{"id":624,"date":"2016-05-24T10:47:19","date_gmt":"2016-05-24T08:47:19","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=624"},"modified":"2016-06-02T19:52:44","modified_gmt":"2016-06-02T17:52:44","slug":"35-etappe-chagny-cluny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=624","title":{"rendered":"35. Etappe: Chagny &#8211; Cluny"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem erneuten (der letzte war erst knappe sechs Wochen her) Abschied schweren Herzens von meiner Liebsten, mit der ich die Woche rund um meinen 50. an der Cote d&#8216; Or verbracht habe, stand ich wieder da, alleine und auf meinem Weg. Ein mulmiges Gef\u00fchl, wenn man sich in einer Woche gerade wieder den luxuri\u00f6sen Selbstverst\u00e4ndlichkeiten unseres Alltags angen\u00e4hert hat. Dazu geh\u00f6ren ein vier-Platten Herd und ein K\u00fchlschrank, genauso wie die schier unbegrenzte Anzahl W\u00e4sche, die du anziehen kannst, ohne gezwungen zu sein sofort wieder irgendwas auszuwaschen oder auch mal wieder ein After Shafe\/Eau de Toilette zu benutzen, was ansonsten aus Gewichtsgr\u00fcnden unter Klimbim gebucht wird und nicht im Rucksack auftaucht. Es ist interessant all das sch\u00e4tzen zu lernen, was wir f\u00fcr so normal halten, wie die Luft zum Atmen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Und jetzt habe ich bis Anfang September Zeit, zu lernen ohne all das auszukommen, um es dann zu sch\u00e4tzen &#8211; oder etwas anders zu machen &#8211; wenn es wieder zur Verf\u00fcgung steht. Das wird spannend. Genauso spannend wie der heutige Tag. Denn heute geht es \u00fcber Taize nach Cluny und weil ich in der vergangenen Woche die Cote d&#8216; Or rauf und runter inkl. Hinterland erkundet habe, shuttle ich von Beaune aus \u00fcber Chagny und Macon nach Taize und laufe von da aus nach Cluny.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nTaize&#8230; Da ich aus Pietnam komme, also einer durch und durch pietistisch gepr\u00e4gten Gegend und als erste Form der Rebellion und als katholischer Messdiener nat\u00fcrlich auch im katholischen Jugendheim unterwegs war, ist mir seit fr\u00fchen Jugendtagen Taize ein Begriff. Glasige Augen und verschw\u00f6rerische Blicke bei denen, die ein paar Tage dort gewesen sind, versprachen ein gro\u00dfes Geheimnis, das aber im Zusammenhang mit der zunehmenden S\u00e4kularisierung meiner Rebelion verblasste. Bis ich eben bei der Tourplanung merkte, das dieser Ort auf meinem Weg liegt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd so setze ich nach gut 35 Jahren meinen Fu\u00df auf das Gel\u00e4nde der Gemeinschaft von Taize. Und was ist? Zeltlager. Junge Menschen und junggebliebene (h\u00fcstel) BetreuerInnen. Da ist wohl egal, ob das christlicherseits organisiert wird oder es das Pfingstcamp der SDAJ ist. Gelangweilt guckende Teenager, die trotzdem rumchecken als ob es kein Morgen g\u00e4be. Gesungen wird wenig, was mich wundert, weil Taize ja gerade daf\u00fcr bekannt ist. Es wird daf\u00fcr auffallend viel deutsch gesprochen, was in mir auch den Verdacht n\u00e4hrt, da\u00df einige B-Jugenden den Ausflug nach Taize als Saisonabschlu\u00dffahrt interpretieren, weil der notorisch klamme Verein das nicht hinkriegt. Das was ich an Sprachfetzen aufschnappe, passt auf jeden Fall mehr Richtung Ballermann als in dieses Christennest. Sei&#8217;s drum. Nach einer halben Stunde bin ich auch durch und mache mich auf meinen Weg Richtung Cluny.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Weg war nett, aber nicht der Rede wert. Bei gutem Wetter kann es \u00fcberall sch\u00f6n sein. Das Ziel war wichtig. Cluny, dieses Zentrum mittelalterlichen Geistesschaffens, das der Menschheit geholfen hat den Schritt in die Moderne zu tun. Dieses Zentrum europ\u00e4ischen Denkens, das \u00fcber ein feines Netz von Filialen seine Diskurse spann, verbunden mit einer ersten Form der F\u00fcrsorge, die sich durch ihre Regelm\u00e4\u00dfigkeit genauso wie durch ihre Regelhaftigkeit von den damals \u00fcblichen Almosen unterschied. Das wollte ich sp\u00fcren. Diesen Kraftort des Denkens. Nun. Von der Abtei hat die franz\u00f6sische Revolution wenig \u00fcbriggelassen und den Rest haben die Deutschen am 11. August 1944 erledigt. Nachdem die Restistance Cluny befreit hatte, hagelte es n\u00e4mlich Bomben seitens der deutschen Luftwaffe. Dazu gibt es ein gro\u00dfes, sehr bewegendes Denkmal gegen\u00fcber vom Tourist-Office, das leider wenig Aufmerksamkeit genie\u00dft. Das was von der Abtei \u00fcbrig geblieben ist, daf\u00fcr umso mehr. Die Reste vermitteln auch immer noch eindrucksvoll das Bild einstiger Gr\u00f6\u00dfe. Ein tolles Ziel f\u00fcr Tagesausfl\u00fcgler, was die auch wissen und zahlreich auflaufen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNun ist Ruhe eingekehrt und ich sitze bei einem Glas Macon Village blanc im Stra\u00dfencafe, es ist noch warm und das einzige was mich dr\u00fcckt, ist das Schuhe-Thema. Ich hatte bereits von den abgelaufenen Abs\u00e4tzen berichtet, aber in der vergangenen Woche die Schuhe einem vertrauensw\u00fcrdig erscheinenden Schuster in die Hand gedr\u00fcckt, der da neue Abs\u00e4tze drunter nageln wollte. Hat er auch gemacht, aber bereits heute, l\u00f6st sich der Absatz vom Schuh, noch nicht doll, aber merklich. Das wird noch ein echtes Thema, weil der gemeine Franzose nicht so outdoorfixiert ist, wie die Deutschen, die ja den Gang um den Block in der Mittagspause vorzugsweise hochgebirgstauglich antreten. Also wird die Beschaffungsthematik n echter Spa\u00df. Darauf trink ich wohl noch ein Gl\u00e4schen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem erneuten (der letzte war erst knappe sechs Wochen her) Abschied schweren Herzens von meiner Liebsten, mit der ich die Woche rund um meinen 50. an der Cote d&#8216; Or verbracht habe, stand ich wieder da, alleine und auf &hellip; <a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=624\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-624","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vinoguerracamino"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=624"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/624\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":632,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/624\/revisions\/632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}