{"id":711,"date":"2016-06-15T08:40:46","date_gmt":"2016-06-15T06:40:46","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=711"},"modified":"2016-06-21T18:35:11","modified_gmt":"2016-06-21T16:35:11","slug":"58-etappe-espalion-golinhac","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=711","title":{"rendered":"58. Etappe: Espalion &#8211; Golinhac"},"content":{"rendered":"<p>Ich \u00fcbernachte in einem Chalet, allerdings nicht in einem aus Stein, sondern in einer H\u00fctte, gebaut in Leichtbauweise auf dem Campingplatz in Golinhac. Trotz des etwas gro\u00dfkotzig anmutenden Namens liebe ich diese Dinger, die anderswo schlicht Mobil-Homes hei\u00dfen, obwohl sie nicht mobil sind oder gerade unter der \u00dcberschrift &#8222;Tiny Houses&#8220; Karriere als L\u00f6sungen f\u00fcr alle m\u00f6glichen Siedlungsprobleme gehypt werden. Es ist im Zielort und bei dem herrschenden Wetter die coolste Form ein Dach \u00fcber den Kopf zu bekommen, ohne in einer dieser Massenunterk\u00fcnfte einchecken zu m\u00fcssen. Die ist allerdings auch auf dem Platz und die dort Untergebrachten werden gerade in der Campingplatzkneipe verk\u00f6stigt, w\u00e4hrend ich demonstrativ an der Theke sitze. Und ich begl\u00fcckw\u00fcnsche mich nochmal zu meiner Entscheidung. Das sind definitiv nicht meine Leute.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch selber habe schon gegessen, nachdem ich bei \u00f6rtlichen Tante Emma Laden ein paar regionale K\u00e4se- und Wurstspezialit\u00e4ten sowie ein Landbrot, Tomaten und Zwiebeln eingeholt habe, die eine pr\u00e4chtige Brotzeit ergeben haben. Die K\u00e4seh\u00e4ppchen sind alle vom Bauernhof und die liebe Frau hat so kleine Fitzelchen von den K\u00e4ser\u00e4dern gehobelt, da\u00df es f\u00fcr eine f\u00fcnfteilige Auswahl langte. Augen weit aufrei\u00dfen, unschuldig gucken, &#8222;petit, petit&#8220; sagen und auf alle K\u00e4se zeigen. Sie hat verstanden, was ich wollte. Dazu eine Terrine de Campard, verfeinert mit Thymian und Ziegenk\u00e4se und die Welt ist kulinarisch wieder geradeger\u00fcckt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nBegonnen hatte sie n\u00e4mlich eher unangenehm mit einer Begegnung, die ich im tiefsten S\u00fcden Frankreichs nicht erwartet h\u00e4tte. Zum petit dejeuner erwartete mich ein chinesisches Tiefk\u00fchlbr\u00f6tchen, wie ich es immer wieder in deutschen BusinesskasperHotels entdecke. Aber hier? Unfassbar. Der Verfall kulinarischer Sitten schreitet weiter voran&#8230; Leicht genervt bin ich, quasi notgedrungen, auf ein gesundheitlich deutlich wertvolleres Fr\u00fchst\u00fcck mit Jogurt, Nektarinen und Banane umgestiegen. Ich habe also quasi low carb gefr\u00fchst\u00fcckt, was sich auf der Strecke r\u00e4chen sollte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nW\u00e4hrend des Fr\u00fchst\u00fccks hatte ich noch eine sehr angenehme L\u00e4sterei mit einer Schweizerin, der die Anderen auch ein wenig auf den Keks gingen und die sehr genau beobachten konnte. Das war nun seit langem tats\u00e4chlich mal wieder ein Gespr\u00e4ch, wie ich es mag. Launig. Analytisch. Witzig, aber mit Tiefe und Hintergrund. Und bumms hatten wir 9.00h. Also los jetzt. Die Kollegin hatte Zeit, weil sie eine deutlich k\u00fcrzere Etappe auf dem Schirm hatte, w\u00e4hrend ich 27km weit wollte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd