{"id":718,"date":"2016-06-21T19:01:16","date_gmt":"2016-06-21T17:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=718"},"modified":"2016-06-21T19:01:16","modified_gmt":"2016-06-21T17:01:16","slug":"61-etappe-livinhac-le-haut-cahors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=718","title":{"rendered":"61. Etappe: Livinhac-le-haut &#8211; Cahors"},"content":{"rendered":"<p>Die Nacht war wieder mit Gewitter und Starkregen nicht ganz so leise, wie das in dieser l\u00e4ndlichen Gegend sein sollte, weshalb ich mich nicht ganz ausgeschlafen und in klammen Klamotten auf den Weg machte. Es ging wieder aus dem Flu\u00dftal, des Lot, hoch auf die Ebene. Nachdem ich im Trockenen losgelaufen bin, hat auch der Regen wkeder eingesetzt und h\u00e4lt sich bis mittags. Nach einer kurzen Einkehr in einem aire de pick-nick, einer Kombination aus Heckenwirtschaft und \u00f6ffentlicher Sitzgelegenheit, klarte es auf und es zeigten sich blaue Flecken im grauen Himmel. Das gibt der Landschaft nat\u00fcrlich direkt einen anderen Glanz und die Weitsichten sind herrlich, auch wenn ich an der schieren H\u00f6he merke, da\u00df das Thema Massif Central, das mich ja nun seit dem Haute Beaujolais begleitet, also seit einem knappen Monat, sich dem Ende n\u00e4hert. Das finde ich nicht wirklich schade, weil ich mal wieder was anderes an Landschaft und Gegend sehen und erleben will. Gasgogne, Baskenland und dann, endlich Spanien. All das geht mir durch den Kopf, w\u00e4hrend ich mich durch regenfeuchte und verschlammte Pfade arbeite, die zum Teil h\u00f6llisch glittschig sind. Trotzdem komme ich anscheinend gut voran, denn ich bin bereits nach f\u00fcnf, statt der avisierten sechseinhalb Stunden im Ziel. Ficeac. Ein kleines St\u00e4dtchen mit ein paar Tausend Einwohnern und deren gr\u00f6\u00dftes Verdienst ist es die Geburtsstadt des Herrn Champollion, der die Hieroglyphen entzifferte, zu sein.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Weg in die Innenstadt f\u00fchrt an einem Schild Gare SNCF vorbei und ich denke mir, da\u00df Gucken ja nix schadet. Also hin und Fahrpl\u00e4ne studiert und wegen Streikoptionen auch noch das Schalterpersonal befragt. Dann steht der Plan. Ich shuttle nach Cahors, hab morgen einen freien Samstag und kann in der Stadt Markttreiben und Gesch\u00e4ftigkeit in Ruhe auf mich wirken lassen. Der Bus f\u00e4hrt durchs Tal des Lot und klappert da jedes Kaff ab, weshalb der shuttle fast zwei Stunden dauert. Aber das dauert noch, weshalb ich mir Ficeac noch anschauen kann, sowie die erste Halbzeit Italien : Schweden, glaub ich. Dann gehts los. \u00dcberlandbus. Alles m\u00f6gliche mu\u00df verladen werden, bevor losgefahren werden kann. Aber dann ist das eine sch\u00f6ne Gondelei durch ein wirklich faszinierendes Flu\u00dftal, da\u00df noch viel mehr der Drehort f\u00fcr Chocolat gewesen sein kann, als die Loire.