{"id":757,"date":"2016-07-01T10:06:38","date_gmt":"2016-07-01T08:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=757"},"modified":"2016-07-01T10:06:38","modified_gmt":"2016-07-01T08:06:38","slug":"71-etappe-aire-sur-ladour-arzacqarraziguet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=757","title":{"rendered":"71. Etappe: Aire-sur-l&#8217;Adour &#8211; Arzacq\/Arraziguet"},"content":{"rendered":"<p>Zelttage gehen immer sp\u00e4ter los, weil das Zelt ja auch wieder abgebaut werden und ich mir selber was zum Fr\u00fchst\u00fccken organisieren mu\u00df. Trotzdem m\u00f6chte ich das nicht missen, quasi mit rundum ge\u00f6ffneten Fenstern zu schlafen und die Luft zu genie\u00dfen. Und jetzt wo sich die Wetterlage ja zu stabilisieren scheint und ich mich dar\u00fcber hinaus daran gew\u00f6hne ein taufeuchtes Zelt einpacken zu m\u00fcssen, ist das alles gut und ich um halb neun startklar.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUm wieder auf die Strecke zu kommen, mu\u00df ich an einer sch\u00f6nen Markthalle vorbei. Die hatte ich gestern schon gesehen und die Stahlkonstruktion au\u00dfen und innen die gemauerten Tische bewundert. Und heute war das Teil mit Leben gef\u00fcllt. An einem Dienstag. Also hinein. Es war die helle Freude. Gem\u00fcsedealer aus der Region, Fisch- und Fleischh\u00e4ndler aus der Gegend und K\u00e4seh\u00e4ndler, sowie -direktvermarkter und Broth\u00e4ndler bei denen die Leute Schlange standen, als obs im Ort keine B\u00e4cker mehr g\u00e4be. Und ein Buvette, also ein Kaffee-, Bier-, Wein- und Saft-f\u00fcr-die-Kleinen-Ausschank. Einige alte K\u00e4mpen; abgearbeitete, graue Gesichter und l\u00e4ngst im Rentenalter hatten drei Tische zusammenger\u00fcckt und es standen Platten herum, die augenscheinlich vom Traitteur in der Halle, den verschiedenen K\u00e4sedealern und zwei BioM\u00e4dels beschickt wurden. Die beiden hatten einen kleinen Stand und boten Schnecken in zwei Saucen an. Naja, den Jungs schmeckte es erstens und zweitens wollten die den jungen Frauen wohl auch helfen. Es war auf jeden Fall ein Mordstamtam, alle hatten einen Spa\u00df, es gab immer wieder gro\u00dfes Hallo und die Alten waren im Kern der Veranstaltung. Ich nehme an, wenn die so weitergemacht haben, liegen die um Elf mit einem schweren Stich, pappsatt, aber kreuzgl\u00fccklich auf der Couch. Und ich g\u00f6nne es ihnen und freue mich, da\u00df das geht und sie sich eben nicht von einem selbsternannten Barista vertreiben lassen m\u00fcssen oder vom Markttreiben nur noch der Kettenb\u00e4cker und ein schlechter Kaffee \u00fcbriggeblieben ist.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas sind ja Gedanken, die mich schon die ganze Zeit auf dem Weg durch den S\u00fcden begleiten. Und ich frage mich halt, wie wir die Legitimit\u00e4t dieses Tuns aus der Klammer des Samstags-auf-dem-Markt-noch-n-Espresso-Dreck von ein paar Leuten, die das f\u00fcr Stil halten, befreien und wieder zu einem massenhaften Feiern des Lebens und der Gemeinschaft machen k\u00f6nnen. Wer kann sich noch an sonnt\u00e4gliche Fr\u00fchschoppen erinnern? Wer kennt noch die Bierkneipen rund um die Wochenm\u00e4rkte, die es nicht mehr gibt? Da sind Begegnungspunkte verloren gegangen, die &#8211; my opinion &#8211; was heute den gesellschaftlichen Diskurs zwischen politischer Klasse und Menschen noch schwieriger macht als die sozial\u00f6konomische Komplexit\u00e4t. Ums zu verk\u00fcrzen: Ich kenne mehr als einen Betriebsratsvorsitzenden, mehr als einen Landtagsabgeordneten, der an diesen Theken seine Wahlen gewonnen hat.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch kauf dann trotz allem Staunen, Freuen und Sinnieren, doch noch was ein. Lecker Ziegenk\u00e4se vom Direktvermarkter, trotz Schlangestehen eins von den Broten und ne Tomaten, sowie Pfirsiche aus der Gegen. Zum Fr\u00fchst\u00fcck lege ich Pfirsich auf den K\u00e4se, Empfehlung vom K\u00e4sedealer, die ich uneingeschr\u00e4nkt weitergebe. Getestet und f\u00fcr gut befunden. F\u00fcr Mittags gibts Tomate zu K\u00e4se und Brot. Alles gerichtet. Platz saubergemacht und auf.