dabei ging es hoch \u00fcbers Tal des Lot und wieder runter. Runter ging es bei Estaing, einem netten Ort, der tats\u00e4chlich was mit Giscard d&#8216; Estaing zu tun hat. Der ist da nicht geboren und der Adelstitel ist erst 1922 von der Familie Giscard erworben worden. Und Giscard ist gar nicht sein Vorname, sondern Valerie. Sagt Google. Naja, und vielmehr ist mir nicht zu dem wirklich sch\u00f6nen Ort eingefallen, als ich draufzugelaufen bin. Aber es gibt dort Weinbau und der Ort ist eine gesch\u00fctzte geographische Angabe, also was besonderes. Wer daf\u00fcr verantwortlich ist, der ehemalige Staatspr\u00e4sident oder die Qualit\u00e4t des Weines, mu\u00df sich zeigen. Insbesondere auch, weil sich das Low Carb Fr\u00fchst\u00fcck gegen Mittag dann doch mit Hunger bemerkbar macht. Eine Snack Bar wirbt mit saucisse regionale und da ich doch so einen Bratwurstschmacht habe, geh ich rein. Und der Jefe br\u00e4t die Bratwurst indem er sie der L\u00e4nge nach aufschneidet und an den Breitseiten einschneidet. Damit hat er die Oberfl\u00e4che der Wurst nat\u00fcrlich kollossal vergr\u00f6\u00dfert und er legt sie mit der dicken Seite nach unten in die Fettpfanne. Als das Ergebnis eine allseits krosse Wurst ist, schneidet er ein Baguette auf, legt die beiden Wursth\u00e4lften rein und sch\u00fcttet Pommes dr\u00fcber. Ketchup und Mayo werden in Extra-Sch\u00e4lchen gereicht. Dazu einen Rouge aus Estaing, ein Cuvee aus Gamay und einer autochthonen Traube, Mansoi&#8230; Herrlich. Nach einer Stunde kann es dann weitergehen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd es geht wieder hoch \u00fcber den Lot. Und da merk ich, da\u00df der Aufwand f\u00fcr die Verstoffwechselung von Bratwurst und Pommes nun in den Beinen fehlt. Merde. Aber es geht voran und vor mir taucht ein Schweizer auf, der mit Zylinder auf dem Kopf unterwegs ist. Bislang ist es mir gelungen, ihm aus dem Weg zu gehen, obwohl auch er eine Vorliebe f\u00fcr die eher von Einheimischen besuchten Kneipen hat. Nun gibt es kein Entkommen. Einfach vorbeiflitzen geht nicht, also mal Gucken. Und es entspannt sich ein interessantes Gespr\u00e4ch \u00fcber die Schw\u00e4che der franz\u00f6sischen Maroni, die wohl massiv von einem gewissen Wurm befallen sind, was ihm das letztj\u00e4hrige Weihnachtsgesch\u00e4ft vermasselt hat \u00fcber die Bedeutung des Jakobswegs als europ\u00e4ische Kulturstra\u00dfe und die Frage, ob ein amerikanischer und ein europ\u00e4ischer Spatz die gleiche Sprache sprechen. Eine interessante Mattinee, die bis ins Ziel f\u00fchrt. Da wir uns wohl bis Santiago immer mal wieder begegnen werden, verabschieden wir uns freundlich voneinander und ich marschiere Richtung Camping, w\u00e4hrend er eine andere Unterkunft gebucht hat.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWenn ich das so durchlese und dr\u00fcber nachdenke, habe ich heute das erste Mal seit l\u00e4ngerem mit zwei, in Zahlen 2, Menschen, beides SchweizerInnen (was das hei\u00dfen soll, wei\u00df ich gar nicht), mal etwas Intensiver gesprochen. Puuh, ob ich mich da wieder dran gew\u00f6hnen werde? \u263a<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich \u00fcbernachte in einem Chalet, allerdings nicht in einem aus Stein, sondern in einer H\u00fctte, gebaut in Leichtbauweise auf dem Campingplatz in Golinhac. 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