{"id":738,"date":"2016-06-27T07:24:15","date_gmt":"2016-06-27T05:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=738"},"modified":"2016-06-27T07:24:15","modified_gmt":"2016-06-27T05:24:15","slug":"66-etappe-st-antoine-lectoure","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=738","title":{"rendered":"66. Etappe: St-Antoine &#8211; Lectoure"},"content":{"rendered":"<p>Schlecht geschlafen, aber gut geduscht, gings zum Fr\u00fchst\u00fcck mit meinen englischen Gastgebern, einem netten \u00e4lteren P\u00e4rchen aus der N\u00e4he von Oxford, die da immer noch ihre HomeBase haben, aber ihr Arbeitsleben auch schon in Portugal, Spanien und eben S\u00fcdfrankreich verbracht haben. Und nat\u00fcrlich lief englisches Fernsehen, das heute nur ein Thema kannte: Brexit&#8230; Naja, nicht nur. Gibt ja auch noch die EM. Als Madame ihrer Freude dar\u00fcber Ausdruck verlieh, da\u00df das United Kingdom mit England, Wales und Northern Ireland noch im Rennen ist und immer was von Southern Ireland brummelte, habe ich mir dann meinen Teil gedacht. Und als er \u00fcber das EU-B\u00fcrokratiemonster herzog, mu\u00dfte ich mit der Frage kontern, ob denn die Downig Street so viel leaner w\u00e4re, worauf er etwas kleinlauter wurde. Dann war ich mit Fr\u00fchst\u00fcck auch durch und wollte los. Nach einer, trotz aller weltanschaulichen Differenzen, herzlichen Verabschiedung war ich endlich wieder auf meinem Weg.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer zweite Tag mit mediterranem Tagesablauf. Vormittags mu\u00df die Welt geretten werden, weil dann Siesta ist und ab sechse geht wieder alles, au\u00dfer arbeiten. Das bedeutet f\u00fcr mich, fr\u00fch los und dann bis zur gr\u00f6\u00dften Mittagshitze das meiste geschafft haben. So der Plan. Ich war auch um kurz nach acht auf der Stra\u00dfe (Zugegebenerma\u00dfen ist das nicht wirklich fr\u00fch. Beste Gr\u00fc\u00dfe an die Leute von der Fr\u00fchschicht.). Aber weil ich ja erreichbar bin, war ich auch mal wieder kurz im Dienste meines Arbeitgebers unterwegs, was mich zeitlich ein wenig zur\u00fcckgeworfen hat. Ich kann im Gehen keine Emails schreiben. Nach so einer Einheit dauert das immer ein wenig, bis man wieder Abstand gewinnt und sich auf Weg und Landschaft konzentriert. Aber dann war es echterdings herrlich. Wogende Weizenfelder, abwechselnd mit irgendwas Gr\u00fcnem, D\u00f6rfer, Weiler, Bastiden auf den H\u00f6hen, kleine W\u00e4ldchen und ich auf kleinen Pfaden dadurch.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd da ich die Lehren meines tunesischen Arbeitskollegen Sahli, wie man denn mit Hitze umzugehen hat, auch nach 25 Jahren noch intus habe, war das Hitzethema eben keins. Der hat mich n\u00e4mlich in einer Mittagspause, auf mein bl\u00f6des Gew\u00e4sch \u00fcber Karl May und seine f\u00fcnf W\u00fcstenb\u00e4nde hin, mal dr\u00fcber aufgekl\u00e4rt, wie es sich verh\u00e4lt. Es ist richtig auch bei gro\u00dfer Hitze ein Unterhemd am K\u00f6rper zu tragen, das die Hitze aufnimmt, dar\u00fcber ein luftiges Karohemd (ok. Das ist gelogen, aber ich \u00fcbersetze mal die luftig geschlungene Montur des Tuaregs oder des Beni Arab in meinem Sinne) zu h\u00e4ngen und das was geht, vor der Sonne zu sch\u00fctzen, also lange Arme unten! Das dunkelblaue der Tuaregs war \u00fcbrigens auch Anla\u00df f\u00fcr meine schwarze Hose. Die Begr\u00fcndung von Sahli war die, das &#8211; er hat das anders formuliert, geh\u00f6rt aber nicht hierhin &#8211; unter den Klamotten ein Binnenklima entsteht, da\u00df den Schwei\u00df eben nicht ablaufen l\u00e4\u00dft, sondern die Haut feucht h\u00e4lt, was den Fl\u00fcssigkeitsverlust aufh\u00e4lt und k\u00fchlt. Wenn ich das so durchlese, mu\u00df das f\u00fcr die Kosmetikindustrie und den Hygienewahn einer Kampfansage gleichkommen, aber wer die beiden \u00f6sterreichischen Hipster eben gesehen hat, wei\u00df, das ich bzw. Sahli Recht habe. Ok, die hatten sich verlaufen und kamen eben erst an.