{"id":768,"date":"2016-07-06T08:40:07","date_gmt":"2016-07-06T06:40:07","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=768"},"modified":"2016-07-06T08:40:07","modified_gmt":"2016-07-06T06:40:07","slug":"74-etappe-navarrenx-aoure","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=768","title":{"rendered":"74. Etappe: Navarrenx &#8211; Aoure"},"content":{"rendered":"<p>Heute stand ein viereinhalbst\u00fcndiger Spaziergang \u00fcber 18km auf der Tagesordnung und da sich die Unterkunft auch schon ergeben hatte, war ich reichlich entspannt. Fr\u00fchst\u00fcck um Acht, gemeinsam mit dem Vermieter, der auch Englisch sprach, so da\u00df ein launiges Tischgespr\u00e4ch \u00fcber Lebensmittel und Landwirtschaft in Frankreich, sowie die arg fleischlastige Gastro-Kultur entstand. Im Zuge dessen legte er mir doch f\u00fcr heute eine Unterkunft nahe, in der die Vermieterin gelernte K\u00f6chin und eine exzellente Vertreterin der baskischen K\u00fcche ist. Gesagt getan. Mail raus. Schnelle Antwort. Chambre mit Halbpension. Alles klar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und da ich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck immer noch Zeit hatte, bin ich durch den wirklich lauschigen Ort geschlendert, hab die Gedenktafel f\u00fcr Henry Levebre bewundert, weil sie sich doch tats\u00e4chlich freut, da\u00df einer der letzten gro\u00dfen marxistischen Philosophen in dem Haus an dem die Tafel h\u00e4ngt, gro\u00dfgeworden ist. Bewundert habe ich sie deshalb, weil ich es mir in Deutschland so schlecht vorstellen kann. Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Nach dem Stadtrundgang habe ich in einem Cafe meine Schreibwerkstatt aufgeschlagen, Texte nochmal Korrektur gelesen und die gr\u00f6bsten Schnitzer ausgemerzt (An meiner das\/da\u00df-Schw\u00e4che arbeite ich echt.) und online gestellt. Das ist schon immer ein wenig aufregend, weil ich nat\u00fcrlich immer auch auf Reaktionen gespannt bin.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Danach gehts los und ich komme mir vor wie im Scheinriesenland, weil ich den Bergen ja nun nochmal n\u00e4her komme, aber die Teile entweder ganz verschwinden oder niedriger als gestern erscheinen. Trotzdem ist es eigentlich ein sch\u00f6ner Spaziergang durch begr\u00fcntes H\u00fcgelland durchzogen von kleinen W\u00e4ldchen, die die Monotonie der Futtermaisfelder f\u00fcr die Fleischwirtschaft angenehm unterbrechen. Aber es ist schon krass, minutenlang an diesen Feldern vorbeizugehen. Immer wieder. Sch\u00f6ne \u00dcberraschung ist eine Eselfamilie. Familie deshalb, weil da ein Fohlen -so nenne ich das jetztmal. Die Pferde sollen bitte verzeihen- bei war, was ich noch nie gesehen habe. Erstaunlicherweise waren die Ohren des Fohlens bereits genauso gro\u00df, wie die der Elternesel. Das wirft nat\u00fcrlich Fragen nach der Ohren eines neugeborenen Esels auf. Ob da wohl viel mehr als Ohren ist, wenn so ein Esel geboren wird?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mit solch kriegsentscheidenden Gedanken komme ich im Ziel an und werde herzlich begr\u00fc\u00dft. Die Dame des Hauses, die K\u00f6chin, also wichtig, zeigt mir alles. Einzelzimmer, aber Gemeinschaftssanitaires. Das passt. Ist doch das wichtigste das Abendessen. Ich wasche mich und meine Klamotten, ruhe ein wenig und sitze dann lesenderweise vor der Unterkunft. So Halbtagswanderungen haben was. Um 10.00h beginnen und um 15.00h schon wieder in der Sonne sitzen, das w\u00e4ren doch auch Arbeitszeiten, die genehm sind. Als ich dann die W\u00e4sche von der Leine holen will, denke ich mir &#8222;Olalala, die Franz\u00f6sinnen. Sparen aber auch jedes Gramm Gewicht.&#8220; H\u00e4ngt doch zwischen beigen, oliven und schwarzgrauen Funktionsklamotten rote Spitze. Und gegen diesen Hauch von Nichts wirkt selbst eine Funktionsunterhose schwer wie eine Bleiweste. Das Bild ist aber auch deshalb so sch\u00f6n, weil es etwas Anachronistisches und Disfunktionales hat, auf dieser W\u00e4scheleine voller Funktionsspezialsuperklamotten sowas Spielerisch-Erotisches zu platzieren, noch dazu im Umfeld eines Bauernhofs mit G\u00e4stezimmern. Das Bild hat auf jeden Fall was, aber die Kamera hol ich dann doch nicht. Hab von meiner Mama gelernt, da\u00df man immer auch \u00fcberlegen mu\u00df, was die anderen Leute denken k\u00f6nnten. \u263a<\/p>\n<p>Das Abendessen ist dann wie erwartet toll. EinVorspeisenpotpourri mit Gazpatcho, Salat und ein wenig Charcuterie, danach Schweinebraten, M\u00f6hrensoufflet und wieder Salat und als Dessert eine Bananentorte mit Kakao. Vom Tischgespr\u00e4ch war ich leider ein wenig ausgeschlossen, weil die Gesellschaft aus zwei Pariser Familien bestand, die jedes Jahr eine Woche auf dem Jakobsweg unterwegs sind und einer Irin, die aber am anderen Ende des Tisches sa\u00df. So wurde ich ein wenig zur Testperson f\u00fcr die T\u00f6chter der Familien, die ihre Englisch-Kenntnisse ausprobierten und von ihren Berlin- und Kanadaaufenthalten erz\u00e4hlten. Daraus entspann sich auf niedrigem Niveau eine Diskussion dar\u00fcber, welches System denn besser funktionierte, weil die M\u00e4dels meinten in Kanada und Deutschland w\u00e4re alles so gut organisiert und die Menschen weniger egoistisch als in Frankreich. Da mu\u00dfte ich nat\u00fcrlich schon h\u00f6flicherweise wiedersprechen, konnte aber die Klappe nicht halten und formulierte meine These von der Sicht auf den Staat als Repressionsapparat im Franz\u00f6sischen und im angels\u00e4chsisch-deutschen als Aushandlungsplattform vermutlich nicht ganz erstsemestertauglich. Nach einigem Hin und Her erz\u00e4hlten die beiden eben auch von der starken Trenung des Politischen von der Gesellschaft. Naja, Empirie war das jetzt noch nicht, aber hilfreich wars schon. Nach dem Essen zerstreute sich die Runde und ich verzupfte mich auf mein Zimmer, weil mein neuer Krimi ausgesprochen spannend ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute stand ein viereinhalbst\u00fcndiger Spaziergang \u00fcber 18km auf der Tagesordnung und da sich die Unterkunft auch schon ergeben hatte, war ich reichlich entspannt. 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