{"id":724,"date":"2016-06-21T19:18:23","date_gmt":"2016-06-21T17:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=724"},"modified":"2016-06-21T19:18:23","modified_gmt":"2016-06-21T17:18:23","slug":"63-etappe-montcuq-lauzerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=724","title":{"rendered":"63. Etappe: Montcuq &#8211; Lauzerte"},"content":{"rendered":"<p>Was war ich genervt. Wie doof. Wie bl\u00f6d. Der Tag war so geplant, da\u00df es einen dreist\u00fcndigen Spaziergang geben sollte, danach gegen Mittag der Campingplatz inklusive der ausf\u00fchrlch gelobten Waschmaschine und ihres Trockners heimgesucht werden sollte, um danach alles f\u00fcr eine regional gepr\u00e4gte Brotzeit einzukaufen und dieses wirklich pittoresk belegene St\u00e4dtchen auf sich wirken zu lassen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Tag lies sich auch gut an. Lang geschlafen (drei Stunden Fu\u00dfmarsch. Kindergeburtstag) und gut gefr\u00fchst\u00fcckt. Dann Montcuq kurz angeschaut. Sch\u00f6n, aber zu klein, um eine Friseur zu haben, der auch montags aufhat. Folglich laufe ich weiter mit einer Haarl\u00e4nge jenseits von 1cm rum und versuche mir Z\u00f6pfe zu flechten. Also los. Und es geht lauschig durch Weizenfelder. Gem\u00fcse wird auch angebaut, obwohl f\u00fcr ein fr\u00e4nkisch geschultes Auge nicht ganz klar war, ob das da w\u00e4chst oder wirklich angebaut wird. Gegen Mittag, es war warm, habe ich, glaube ich, auch Olivenb\u00e4ume gesehen. Beschw\u00f6ren will ich es nicht. Aber ich bin im S\u00fcden angelangt. Die Wege werden heller und das Garrique bl\u00fcht noch, aber bereits deutet sich an, da\u00df das hier im August auch alles verd\u00f6rrt ist und nicht mehr so inspirierend daherkommt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch erreiche meinen Zielort, der wundersch\u00f6n auf einer Bergkuppe liegt, der ich nicht folge, weil ein freundliches Tourismusmanagement ein Schild Richtung Campingplatz mit der phantasievollen Bezeichnung &#8222;Camping de Lauzerte&#8220; hat anbringen lassen, nicht ohne etwa 400m vorher, alle Wanderer und Pilger echt total herzlich willkommen zu hei\u00dfen, auch per Schild. Latsch also rechts ab und werde \u00fcber zwei weitere Schilder geleitet, bis ich vor dem Camping stehe, wo verk\u00fcndet wird, da\u00df der Platz wegen Umbauarbeiten echt geschlossen sei. Ja, ihr Penner, dann baut den Platz doch um, aber warum kommt niemand auf die Schei\u00dfidee, das diesen Leuten, die zu Fu\u00df und mit dem Zelt auf dem R\u00fccken unterwegs sind, mitzuteilen bevor die roundabout drei Kilometer mehr aufm Buckel haben? Penner. Echte Penner. Ich hab das ja noch konditionell unter Auslaufen buchen k\u00f6nnen, aber wenn du v\u00f6llig genervte over 60ies aus den Niederlanden triffst, die sich den Berg hoch schleppen, kriegst du ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, wie dooof die sind. Ich bin auf jeden Fall komplett genervt, weil ich den Waschtag fl\u00f6ten gehen sehe. Der ist aber dringend von N\u00f6ten, weil ich mich selber nicht mehr riechen kann, um das mal so zu sagen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nOk. Also den Berg rauf. Da steht Gite d Figuiers, die laut Reisef\u00fchrer ne Waschmaschine und Chambres, was ich bislang mit Einzelzimmer \u00fcbersetzt habe, anbieten. Ich frag nach Chambre, Jefe sagt &#8222;no problem&#8220; und gibt mir den Schl\u00fcssel zu einem 5Bett-Zimmer und ich k\u00f6nnt mir ein Bett aussuchen. Ich bliebe alleine. Die Duschen und die Toilette w\u00e4ren auf dem Flur. Naja, egal. Hauptsache keine Rentner mit Atemaussetzer im selben Zimmer. Die Waschmaschine ist gro\u00dfartig und nach vielen Wochen halbseidener Handw\u00e4sche, kriegen die Klamotten nochmal die volle Ladung. Und trocknen in der Sonne, was mir Zeit gibt, die Stadt zu erkunden. Die ist n\u00e4mlich gar nicht so klein, aber von oben nach unten gewachsen. Oben Kirche, Mairie, Grundschule und Marktplatz mit ein paar Kneipen, darunter