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch war aber auch nicht durchg\u00e4ngig vern\u00fcnftig, sondern hab das gemacht, was mir beim Motorradreisen schon immer passiert ist. Ach, noch 100km, die gehen doch auch noch, das St\u00fcndchen. Weiter. Immer Weiter. Nun sind das zu Fu\u00df keine 100km\/h, sondern nur noch f\u00fcnf, aber der Mechanismus ist derselbe. Und so war ich um halb drei, beste Siestazeit und gr\u00f6\u00dfte Mittagshitze, in Lectoure. Hooray. Was tun? Es ist n\u00e4mlich so, da\u00df auch die Vermieter von G\u00e4stezimmern um die Zeit eher um sind, also auf der Couch liegen. Also setz ich mich in die Sportsbar und guck das Mittagsspiel, Spanien gegen irgendwen. Dann gehe ich zum Tourist Office, die mir auch nicht weiterhelfen kann, weil sie nur Franz\u00f6sisch spricht, also der Muttersprache m\u00e4chtig ist und mir eine Brosch\u00fcre anbietet, die ich selber habe. In der Brosch\u00fcre guck ich mir was aus und gehe los. Als ich die Rue Nationale runter laufe, komme ich aber vorher bei einem Schild vorbei, da\u00df auch Chambres feilbietet. Und wie sagt der Logistiker, first in first out. Also geklingelt. Die T\u00fcr \u00f6ffnet sich und ich stehe auf einer Baustelle. Ann-Kathrin, so ihr Vorname, entschuldigt sich und sagt, da\u00df sie noch am Um- und Anbauen sind, aber das ich ein Zimmer haben kann. Ok. Da bin ich ja mal gespannt und nachdem das aufgeregte P\u00e4rchen &#8211; zu der wirklich netten Ann-Kathrin geh\u00f6rt ein Mann &#8211; das Zimmer hergerichtet hat, guck ich mir die vermeintliche 30Euro-Butze an und bin hin und weg. Unten (jaaa) Bett, Kitchenette und Bad, oben Wohnen, Fernsehen. Ich sag auch, wie sch\u00f6n ich das finde und da freut sich jemand, weil sie das Haus erst geerbt haben, wieder hergezogen sind und jetzt gucken, wie sie renovieren, vermieten, online in ihren alten Jobs arbeiten, auch weiter arbeiten wollen und Geld mit allem verdienen m\u00fcssen. Das alles ist auch deshalb so angenehm, weil in einem alten Haus ein Stil umgesetzt wird, der im besten Sinne globalisiert ist. Wir sprechen a kind of English, die B\u00f6den sind laminiert, die W\u00e4nde wei\u00df. Es gibt einige Schwarz-Wei\u00df-Bilder, die nur zu Frankreich passen -in M\u00fcnchen, W\u00fcrzburg, Siegen w\u00e4ren da halt andere Bilder- und Blumen in den Fenstern. V\u00f6llig ok. Find ich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd es gibt nat\u00fcrlich auch ein funktionierendes schnelles wifi. Alles gut. Relaxen bis Sechs und dann endlich Hunger kriegen. Also los. Und ich lande in einem Restaurant, da\u00df als Anh\u00e4ngsel eines Bioladens daher kommt, aber wo es eher umgekehrt ist. Egal. Rein in den Laden. Ja ich will drinnen sitzen, weils da nicht so warm ist. Und bestellt. An dieser Stelle nun keine weitere Ausf\u00fchrung zum Thema &#8222;Was hat er denn nu gegessen?&#8220;, sondern nur den Tip. Kocht Kartoffeln, schneidet die klein. Kocht Karotten, Zwiebeln, Erbsen, Mais und schneidet das auch klein (oder kauft dieses Leipziger Allerlei von Iglo. Das ist schon kleingeschnitten, da m\u00fcsst ihr aber beim W\u00fcrzen aufpassen) Dann mengt ihr das untereinander. Und dann macht ihr euch ans Dressing: nehmt Lachs oder Forellenfilet, \u00fcberlegt was zum Fr\u00fchst\u00fcck gebraucht wird, legt das beiseite, und p\u00fcrriert den Rest zusammen mit Pfeffer, Salz, Petersilie und Kr\u00e4utern eurer Wahl und einem oder zwei Schu\u00df Sahne. Mischt das unter die Kartoffel-Gem\u00fcsemischung und freut euch an den Gesichtern eurer G\u00e4ste, die den Fisch schmecken, aber haptisch nur Gem\u00fcse erfahren. Das war auf jeden Fall f\u00fcr mich eine sch\u00f6ne Erfahrung und das mach ich zuhause auch mal.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNicht alles an dieser Bio-Experience war jetzt doll. Der Wein war schlimm naturell. So sitz ich jetzt noch auf ein Glas in einem Lokal, das eine Terasse mit einem fantastischen Blick \u00fcbers Land hat. Aber eine langweilige Karte. Und schreib ich vor mich hin und werde gleich mal schauen, was das Netz zu den Protesten gegen das Loi de travail und den Brexit sagt. Hier kriegste n\u00e4mlich nichts mit. Also im Fernsehen schon, wenn auch wenig, aber das hier die gymnasiale Jugend und die piscineprestige-Mitarbeiter durch die Stra\u00dfen gezogen w\u00e4ren. Nein. Hier herrscht Ruhe und Beschaulichkeit, obwohl die strukturellen Probleme offensichtlich sind. Auch dar\u00fcber w\u00e4re mal nachzudenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlecht geschlafen, aber gut geduscht, gings zum Fr\u00fchst\u00fcck mit meinen englischen Gastgebern, einem netten \u00e4lteren P\u00e4rchen aus der N\u00e4he von Oxford, die da immer noch ihre HomeBase haben, aber ihr Arbeitsleben auch schon in Portugal, Spanien und eben S\u00fcdfrankreich verbracht &hellip; <a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=738\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-738","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vinoguerracamino"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=738"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":749,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/738\/revisions\/749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}