{"id":669,"date":"2016-06-07T17:26:41","date_gmt":"2016-06-07T15:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=669"},"modified":"2016-06-07T17:26:41","modified_gmt":"2016-06-07T15:26:41","slug":"47-etappe-marols-valprivas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=669","title":{"rendered":"47. Etappe: Marols &#8211; Valprivas"},"content":{"rendered":"<p>Der bislang schw\u00e4rzeste Tag der Tour, und da\u00df obwohl er sehr nett begonnen hatte. Er ging n\u00e4mlich damit los, hoch \u00fcber dem Tal mIt Sonnenstrahlen wachzuwerden und beim Packen Regenjacke und Regenh\u00fclle nicht allzuweit wegzutun, aber immerhin nicht von vornherein aufzuspannen. Das Fr\u00fchst\u00fcck mit der alten Dame, bei der ich erst heute morgen eine rote Str\u00e4hne im grauen Haar bemerkte, war sehr angenehm und wir unterhielten uns sehr angeregt \u00fcber die Situation in Frankreich, die sie f\u00fcr verfahren h\u00e4lt, weil jeder nur kurzfristig und an sich denken w\u00fcrde. Sie kam zu dieser Einsch\u00e4tzung, weil ich mich freudig \u00fcber das Zero Plastic am Fr\u00fchst\u00fcckstisch freute und sie sich als Umweltsch\u00fctzerin erkl\u00e4rte, gleichzeitig bedauerte, da\u00df sich immer nur ihre deutschen G\u00e4ste dr\u00fcber freuen w\u00fcrden. Zu den Protesten gegen die neuen Arbeitsgesetze a la Hartz, meinte Madame das sich die CGT so auf die Hinterf\u00fc\u00dfe stellt, weil ihr die neuen Bewegungen, wie die Nuit Debuit, den ersten Platz in Aktion wie Inhalt streitig machen. Hm, der Gedanke ist mir bislang nicht gekommen, aber mein Eindruck am 01. Mai war eben auch nicht, da\u00df das Durchschnittsalter ohne \u00dc-40 Parties auskommt. Also interessant und aufschlu\u00dfreich, aber ich wollte ja weiter.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDen Rucksack aufgeschnallt und los. Es ging weiter bergauf und zwar rund 300 H\u00f6henmeter. Nach rund anderthalb Stunden auf 1165Hm kam ich dann in Montracher an. Was f\u00fcr ein Ausblick, wenn man was gesehen h\u00e4tte. Denn zwischenzeitlich hatte es begonnen zu regnen und der Wind hatte aufgefrischt. Das ist in den Bergen unangenehm. An guten Tagen scheint man von da aus aber bis ins Mont Blanc Massiv gucken zu k\u00f6nnen. Also vertr\u00f6stete ich mich auf gute Tage und sah zu, da\u00df ich weiter kam.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd dabei mu\u00df es dann passiert sein. Bergab, den Blick auf den Weg gerichtet und den Regen vor der Brille hab ich wohl einen Abzweig verpasst und bin stur weitergegangen, weil ich hie und da eine Muschel gesehen habe. Als ich dann merkte, da\u00df es eine Alternativroute durch die Vollpampa war, der ich entlanggelaufen war, h\u00e4tte ich platzen k\u00f6nnen. Patschnass und irgendwo im Nirvana. Als ich dann auch noch Google Maps zu Rate ziehen wollte und diese DrecksApp kein GPS fand (Das macht sie immer, wenns wIrklich n\u00f6tig w\u00e4re) und das Smartphone eh am Spinnen war, weil die fetten Regentropfen wie Fingertipps interpretiert wurden und das Ding zum Rotieren brachten. Also weg mit dem digitalen Dreck. Karten hatte ich keine, sondern nur die Kartenausschnitte der zwei Alternativrouten. Den Rest hab ich mir zusammenreimen m\u00fcssen. Also vorw\u00e4rts bis Usson en Forez und dann links. Angekommen in Usson, kam ich an einem Resto vorbei, das ein Menue de Jour anbot und weil ich eh schon auf mich und die ganze Welt sauer war, bin ich rein. Der Kneipenmops und ich wurden schnell Freunde, mein Smartphone trocknete ab und Google Maps reagierte wieder, das Essen war passabel. Alles h\u00e4tte