{"id":771,"date":"2016-07-06T08:45:08","date_gmt":"2016-07-06T06:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=771"},"modified":"2016-07-06T08:45:08","modified_gmt":"2016-07-06T06:45:08","slug":"75-etappe-aoure-ostabat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=771","title":{"rendered":"75. Etappe: Aoure &#8211; Ostabat"},"content":{"rendered":"<p>Ich hab so schlecht geschlafen, wie lange nicht mehr. Zwei Stechm\u00fccken benutzten meinen K\u00f6rper als Tr\u00e4nke und ich lag auf einer dieser Inkontinenzmatratzen . Das Problem bei diesen Dinger entsteht, wenn das Betttuch so d\u00fcnn ist, da\u00df du das Gef\u00fchl hast, im eigenen Saft zu liegen. Wer die roten Kunstlederb\u00e4nke der deutschen Bundesbahn noch kennt, wei\u00df wie sich das anf\u00fchlt, wenn es mal mehr wie 20Grad hat. Es war eine grausame W\u00e4ltzerei und Juckerei. Am morgen f\u00fchlte ich mich wie ausgespieen und kam deshalb heute sp\u00e4ter los als geplant.Auch weil ich mir das Fr\u00fchst\u00fcck bei der Frau K\u00f6chin nicht engehen lassen wollte. Und richtig. Mit selbstgemachten Marmeladen und einem Jogurt aus eigener Herstellung, der wirklich nach Milch schmeckte und die Konsistenz von Panna Cotta hatte, war die Nacht schnell vergessen.<\/p>\n<p>Fast vergessen hatte ich auch schon, da\u00df es regnen kann. Aber dieser Wetterzustand brachte sich heute in eindrucksvoller Weise in Erinnerung. Es regnete in allen Varianten von leichtem Nieseln bis minutenlangem Starkregen. Zwischendurch h\u00f6rte es auch wieder auf, heller wurde es auch schon wieder, aber die Hoffnungen trogen. Und als ich dann an dem Punkt stand, f\u00fcr den der Wanderf\u00fchrer einen exzellenten Blick auf die Pyren\u00e4en versprach und der es sogar zu einer Panoramatafel gebracht hatte, die die Gipfel benamten und nur in eine wei\u00dfe Wand gucken konnte, h\u00e4tte ich echt heulen k\u00f6nnen. Da latschst du fast 2000km und dann wird dir so ein Panorama versagt. Die Laune war also nicht nur im Keller, sondern in der Kanalisation.<\/p>\n<p>Das wurde auch nicht besser als ich den Zielort betrat und das Gef\u00fchl hatte, da\u00df hier aber auch garnix los ist, geschweige denn eine touristische Infrastruktur vorhanden ist. Bei dem Wetter brauch ich die aber und hatte mir schon das ein oder andere ausgemalt. Pustekuchen. Nun liege ich in einem ZweiBettZimmer und bleibe hoffentlich alleine, werde den ganzen Nachmittag aber schon von vier saubl\u00f6den Fliegen genervt, die sich entweder an meinem neuen Duschzeug oder eben was ich sonst so mittlerweile mit mit rumschleppe gar nicht oft genug ne Nase holen kommen k\u00f6nnen. Um sieben gibts Abendessen, aber ich geh &#8211; denk ich &#8211; vorher mal aufn Apero.<\/p>\n<p>Das war ein lecker regionales Bier mit einem unaussprechlichen Namen, der eher nach Saurier als Kaltgetr\u00e4nk klang. Geschmacklich ging es in Richtung der dunklen Biere aus der fr\u00e4nkischen Schweiz. Ach, wie ich mich darauf auch wieder freue. Nach dem Bier in der einen Bar des Ortes mu\u00dfte ich wieder in die andere Bar des Ortes, weil dort das Abendessen serviert wurde. Die kleine Karawane durch den Ort zeigte, da\u00df es dir anderen G\u00e4ste des Ortes ebenso gehalten haben. Am Abendessen hatte ich meine helle Freude gab es doch zun\u00e4chst eine frische Gem\u00fcsesuppe, die ich schon seit dem Burgund nicht mehr hatte. Dann gabs ein Schweinekotelett mit gr\u00fcnen Bohnen und Pasta \u00e4h Pate und zum Schlu\u00df einen K\u00e4se aus dem Ort, schnittfester Schafsk\u00e4se. Bonne. Die Tischgesellschaft bestand aus einem franz\u00f6sischen P\u00e4rchen und einem Einzelwanderer, ebenfalls Franzose und Unsympath. Der war mir schon tags\u00fcber aufgefallen, weil er jede Zur\u00fcckhaltung, \u00fcber das Ma\u00df hinaus an das ich mich mittlerweile gew\u00f6hnt habe, vermissen lie\u00df. Also sa\u00df mir gegen\u00fcber ein alter Mann der schmatzend und grunzend sein Essen verschlang und darauf bedacht war, von Brot und Wein soviel wie m\u00f6glich einzuheimsen. Das er dazu ein Armeeunterhemd trug und das P\u00e4rchen immer wieder mit Beitr\u00e4gen maltr\u00e4tierte in denen die W\u00f6rter Nation und France auftauchten, machte das Bild f\u00fcr mich rund. Ich hab ja keine Vorurteile, aber ne leichte Kindheit hatte der auch nicht. Um das mal so zu sagen.<\/p>\n<p>Damit war der Abend aber noch nicht vorbei. Ich fragte den Wirt nach wifi und als ich im Gespr\u00e4ch rausarbeiten konnte, da\u00df ich Fu\u00dfball gucken wollte, meinte er nur, ich solle mal mitkommen. Er schlo\u00df einen Raum auf, der mir bislang verschlossen geblieben war, genau gegen\u00fcber meines Zimmers lag und sowas wie den Partykeller der Butze beherbergte, inklusive eines mordsgro\u00dfen Fernsehers. Getr\u00e4nketechnisch versorgte ich mich mit einer Flasche baskischen Cidre, wovon ich auch noch nie geh\u00f6rt hatte, und los gings mit dem bekannten Ergebnis, einem langen Abend. Aber dann ging es nur eine T\u00fcr weiter und in Orpheus Arme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab so schlecht geschlafen, wie lange nicht mehr. Zwei Stechm\u00fccken benutzten meinen K\u00f6rper als Tr\u00e4nke und ich lag auf einer dieser Inkontinenzmatratzen . 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