ein Stadtteil der die Commerces vom B\u00e4cker bis zum Schuhh\u00e4ndler beherbegt und ganz unten an der wichtigen Landstra\u00dfe die Intermarches und Gartenl\u00e4den etc. Zwischendurch Wohnbebauung und pleitegegangene Unternehmen, insgesamt eh viel a vendre Schilder. Entleerungsr\u00e4ume und der Sieg der gr\u00fcnen Wiese. Auch mein Ziel war der Intermarche, weil ich Nachschub brauchte und zwar ne neue Zahnb\u00fcrste  (alle vier Wochen, wisst ihr ja), n neues Deo (der letzte Alnatura-Aluminiumfrei-Stick, den mir meine Liebste ins Burgund mitgebracht hatte, ist alle) und ne neue Rasierseife, (eben keinen -schaum). Das h\u00f6rt sich alles so easy an, isses aber nicht. Sprachlich, kulturell kann man sich das ja mal so vorstellen, da\u00df eine verschwitzte, des Franz\u00f6sischen nicht wirklich m\u00e4chtige Glatze im \u00f6rtlichen Fachhandel vorspricht und eine deodorant sans aluminium nachfragt. Gro\u00dfe Heiterkeit, aber kein Deo. Also Intermarche. So nahe wie hier, komme ich bei der Routenf\u00fchrung so einem Laden nicht mehr. Hinein. Und? Im globalisierten Einzelhandel h\u00e4ngt da meine auch zu Hause favorisierte Zahnb\u00fcrste. Strike. Aluminiumfreier Deostick? Schwieriger. Also bei den Jungs gibts nix, aber bei den M\u00e4dels kann ich pl\u00fcndern. Riecht zwar nicht nach &#8222;wild water&#8220; oder &#8222;aggressive&#8220; aber mit Penaten und Nivea haben wir doch alle mal angefangen. Das mit dem Moschus krieg ich beim Wandern auch so hin. \u263a<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Sch\u00e4tze nach Hause getragen, inkl. der Rasierseife, falls sich jemand fragt, und ein wenig Ruhen ist eins und da ich das gemeinsame Pilgermahl verweigere, obwohl da eben jemand aus Neumarkt In der Oberpfalz eingecheckt hat, mit dem ich ein paar freundliche Worte gewechselt habe, ziehe ich nochmal los. Warum? Mir war ein Laden aufgefallen, wo ganz unterschiedliche Menschen abhingen, Spielzeuge vor der T\u00fcr lagen, Hunde rumlungerten, Kinder spielten,  am Schild was von Concerts und Music stand und ich genau dahin wollte. Au\u00dferdem gabs da was zu essen. Kartoffelauflauf, frische Bratwurst (Achtung: Sausicce Toulouse) und Salat. Mein Ding.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch hab also da gesessen und vor mich hin gegessen. Wenig los, aber es geht was. Die Touris und die Einheimischen, die was wollen, kriegen was zu essen und zu trinken. Alles gut, Dann kommt der eine, dann kommt die andere, Tische werden zusammenger\u00fcckt und ein P\u00e4rchen biegt mit einer gro\u00dfen, zugedeckten Auflaufform um die Ecke. Die Kinder freuen sich und fangen an die Tische zu decken. Und dann sitzt der Wirt und seine Lebensgef\u00e4hrtin mit dem P\u00e4rchen und zwei Kumpels und zwei Kindern und zwei Hunden da und sie essen zusammen, weil es einfach der Ort ist, wo genau das zusammen passieren kann. Nat\u00fcrlich bezahlt jeder f\u00fcr seinen Kaffee, seinen Wein, aber irgendwer, wahrscheinlich der Wirt, hat daf\u00fcr gesorgt, da\u00df die Kneipe ein Kraftort geworden ist, an dem sich K\u00fcnstler, Menschen, Kinder, Hunde und Katzen wohlf\u00fchlen und andere zum Essen einladen, indem sie das Essen in ihrem Wohnzimmer, der Musikkneipe servieren. J\u00fcrgen von der Lippe hat das mal so auf den Punkt gebracht: &#8222;Wenn wir eine Kneipe h\u00e4tten, k\u00f6nnten wir f\u00fcr immer zusammen leben.&#8220; Das was im Deutschen Sache des Kabaretts bleibt, scheint hier irgendwie zu gehen oder auch nicht. Das ist ja eine Momentaufnahme. Das ist mir in dem Moment aber auch v\u00f6llig egal. Ich genie\u00dfe es und w\u00fcnsche mir wieder mal eine Stammkneipe als Homebase. Mit dem Gedanken und umw\u00f6lkt von frisch gewaschener W\u00e4sche leg ich mich dann in meinen Schlafsaal. F\u00fcnf Betten. Ich kann mich garnicht entscheiden. \u263a<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was war ich genervt. Wie doof. Wie bl\u00f6d. 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