob der Stand so gro\u00df war, weil das komplette politische Programm dargestellt werden sollte, ob der ob das sich so ergeben hat, blieb unklar. Ist auch egal. Aber das so eine gro\u00dfe Veranstaltung, ein Volksfest zur B\u00fchne fortschrittlicher, gar linker Politik werden kann, ist schon ein Unicum der politischen Kultur im Baskenland. Vielleicht geht sowas noch in Rojave. Es war auf jeden Fall sch\u00f6n, das zu sehen. Und all die tanzenden und singenden Menschen, die&nbsp;sich auf den gro\u00dfen Festzeug freuten. Besoffene hab ich keine gesehen, obwohl alle n Bier, n Wein oder Sidra in den H\u00e4nden hatten. Dem konnte ich mich nicht entziehen, stellte mich in einer Bar an die Thekr, bestellte ein Bier und habe die ersten Pinchos meiner Wanderung genossen. Kunstvoll geschichtete Leckereien mit allem M\u00f6glichen. Basis ist in der Regel eine Brotscheibe auf die in gewagten Konstruktionen und Kombinationen alles kommt, was schmeckt. Herrlich. Ich lie\u00df mich weiter durch das Geschehen treiben und fand daran Gefallen. Das hatte -vielleicht mu\u00df ich mir dieses Stierdingens doch mal angucken- sowas Archaisches, sowas Urspr\u00fcngliches und trotz der ganzen Touris und mir nichts Gek\u00fcnsteltes, sondern das Tragen der Tracht, also wei\u00dfe Klamotten, rote Accessoaires ist ja kein Dirndl-Kram von 50 bis 5000 Euro, sondern funktioniert mit ner Malerhose genauso wie einer wei\u00dfen boss-Jeans, hat also an sich etwas zutiefst Nivellierendes. Ich kauf mir auch so ein rotes Halstuch und empfinde meinen Rucksack zum ersten Msl nach langer Zeit als st\u00f6rend. Mit dem Teil am Rucken flutschst du halt nicht mal eben durch ne Menschenmenge, sondern musst aufpassen, da\u00df du mit den Stecken, die ich am Rucksack festgemacht habe, um die H\u00e4nde frei zu haben, keinem wehtust. Manche Wanderer sehen das anders und mal wieder ist fremdsch\u00e4men angesagt. Dir haben einen Plan, einen R\u00fcckflug ab Compostelle f\u00fcr kleines Geld schon gebucht und m\u00fcssen heute dadurch. Die Pissnelken. Das hier, das ist das pralle Leben und weil es eben ein Leben ist, das auch politisch in meine Richtung tickt, w\u00fcnsche ich mir meine Bande, um das richtig genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Es ist n\u00e4mlich doch etwas anderes alleine \u00fcber so ein gro\u00dfes Fest zu ziehen, zu sehen, zu schmecken und zu beobachten, als mit guten FreundInnen dabei zu sein. So gucke ich mir das halt mehr an und freue mich, da\u00df der Raul Zelig -sehe ich abends auf fb &#8211; dieses Fest \u00e4hnlich wahrnimmt. Und wor\u00fcber ich mich noch mehr freue ist die Tatsache, da\u00df wir mit diesem roten ersten Mai in Siegen so etwas \u00c4hnliches doch recht erfolgreich etabliert haben. Ok, es gibt keine Tracht, au\u00dfer dieses lebhafte und nivellierende Schwarz \u263a, aber ansonsten ist dieser Ansatz Volksfest plus linke Inhalte seit mehreren Dekaden erfolgreich. Ich steh an einer Ecke und \u00fcberlege, ob wir beim n\u00e4chsten ersten Mai die FleischesserInnen von ein paar VeganerInnen durch Siegens Altstadt jagen lassen sollten, um das noch cooler zu machen. Ich verwerfe den Gedanken aber sofort wieder.&nbsp;<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden packt mich dann doch die Unruhe und ich ziehe weiter,obwohl ich mir den Umzug gerne angesehen h\u00e4tte. Ein anderes Mal. Rasch ging es durch das Universit\u00e4tsviertel wieder aufs Land, was auch hei\u00dft, das es mit geeigneten Unterk\u00fcnften nicht so ganz einfach ist. Landschaftlich ging das Farben- und Panoramaspektakel vom Vormittag weiter und weil ich von San Fermin, der Landschaft und Allem reichlich guter Dinge war, ging es immer weiter bis ich in Puente la Reina war und ich merkte, da\u00df ich heute locker zwei Etappen zusammengelegt habe. Kommt vor. Ich war dann aber auch brotfertig und froh ein g\u00fcnstiges Hotel gefunden zu haben, in dem ich auch Essen konnte. Dazu traf ich einen alten Bekannten, einen Rose aus dem Hause Inurieta, einem Winzer der aus Puente la Reina stammt und auch in Deutschland zu haben ist. Ein echt lecker St\u00f6ffche. Den Rest der Flasche nahm ich mit aufs Zimmer und war dann froh, da\u00df nach neunzig Minuten mit Fu\u00dfball Schlu\u00df war und ich das Licht ausmachen konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war bereits um Viertel vor Acht Richtung Pamplona unterwegs, weils mit sechs Leuten in dem kleinen Zimmer nicht auszuhalten war. Pamplona wird der Mega-Boxenstopp auf der heutigen Etappe. In Pamplona wird n\u00e4mlich jedes Jahr ab dem 6. 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