{"id":629,"date":"2016-05-24T10:47:47","date_gmt":"2016-05-24T08:47:47","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=629"},"modified":"2016-06-03T15:07:51","modified_gmt":"2016-06-03T13:07:51","slug":"37-etappe-tramayes-ouroux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=629","title":{"rendered":"37. Etappe: Tramayes &#8211; Ouroux"},"content":{"rendered":"<p>Es hatte nat\u00fcrlich zugezogen. Zwei Tage gutes Wetter am St\u00fcck w\u00e4re auch vermessen gewesen. Au\u00dferdem war der Vormittag ja anders verplant. Also war ich hinsichtlich des Wetters entspannt, stand doch der Schuhkauf an. Um Neune gings dann endlich los und mit einer siebzigj\u00e4hrigen Engl\u00e4nderin auf Frankreichs Stra\u00dfen unterwegs zu sein, nebenbei auf Englisch \u00fcber die Zukunft des Sozialstaats und der europ\u00e4ischen Union, sowie den braunen K\u00fchen zwischen den wei\u00dfen Charlois (das sind \u00fcbrigens Limousinrinder, die den Chalorais wieder auf die Spr\u00fcnge helfen sollen, weil die gesundheitliche Probleme haben) und the rising of Manchester City (die beiden kommen aus Manchester) und trotzdem entspannt zu bleiben, ist ein Zeichen wie gut dieses Unterwegs sein f\u00fcr die worklife-balance ist. Sie hat mich dann beim Decathlon rausgelassen und ist in den Gartencenter weitergefahren. So blieb mir etwas Zeit den neuen Schuh auszusuchen. Mit F\u00fc\u00dfen und Kn\u00f6cheln, die seit 31 Jahren mit DocMartens zu tun haben, brauch ich mit den meisten Schuhen, die es bei Decathlon gibt gar nicht erst anzufangen. So blieb zum Schlu\u00df ein Schuh \u00fcber, den es in meiner Gr\u00f6\u00dfe auch gab und den ich mir sofort an die F\u00fc\u00dfe zimmerte.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Wieder eingesammelt von Christine (so hei\u00dft die Lady) gings zur\u00fcck nach Tramayes. Dann gab es eine herzliche Verabschiedung von den Beiden und nachdem ich die alten Schuhe Richtung Heimat verschifft hatte (also auf der Post ein P\u00e4ckchen aufgegeben habe), machte ich mich endlich auf den Weg. Das es mittlerweile regnete, brauch ich wohl nicht zu erw\u00e4hnen, aber trotzdem war und bin ich fasziniert von dieser Landschaft. Toll das anzuschauen. Gr\u00fcne Weiden, tolle W\u00e4lder und Weiler und D\u00f6rfchen, die als Kulisse f\u00fcr jeden Mittelalterschinken dienen k\u00f6nnten. Toll. Nach vier Stunden war aber auch Schlu\u00df und ich im Zielort. Entspannt, weil ich ja gebucht hatte, suchte ich mein Hotel, das es aber nicht gab. Also das gibt es schon, aber rund 100km weiter n\u00f6rdlich in einem Ort gleichen Namens. Kann vorkommen, ist aber bl\u00f6d. Nach R\u00fccksprache mit dem \u00f6rtlichen Wirt und seinen Hinweisen bin ich nun aber im Gemeindehaus unter, die zwei Betten f\u00fcr Pilger vorhalten, und bin seit eben in seiner Kneipe, er kocht gerade und ich kriege was ab. Den Seinen gibts der Herr im Schlaf&#8230; Anscheinend geh\u00f6re ich dazu, denke ich mir manchmal. Und jetzt wo ich im Gemeindehaus eingetrudelt bin, denk ich der Herr ist ein Punk oder ein Hippie oder sowas.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNachtrag: Was f\u00fcr ein cooler Abend. Die ganze Zeit \u00fcber gute Musik und wechselndes Publikum, dann kam eine Spielegruppe, die ne Menge Spa\u00df hatten und mein Essen. Vorneweg ne luftgetrocknete Schweinesalami mit eingelegten Senffr\u00fcchten, weiterhin gute Musik und ne Spielegruppe und n Wirt mit zunehmend guter Laune, was mir a weng Sorge um die weitere Nahrungsaufnahme machte. Dann kam aber eine Reis-Kartoffel-Pfanne mit im Sud gegarten Schweinsw\u00fcrsten, von denen mein Herr Papa behauptet h\u00e4tte, da\u00df er das Schwein noch schreien h\u00f6rt, und ich war beruhigt und zufrieden. Die Musik, die Spielegruppe, der Wirt und ich wurden immer besserer Laune. War das sch\u00f6n. Eine alternde Sozialdemokratin in, ich sag mal, Marco Polo und Esprit Klamotten, ein JungHippie in weitem Strick, ein Dreadlock-M\u00e4dchen und ein angepunkter Hipster spielen zusammen und zischen kleine Bierchen, an der Theke n paar Musiker \u00e4lteren Kalibers, die jedes Lied kommentieren und Normalos, die was Essen wollen. Der Wirt, n Hut mit Federn dran aufm Kopf, spielt immer weiter einen Kompromiss aus subkulturellen Klassikern, franz\u00f6sischen Sachen, die ich nicht kenne und sowas Modernem, a bisserl Punk, bisserl HipHop und so&#8230; Dann gings ans Bezahlen und der Herr Wirt machte eine arg gro\u00dfz\u00fcgige Rechnung, was ich mal als Kompliment genommen habe. Statt Trinkgeld hab ich ihn dann mit vor die T\u00fcr genommen und ihm den Smashhit meiner Lieblingsband (Som von Obrint Pas) vorgespielt. Daraufhin von ihm in den Arm genommen und wieder in die Kneipe geleitet zu werden war eins. Er hat sofort mit dem Spieletisch gesprochen und ich konnte mich von allen mit Handschlag verabschieden. Ich hab kein Wort verstanden, aber ich glaube wir &#8211; der Wirt, die Spielegruppe und ich &#8211; stehen auf derselben Seite der Macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hatte nat\u00fcrlich zugezogen. Zwei Tage gutes Wetter am St\u00fcck w\u00e4re auch vermessen gewesen. Au\u00dferdem war der Vormittag ja anders verplant. Also war ich hinsichtlich des Wetters entspannt, stand doch der Schuhkauf an. 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