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGegen halb Acht sind wir dann endlich in Cahors. Ich checke ein, dusche kurz, nur um dann nochmal loszuziehen, weil ich einen brachialen Hunger habe. Und dann bin ich auch wieder \u00fcber den Punkt hinaus, weil ich nicht den erstbesten Kebab-Laden entere, sondern schnuckig werde, Speisekarten studiere und abw\u00e4ge. Schlu\u00dfendlich komme ich in einer Weinbar zu sitzen, die als Tagesgericht geschmorte Schweineb\u00e4ckchen, mit Reis und Salat anbieten. Der Clou bei den B\u00e4ckchen sind mitgeschmorte Aprikosen. Sehr lecker. Und die Weinbar offeriert nat\u00fcrlich die bekannten schwarzen Weine der Gegend, die man entweder sehr jung, also innerhalb der ersten beiden Jahre nach Abf\u00fcllung oder nach etwa sieben Jahren trinken sollte, weil der Wein zwischendrin bockelt. Ich habe zum Tellergericht und zum Kaffee danach einen jungen und einen 2004er probiert und mu\u00df sagen, da\u00df mir der junge Wein besser geschmeckt hat. Lebensfreudiger. Fruchtiger. Der gereifte Wein hatte was von dem Schwermut, der sich breitmacht, wenn es auf Beerdigungen Erdbeerkuchen gibt. Die Frucht ist da, wird aber \u00fcberlagert&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd dann ist der erste Abend Cahors auch schon rum und ich lege mich hin, mit dem coolen Gedanken morgen nicht packen zu m\u00fcssen. Vielleicht schlafe ich deshalb recht lang? Naja, egal ich habe ja heute Zeit. So komme ich gegen halb Zehn los und nehme als erstes einen Kaffee und ein Croissant in einer Bar. Die Markth\u00e4ndler haben schon aufgebaut und das bunte Markttreiben nimmt seinen Lauf. Gem\u00fcse und Obst, K\u00e4se, Fleisch und Wurst, Brote und Fisch. Alles von augenscheinlich guter Qualit\u00e4t, auch wenn es eben nicht so standardisiert und fleckenfrei daherkommt, wie im Supermarkt bei uns. Aber es sind ja nun auch Naturprodukte. Wenn da alles gleich aussieht, ist was faul. Mir machen solche M\u00e4rkte einen Riesenspa\u00df, vor allem auch, wenn es eine intakte Markthalle gibt. Eine Markthalle ist als Ort der sozialen Begegnung und der guten Lebensmittel mit Geld nicht zu bezahlen. Wohl den Kommunen, die eine haben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGegen Mittag stellt sich Hunger ein und ich entscheide mich auf dem Markt ein halbes H\u00e4hnchen vom Bauernhof (label rouge) zu kaufen und dazu diese unvergleichlichen in H\u00fchnerbr\u00fche\/-fett gegarten und mit Kr\u00e4utern gew\u00fcrzten Kartoffeln haben zu wollen. Alles beide wird auf einer Parkbank am Flu\u00df mit Appetit und den H\u00e4nden gegessen und schmeckt himmlisch. Aber der Samstag vormittag ist im St\u00e4dtchen noch nicht vorbei. Die Markth\u00e4ndler bauen langsam ab, die ersten Gesch\u00e4fte gehen in die Mittagspause und die Menschen bev\u00f6lkern Kneipen und Restaurants. Blanc, rose, rouge, pression, pastis oder cremant. Bis auf die Kinder haben alle ein apero vor sich stehen, lachen, reden durcheinander und feiern das Leben. Es ist so sch\u00f6n, so unbeschwert, da\u00df ich mich echt gl\u00fccklich sch\u00e4tze mittendrin zu sein. Herrlich. Und nach dieser blauen Stunde am hellen Mittag kehrt langsam Ruhe ein und die Stadt leert sich. Auch ich lege mich ein wenig hin und mache Siesta. Begleitet werde ich von Kirschen und Pfirsichen, die mich bis zum Abend vorm Verhungern retten werden.