nach 15km zu Ende sein k\u00f6nnen. H\u00e4tte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nKaum war ich aus dem Haus und wollte am ersten kritischen Abzweig die GoogleRoute nochmal anschauen, war schon wieder Game Over. Mitten aufm Feldweg mu\u00dfte ich mich nun erinnern wie es denn ungef\u00e4hr weitergegangen w\u00e4re. Habe ich dann auch gemacht und bin dann irgendwann auf die D104 gesto\u00dfen, die auch irgendwie wichtig war. Die geht aber rechts, wie links weiter. Menno. Ich halte das erste Auto an und der Typ kommt aus der Generation Navi. Als ich ihm die Karte zeige und sage wo ich hin will, rafft er gar nichts. Danke. Und Tsch\u00fcss. Beim zweiten Wagen, der freundlicherweise anh\u00e4lt, werde ich geholfen und in die richtige Richtung geschickt. Das verabschiedende Bonne Courage der beiden \u00e4lteren Damen l\u00e4sst mir einen Schauer \u00fcber den R\u00fccken laufen, weil doch so der Offizier seine franz\u00f6sischen Fallschirmspringer in D-Day verabschiedet.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch latsch also die Landstra\u00dfe entlang und bin dann auch irgendwann wieder in der Spur. Nach fast 40km und nicht nach geplanten 27 stand ich dann vor der Unterkunft und niemand war da. Das hat dann gerade noch gefehlt. Also anrufen. Eine entspannte Stimme, die fr\u00f6hlich auf Franz\u00f6sisch auf mich eindrischt und ich mir zusammenreime, das ich mich im Bistro einzufinden habe. Also hin da. Das ist aber weder an der Hauptstra\u00dfe, noch bei der Kirche. Wieder fragen und netterweise von einer jungen Landfrau dahin geleitet werden, weil sie da wohl eh hinwollte. Auf dem Weg fragt sie mich aus, was ich da will und wen ich da suche. Als wir dann das Bistro erreichen, \u00fcbernimmt sie die Information des Wirts und der wei\u00df Bescheid und signalisiert, da\u00df ich 10 Minuten Zeit habe. Das hei\u00dft auch Zeit f\u00fcr ein kleines Pression in nassen Klamotten und, schlimmer, nassen Schuhen. Egal, nach zehn Minuten kommt Frau Checkerin und nimmt mich im Schlepptau ihrer beiden Kinder mit. Keine drei\u00dfig Meter und, wegen einem bockigen vier-j\u00e4hrigen Jungen, keine gef\u00fchlte halbe Stunde sp\u00e4ter, schlie\u00dft sie mir die Unterkunft auf. Eine Gite d Etape mit vielen Betten, die immer in Achter-Wohnungen mit Bad und K\u00fcche und je zwei Schlafr\u00e4umen mit vier Betten aufgeteilt sind. Cool, vor allem weil ich so eine Wohnung f\u00fcr mich alleine habe und damit drei Heizk\u00f6rper, die auch sofort loslegen, als ich sie aufdrehe. Das ist in Frankreich nicht die Regel, weshalb ich das am Ende eines solchen Tages f\u00fcr einen echten Gl\u00fccksgriff halte. W\u00e4sche und Schuhe zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt, jetzt noch hei\u00df duschen, ein wenig aufs Bett und dann was Essen gehen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nHei\u00df duschen war nicht. Da kam nur kaltes Wasser und wer mich kennt, wei\u00df wie sehr mir das auf die Stimmung schlagen kann. Ich brauche kein waterboarding, mir mu\u00df man mit ner kalten Dusche drohen und ich gestehe alles. Aber da ich olfaktorisch stark Richtung Iltis tendierte, hatte ich keine andere Wahl. Augen zu. Durch. Danach habe ich mich in meinen Schlafsack verkrochen und bin dort bis zum anderen Morgen liegengeblieben. Essen? Wer braucht denn Essen, wenn es sich mit der ganzen Welt hadern l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bislang schw\u00e4rzeste Tag der Tour, und da\u00df obwohl er sehr nett begonnen hatte. 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