{"id":685,"date":"2016-06-10T17:49:30","date_gmt":"2016-06-10T15:49:30","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=685"},"modified":"2016-06-10T17:49:30","modified_gmt":"2016-06-10T15:49:30","slug":"51-etappe-lepuy-en-verlay-st-privat-d-allier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=685","title":{"rendered":"51. Etappe: LePuy en Verlay &#8211; St-Privat-d-Allier"},"content":{"rendered":"<p>Das es anders werden w\u00fcrde, habe ich gestern schon geahnt. Die Stadt war voll mit Rucksackleuten, die dem Interrailalter l\u00e4ngst entwachsen waren und trotzdem was Aufgeregtes an sich hatten, das ich nicht ganz einordnen konnte. Ich war aber auch mit meinen Erledigungen besch\u00e4ftigt. Die eingesammelten Devotionalien nach Hause schicken, einen neuen Stempelausweis organisieren und neues Duschzeug brauch ich auch, weil das Alte bei der gestrigen Waschorgie draufgegangen war. Als ich durch die Stadt hektike, f\u00e4llt mir ein Schild auf: Monument national de Resistance et Maquis suivre blablabla. Ein Verkehrsschild, das die Richtung wei\u00dft. Man m\u00f6ge sich das in Deutschland vorstellen. &#8222;Nationale Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Edelwei\u00dfpiraten, den kommunistischen und christlichen Widerstand und die paar Offiziere, die kurz vor Schlu\u00df noch nen Arsch in die Hose gekriegt haben, f\u00e4hrste am besten \u00fcber A-Hausen und B-Dorf&#8220; Irgendwie unvorstellbar. Also gegoogelt was das ist und wo das ist. Und tats\u00e4chlich gibt es am Mont Mouton eine nationale Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Restistance und den Maquis. Also hin zum Tourist Office und gefragt, wie weit das ist und ob da ein Bus f\u00e4hrt. F\u00e4hrt nicht. Doof, aber die Damen waren sehr hilfsbereit und sagten die Hertzens seien um die Ecke. Ich bin dann um die Ecke und hab mir einen Kleinwagen f\u00fcr n paar Stunden geliehen, was nicht die Welt gekostet hat. Insgesamt komm ich eh immer mehr dahinter, da\u00df man sich f\u00fcr den Preis eines Neuwagens ganz viele Jahreskarten und auch ganz oft einen Leihwagen leisten kann.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Und dann bin ich rund 50km sch\u00f6n \u00fcber Land gefahren und habe diese Gedenkst\u00e4tte angeschaut. Sch\u00f6ne Denkm\u00e4ler, die alle f\u00fcr sich ein buntes Bild des franz\u00f6sischen Widerstands im zweiten Weltkrieg bilden. Die schiere Gr\u00f6\u00dfe der Veranstaltung zeigt die Bedeutung, die das Narrativ der Selbstbefreiung f\u00fcr die franz\u00f6sische Republik in der Nachkriegszeit spielte und anscheinend immer noch spielt. Und aus dieser Beobachtung heraus frage ich mich erneut, warum es im westdeutschen Nachkriegsdeutschland nicht wenigstens den Versuch gab, widerst\u00e4ndige Narrative als Deutungen der Staatsgr\u00fcndung zuzulassen und die ostdeutschen KollegInnen nicht die Gr\u00f6\u00dfe gehabt haben, fast jede und jeden ein bi\u00dfchen im Widerstand gewesen lassen zu sein, sondern mit harter Hand und kaltem Herz gerichtet haben. Das hat die franz\u00f6sische Republik, bei all dem Kladderadatsch, der da auch zwischen 1933 und 1945 gelaufen ist, anscheinend irgendwie anders hingekriegt. Wahrscheinlich kommt man besser klar, wenn jede und jeder um die Leichen im Keller des anderen wei\u00df.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nLeider konnte ich diesen Gedankengang nicht in einem Museumsbesuch vertiefen, weil das Museum zu hatte. Ich witterte eine neoliberale Verschw\u00f6rung, wurde aber von meinem polyglotten Freund Frank Talky Regente beim Telefonieren anl\u00e4\u00dflich seines Geburtstags, darauf hingewiesen, das Museen in der Regel Montags zu haben. Ich werds mir merken, obwohl mir Frankreich montags eh ein wenig gel\u00e4hmt vorkommt. Da haben n\u00e4mlich viele zu, die sonntagsvormittags auf haben, Metzger und Gem\u00fcsedealer. Und Einzelh\u00e4ndlerInnen, die sich samstags bis abends reinh\u00e4ngen. Aber eben nicht alle, sondern jeder so wie er meint. Ob das damit zusammenh\u00e4ngt, da\u00df da bislang die Vollzeitarbeitsverh\u00e4ltnisse nicht so unter Druck geraten sind, wie in Deutschland? Und wer seine Stunden voll hat, mu\u00df halt mal zuhause bleiben. Die franz\u00f6sischen KollegInnen k\u00e4mpfen auf jeden Fall nach wie vor tapfer dagegen, da\u00df es so wird wie bei uns.