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd wieder rein ins St\u00e4dtchen, das mir echt gef\u00e4llt. Als erstes geht es ins Musee de Resistance, das die Geschichte der regionalen Widerstandsbewegung darstellt, einbettet in den internationalen Kampf gegen den Faschismus 33-45 und auch die unr\u00fchmliche Rolle der Vichy-Regierung nicht unter den Tisch fallen l\u00e4sst. Museumsp\u00e4dagogisch ist das Teil nicht auf dem neuesten Stand, aber man merkt, da\u00df da Beteiligte und deren Verwandtschaft am Werk waren. Und da\u00df da jede Menge Sten Guns rumh\u00e4ngen, l\u00e4sst das Herz des Gesinnungs-Partisanen auch h\u00f6her schlagen. Ein Besuch, der sich gelohnt hat. Danach will ich erstmal meine Ruhe und setze mich auf eine Bank. Nun ist es irgendwas zwischen siebzig und achtzig Jahren her, da\u00df der Faschismus sein dreckiges Haupt in Europa erhob und es sieht derzeit aus, als ob die europ\u00e4ische Gesellschaft nichts daraus gelernt hat. Ich hoffe nur, da\u00df nie wieder Linke, Demokraten und Christen zur Waffe greifen m\u00fcssen, um die Werte der Republik zu verteidigen. Und mein Respekt gilt nat\u00fcrlich all den tapferen M\u00e4nnern und Frauen, die das in den 30er\/40er Jahren getan haben. Niemand wird als PartisanIn geboren, aber die Resistance und der Maquis haben im eigenen Land ihr Bestes getan. Chapeau!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNach dieser Ged\u00e4chtnis- und Nachdenkensminuten ist mir nach Geselligkeit und ich bestelle mir in der n\u00e4chstgelegenen Bar ein Pression in der Sonne. Beim Bierchen f\u00e4llt mir ein, da\u00df ich die Kathetrale, weltber\u00fchmt und allseitig bekannt, noch gar nicht angeguckt habe. Also hin. In der Kirche gibt es sogar einen Infostand f\u00fcr Pilger mit Besatzung. Weil ich meinen Pilgerausweis in der Unterkunft habe, geh ich schnell los und hole ihn. Die Frau, die den Stand betreut ist sehr nett und des Englischen m\u00e4chtig. Wir unterhalten uns ein wenig und sie macht mir Mut, da\u00df der Weg nun leichter und das Wetter besser wird. Ihr Wort in Gottes Ohr. In seinem eigenen Haus k\u00f6nnte er das ja geh\u00f6rt haben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch bummel dann noch ein wenig rum und sehe zu, wie die Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen und die Stadt leerer wird. Die ersten Restos machen auf, aber es ist noch nichts los. Und alleine im Restaurant hocken, ist auch doof. Also dreh ich noch ne Runde und komme dabei an einem Restaurant indonesienne vorbei. Aha. Karte lesen und Nasi Goreng entdecken. Freu. Nasi Goreng ist n\u00e4mlich ein indonesisches Gericht, da\u00df ich bislang nur in der Aldi-Dosenvariante aus den 80ern kenne. Und auch wenn mir diese Dosen und ihr Inhalt immer lecker in Erinnerung geblieben sind (gibts das eigentlich noch?), interessiert mich das Original doch sehr. Und siehe da. Alles ganz anders. Es ist n\u00e4mlich keine Misch Masch wie etwa gebratener Reis mit Hund, Katze, Maus, wie wir es vom deutschen Chinamann kennen, sondern der Reis wird in der Mitte des Tellers platziert, und Ei, Tomaten, Prawns und Schweinefleisch sind drumrum drapiert. Der Reis ist mit Zwiebeln und Lauch angemacht und relativ fest. Und -schielen zu den Nachbartischen hilft &#8211; gegessen wird das ganze so, da\u00df man sich was vom Reis nimmt und dann munter die Beilagen entweder einzeln oder in wilder Kombination untermischt. Das macht Spa\u00df und er\u00f6ffnet gabelweise neue Geschmachserlebnisse. Und so geht dieser Offday sehr satt und zufrieden zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht war wieder mit Gewitter und Starkregen nicht ganz so leise, wie das in dieser l\u00e4ndlichen Gegend sein sollte, weshalb ich mich nicht ganz ausgeschlafen und in klammen Klamotten auf den Weg machte. 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