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWas folgt, ist soooo langweilig. Es ist flach und ich latsche \u00fcber vier Stunden an Maisfelder entlang, auf Teerstra\u00dfen. Das ist sowas von monoton, das ich mir -Stand heute- sechs Tage mit der Transsib durch die Taiga nicht vorstellen kann. Nach Miramont\/Sensacq \u00e4ndert sich das Bild wieder. Abwechslungsreiches Auf und Ab, Weinfelder, W\u00e4lder und Weiden. Sch\u00f6n, auch wenn es recht einsam ist, also au\u00dfer Wasserzapfen auf dem Friedhof keine Einkehr lockt. Ich habe aber mein Sandwich und mach es mir auf einer schattigen Bank gem\u00fctlich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGegen Abend bin ich im Ziel. Was in Deutschland Hektik ausl\u00f6sen w\u00fcrde, l\u00e4\u00dft mich mittlerweile andeutungsweise entspannt sein, weil hier das meiste bis Neune zu regeln ist. Also Camping suchen. Die traurige Auskunft ist die, da\u00df der Zeltplatz Teil der Gite, also der Pilgerunterkunft ist. Ich guck mir das an und merke, da\u00df das nichts f\u00fcr mich ist. Vor den Augen der Pauschalpilger im Garten zu selten und meilenweit zu den Sanitaires zu m\u00fcssen. Also nach Gestern G\u00fcnstig, heute mal gucken und ab ins zwei Sterne Hotel mit Rundum-Sorglos Halbpension. Ich bin froh, da\u00df ich den Spielraum habe, weil es sonst auch schonmal stressig werden k\u00f6nnte. So dusche ich, kann meine Ger\u00e4te aufladen und bin f\u00fcr mich. Dann gehts zum Essen und ich merke, da\u00df ich mich Aquitaine n\u00e4here. Es gibt eine Muschelsuppe mit Croutons und K\u00e4se, aber ohne Rouille, weil die ja aus der Provence kommt. B\u00e4mm, hat das P\u00e4rchen neben mir, Nationalit\u00e4t egal -es waren keine Isl\u00e4nder-, verbal mal was zu verstehen bekommen. Der Rest ist unspektakul\u00e4r, bis auf das Gem\u00fcse der Saison, weil ich mich \u00fcber frische Erbsen freuen kann. Erbsen mag ich ja sehr.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd so langsam werde ich auch m\u00fcde, obwohl mich ein Thema immer noch besch\u00e4ftigt. Auch gestern sind die Leute zum Bezahlen an die Theke gegangen und fanden, da\u00df nicht schlimm. Was ist denn das? Kriegen die Serviceleute hier so wenig Geld, da\u00df sich die Nation entschlossen hat, ihnen die Arbeit abzunehmen? Oder nehmen Sie es hin, wie die Schafe? Hinzu kommt eine weitere Beobachtung, da\u00df mich ja auch niemand fragt, ob ich noch was will. Ist das der Respekt vor meinem Geldbeutel? Oder die Arbeits\u00fcberlastung, nach der es nicht aussieht? Auf jeden Fall \u00fcbernehmen auch den Job jede Menge Leute selber, nehmen ihr Glas und bestellen an der Theke. Der Superservice besteht dann darin, da\u00df das neue Glas gebracht wird. Hast du vergessen, dein Glas an der Theke abzugeben, bleibt das nat\u00fcrlich stehen. Ich kann mir das noch nicht erkl\u00e4ren und mich besch\u00e4ftigt das echt. Weil ich dieses nervige &#8222;Darfs noch was sein&#8220; in Deutschland, oft genug als &#8222;Trink noch was, sonste kannste gehen.&#8220; empfinde und halt denke, da\u00df auch Leute, die sich nur einen Schoppen leisten k\u00f6nnen, ein Recht auf Kneipe und \u00d6ffentlichkeit haben, aber das andererseits auch prima finde, wenn der Nachschub flutscht. Die Kellner in Barcelona haben w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs mal Trinkgelder abgelehnt, weil sie tariflich bezahlt wurden und nicht l\u00e4nger von den Almosen der G\u00e4ste abh\u00e4ngig w\u00e4ren. Nun ist das lange vorbei und dieses Verh\u00e4ltnis Kneipenmenschen-Kneipenbesucher in Frankreich hat wahrscheinlich damit nichts zu tun. War auch nur son Gedanke. Ich bleibe in der Frage aber am Ball. Morgen wieder&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zelttage gehen immer sp\u00e4ter los, weil das Zelt ja auch wieder abgebaut werden und ich mir selber was zum Fr\u00fchst\u00fccken organisieren mu\u00df. Trotzdem m\u00f6chte ich das nicht missen, quasi mit rundum ge\u00f6ffneten Fenstern zu schlafen und die Luft zu genie\u00dfen. &hellip; <a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=757\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-757","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vinoguerracamino"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=757"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":765,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/757\/revisions\/765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}