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch fahre dann also ohne Museumsbesuch wieder Richtung Le Puy und genie\u00dfe das Autowandern. Das ist schon auch eine feine Sache mal eben 100km abzurei\u00dfen. Halt. Ich w\u00e4re ja viel zu fr\u00fch bei Hertzens, wenn ich jetzt durchfahre, weil der eben auch bis 14.00h Mittagspause macht. Also? Essen gehen. N\u00e4chster Ort. Rein ins Resto und erstmal anst\u00e4ndig und mit Zeit gegessen. Das ist echt sch\u00f6n, da mitten unter berufst\u00e4tigen Menschen zu sitzen, denen aber kein Unterschied zu mir anzumerken ist, weil die sich f\u00fcr diese Pause und f\u00fcrs Essen eben alle Zeit der Welt lassen. Das ist etwas, was ich sehr vermissen werden, wenn ich wieder da bin.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas Auto ist dann abgegeben und ich streife ein wenig durch die Stadt. Es ist schon interessant, wie sehr sich dieses St. Jacques-Thema und die Pilgerei in diese Stadt eingefr\u00e4st haben und wie sehr es das Stadtbild pr\u00e4gt. Naja, und irgendwie geh\u00f6re ich ja dazu, aber ich kann nicht wirklich eintauchen. Da ist mir vieles zu konstruiert, zu beseelt und zu sehr darauf abgestellt, aus diesem Weg ein Abenteuer zu machen. Und das ist es nicht! Es geht durch Westeuropa. \u00dcberall Unterkunft, \u00fcberall Essen. Keine vollst\u00e4ndig andere Kultur und mit Deutsch, Englisch, K\u00fcchenfranz\u00f6sisch und ein paar Brocken Spanisch kommste durch. Also kein Vergleich zu dem Weg, den derzeit andere Menschen auf sich nehmen m\u00fcssen. Neue Sprachen, neuer Kulturkreis, kein Essen und nix \u00fcber booking.com. Das machen gerade die Refugees, was nicht vergessen werden soll&#8230; All das besch\u00e4ftigt mich mehr und mehr beim Schlendern durch die Stadt und ich beschlie\u00dfe den Stadtrundgang sehr nachdenklich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch geh in meiner Unterkunft noch eine Kleinigkeit essen und bin mehr als zufrieden. Einen Salat mit Linsen, der mit Piment und Dill (spain meets scandinavia) abgeschmeckt war, dazu ein ger\u00e4ucherter Lachs, der das Ganze abrundete. Ich lag auf jeden Fall zufrieden im Bett und hab dann auch pr\u00e4chtig geschlafen, weshalb es morgens zeitig und bei bestem Wetter losging. Raus aus der Stadt, hei\u00dft wieder schnell an H\u00f6he gewinnen und sch\u00f6n zur\u00fcckschauen k\u00f6nnen in diesen Talkessel. Der Blick geh\u00f6rte mir leider nicht alleine, weil echt eine Menge Leute unterwegs waren. Und das blieb den ganzen Tag bei einem eher entspannten Gang \u00fcber die Hochebene so. Zwischendurch hats auch gedonnert und geregnet, aber das hat den Weg nicht leergefegt. Die anderen Wanderer sind jetzt da&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas mu\u00df mir ja nichts ausmachen. Ich gehe mein Tempo. Das ist mein Weg. Das ist mein Mantra, und ich will es lernen. Ich wil mich nicht \u00fcber andere aufregen, will jeden so lassen, wie er ist und echt entspannt bleiben. Das habe ich mir wirklich vorgenommen. Aber das ist so schwer. Es gibt Charaktermasken, die mich vor 35 Jahren schon genervt haben und das bis heute tun. Und die haben, so scheint mir, diesen Weg ab Le Puy f\u00fcr sich entdeckt (Mir graut gerade vor Spanien und ich hoffe auf die wohltuende Lebensfreude von Engl\u00e4ndern und Spaniern). Um wen geht es? Hm, wie sag ich das denn? Wut, Trauer, Betroffenheit? Wei\u00dfte Bescheid. Oder beim Abendessen zweimal den Wein umschubsen und beim K\u00e4seschneiden das Messer mit der stumpfen Seite ansetzen? Wei\u00dfte Bescheid. Nach einem Tag aufm Weg schon dr\u00fcber quatschen, was das Pilgern mit einem macht? Wei\u00dfte Bescheid. Und damit ist auch gut. Das bleibt jetzt wohl rund zehn Tage so, dann bricht das wieder ab und da komm ich durch. Ich komm da durch. Ommm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das es anders werden w\u00fcrde, habe ich gestern schon geahnt. Die Stadt war voll mit Rucksackleuten, die dem Interrailalter l\u00e4ngst entwachsen waren und trotzdem was Aufgeregtes an sich hatten, das ich nicht ganz einordnen konnte. Ich war aber auch mit &hellip; <a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=685\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-685","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vinoguerracamino"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/685","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=685"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":693,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/685\/revisions\/693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}