{"id":721,"date":"2016-06-21T19:07:31","date_gmt":"2016-06-21T17:07:31","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=721"},"modified":"2016-06-21T19:07:31","modified_gmt":"2016-06-21T17:07:31","slug":"62-etappe-cahors-montcuq","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=721","title":{"rendered":"62. Etappe: Cahors &#8211; Montcuq"},"content":{"rendered":"<p>Heute sollen es 32km werden, die von Cahors, durch die Landschaft der Quercy Blanc f\u00fchrt, den letzten Zuckungen des Zentralmassivs. Cahors, diese nette, quirlige Stadt, die mir gestern so viel Spa\u00df gemacht hat, ist schnell hinter mich gebracht. Ein steiler Weg f\u00fchrt vomTal des Lot hinauf auf die Hochebene, auf der es dann \u00fcber Stunden nur sanft rauf und runter geht. Es ist eine k\u00e4rglich besiedelte Gegend. Bauernland. Und auch Wanderer sehe ich ganz wenige. Dabei f\u00e4llt mir auf, da\u00df sich in den letzten Tagen mit den Wanderern, die im gleichen Etappenmodus unterwegs waren wie ich eine Art sozialer Zusammenhang gebildet hatte, auch wenn ich wenig gesprochen habe, weil es zumeist Franzosen sind, die unterwegs sind. Aber du wei\u00dft in etwa, wann wer losgeht, wann du wen einholst und wer mit wem wandert. Man gr\u00fc\u00dft sich, wenn man sich trifft und ist irgendwie connected. Und so sehr ich ja auch auf die mitwandernde Mittelschicht schon geschimpft habe. Nun fehlen sie mir irgendwie doch, was ja kein Widerspruch sein mu\u00df. Also nicht wirklich. \u263a<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAber irgendwie sind es heute schon reichlich wenige Mitwanderer. Ich denke, da\u00df hat was mit dem den Starttagen und -orten der Fraktion zu tun, die den Jakobsweg in Etappen wandert und daf\u00fcr ihren Jahresurlaub nutzt. Die kommen Freitags oder Samstags im Startort an und gehen Samstags oder Sonntags los. Startorte sind Le Puy und Conques. Und ich bin jetzt, denke ich, irgendwie dazwischen gerutscht, was so schlecht auch nicht ist. Da bin ich mal wieder f\u00fcr mich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Wege haben sich ver\u00e4ndert, sind sandiger und steiniger. Braune Erde fehlt. Die W\u00e4ldchen durch die gehe sind niedriger, es gibt mehr B\u00fcsche und ich sehe sowas wie Erika, und mu\u00df an die Heide denken, aber das nenne ich hier wohl besser Garrique. Es ist auf jeden Fall mal was anders als das, was ich die letzten Wochen gesehen habe und mir gef\u00e4llt es. Nach acht Stunden erreiche ich meinen Zielort, der mir auf den ersten Blick auch gef\u00e4llt, aber als ich merke, da\u00df die Unterkunft nochmal n Kilometer bergab zu finden ist, beschlie\u00dfe ich die n\u00e4here Begutachtung auf morgen zu verschieben. Morgen sinds eh nur 14km und ich mu\u00df auch mal wieder zum Friseur, da kann ich doch das N\u00fctzliche mit dem Angenehmen verbinden. Aaah, morgen ist Montag und montags haben Friseure zu. Alle. Fast alle. Mal gucken. Der freundliche Wirt bietet mir mitdenkenderweise auch sofort Halbpension an, die ich gerne annehme, weil ich dann heute wirklich das Haus nicht mehr verlassen mu\u00df. Alles gut. Duschen, aufs Bett, Ruhen. Und dann wird mal klar gemacht, auf welch d\u00fcnnem Eis wir so gehen. Ich will nochmal was holen und gehe zur\u00fcck ins Bad, und zack, h\u00e4ng ich erst waagerecht in der Luft und dann auf den Fliesen. Au\u00dfer einem mit Sicherheit entstehenden blauen Fleck ist da nichts wirklich passiert, aber allein die \u00dcberlegung was h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen, l\u00e4sst mich dankbar sein, da\u00df es bisher so gut gegangen ist.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGutgegangen ist auch das mit der Halbpension. Der junge Mann in der K\u00fcche gibt sich echt M\u00fche. Ein lecker Teller Suppe vorneweg. Basis H\u00fchnerbr\u00fche. Und dann das einp\u00fcrrierte Gem\u00fcse mit Piment und Curry abgeschmeckt. Danach a weng was vom Lamm (und wenn das so auf der Karte steht, schneiden die ein Lamm klein bis nichts mehr da ist (naja so ungef\u00e4hr) und servieren nicht wie in Deutschland nur den Lammr\u00fccken oder das Carree. Der Rest wird dann schlechtgek\u00fchlt von Bremen und Hamburg aus nach Afrika verschifft.) Ich finde diesen Umgang mit dem Fleisch hier einfach deutlich wertsch\u00e4tzender als in Deutschland und das gef\u00e4llt mir sehr. Zum awengwasvomlamm gibts eine Polenta, die mit dem Gem\u00fcse drin auch solo eine Rolle spielen k\u00f6nnte. Zum Dessert ein Schokoladenkuchen, der mit frischen Kirschen und Kirschenkompott sch\u00f6n saftig wird.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd dann, denk ich mir, ab aufs Zimmer, wegen Tatort. Aber, wieder mal ist Frankreich netztechnisch ein Ausfall. Das Wlan f\u00fchlt sich an, wie mit Zwanzig den Kabelanschlu\u00df vom Nachbar gekapert und die Satellitenverbindung endet auf E&#8230; Also \u00dcbertragungsgeschwindigkeiten wie mit der Brieftaube. Und das wirft f\u00fcr mich einen ganz anderen Blick auf die Netzdiskussion in Deutschland. Wir m\u00fcssen da wirklich \u00fcberlegen, was wir wollen und auch konsequent und zivilgesellschaftlich diskutieren, auch mit so Menschen wie mir, weil mir erst auf der Wanderung klar geworden ist, da\u00df es entweder ein kommunal, regional, \u00fcberregionales, aber eben dezentrales Netzwerk geben kann oder dem Mertens sein Smartphone, da\u00df per zentralem Dienst bedient wird. Aber f\u00fcr eine Netzstrategie sollte man sich entscheiden. Das ist, f\u00fcr mich gef\u00fchlt so n Ding, als ob es um die Entscheidung zur Einf\u00fchrung von gelben Briefk\u00e4sten und uniformierten Brieftr\u00e4gerInnen oder von irgendwelchen Botendienste vom Marathonl\u00e4ufer bis zum Rennsteigboten geht. Es hat eben auch was mit Teilhabe und Demokratie zu tun. Tja, wenn der tatort-sonntag ausf\u00e4llt, und das in der Fremde und das im 21. Jahrhundert, wirds schonmal grunds\u00e4tzlich.<br \/>\nGute Nacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute sollen es 32km werden, die von Cahors, durch die Landschaft der Quercy Blanc f\u00fchrt, den letzten Zuckungen des Zentralmassivs. Cahors, diese nette, quirlige Stadt, die mir gestern so viel Spa\u00df gemacht hat, ist schnell hinter mich gebracht. 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