{"id":620,"date":"2016-05-13T09:00:08","date_gmt":"2016-05-13T07:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=620"},"modified":"2016-06-03T15:07:34","modified_gmt":"2016-06-03T13:07:34","slug":"34-etappe-beaune-chagny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=620","title":{"rendered":"34. Etappe: Beaune &#8211; Chagny"},"content":{"rendered":"<p>Pommard, Meursault und Montrachet. Welch klingenden Namen im Ohr eines Weinliebhabers und welch unw\u00fcrdiger Rahmen der Begegnung mit diesen erstklassigen Lagen und Weinen. Es regnet n\u00e4mlich wieder. Der Himmel zeigt sich in wechselnden Graut\u00f6nen und auch der Trick, da\u00df es dahinten ja schon wieder heller wird, funktioniert heute nicht. Trotzdem mu\u00df ich mir die Weinberge, oder besser gesagt die Weing\u00e4rten etwas genauer anschauen. Die Weinst\u00f6cke sind deutlich k\u00fcrzer gehalten als in den deutschen Anbaugebieten. Die St\u00f6cke haben eine H\u00f6he von etwa 40cm und sind bereits so fr\u00fch im Jahr relativ stark ausgegeizt. Hoffe ich, oder aber da ist eine ganze Menge schlicht erfroren, was ja schade w\u00e4re. Auch wegen der Arbeit, die auch bei diesem widrigen Wetter von vielen Menschen in diesen Weinbergen geleistet wird. Die Sorgfalt zu beobachten mit der die einzelnen St\u00f6cke angeschaut und bearbeitet werden, die Geradlinigkeit mit der die Linien aufgespannt werden, zeugen von der Leidenschaft mit der auf relativ kleiner Fl\u00e4che hochwertige Weine erzeugt werden, die zwar ob des Terroirs schon gute Vorraussetzungen mitbringen, aber ohne die Arbeit im Weinberg und im Keller, was in Frankreich durchaus zwei unterschiedliche Professionen sind, kann das trotzdem auch Pl\u00f6rre werden.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>In Meursault, einer Wei\u00dfweininsel im Rotweinmeer, mache ich eine Kaffeepause, um mich aufzuw\u00e4rmen und ein wenig anzutrocknen. Der Ort liegt reizend auf einem kleinen H\u00fcgel und ist auch sonst recht ansehnlich. Das Cafe wird von zwei jungen Damen betrieben, denen die Aufgeregtheit der Existenzgr\u00fcnderinnen noch anzumerken ist. Bonne Courage den Beiden. Als ich mich wieder auf den Weg mache, kommt von hinten ein sattes &#8222;On yer way to Santiago?&#8220; und ein Fahrradfahrer mit Anh\u00e4nger f\u00e4hrt neben mich. Im Weitergehen frag ich ihn, ober er denn auch dahin will und er antwortet, da\u00df er Richtung Barcelona unterwegs ist. Wir w\u00fcnschen uns gegenseitig einen guten Weg und besseres Wetter und dann radelt er auch schon weiter.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs sind diese kurzen Begegnungen, dieses wo willst du hin, wo kommst du her, die mir ein Gef\u00fchl daf\u00fcr geben, sich zusammen mit anderen Menschen bzw. die meiste Zeit alleine, anachronistisch langsam auf diesen langen Weg gemacht zu haben. Und die mir dann auch wieder die \u00dcberlegungen zum gr\u00f6\u00dfer werdenden Raumwiderstand in postfossilen Zeiten klarmachen. Heute finden wir einen Arbeitsweg von einer halben Stunde und 25km, gefahren mit dem Auto in Ordnung, geht jemand eine halbe Stunde zu Fu\u00df auf die Arbeit, also etwa 2km, gucken alle komisch. Das wird wohl wieder anders werden, weil es ja auch noch nicht so f\u00fcrchterlich lange her ist, da\u00df die Menschen ne Stunde im Bus sa\u00dfen oder mit dem Fahrrad gefahren sind, um zur Arbeit zu kommen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch bin auf jeden Fall dann irgendwann auch mal am Ziel der heutigen Debatte angekommen und weil es \u00fcber geteerte Radwege ging, m\u00fcssen die Stiefel nicht geputzt nur getrocknet werden, wobei ich feststelle, da\u00df die sich schon ganz bedenklich abgelaufen haben. Zumindest an genau der einen Stelle an der ich &#8211; keiner wei\u00df wie &#8211; die Abs\u00e4tze all meiner Schuhe ablaufe. Aber noch gehts und die Pyren\u00e4en sind noch weit. Nach einem kurzen Nickerchen guck ich mir die Stadt an und besichtige eine sehr alte Kirche in der mich eine Skulptur sehr fasziniert, weil eine g\u00fctige Muttergottes, von einem jungen Mann (Jesus?) auf einem Schild getragen wird. Das der junge Mann da auch Fl\u00fcgel hat, ist nicht so wichtig, denke ich. Wichtig ist, wer oben steht. Das mir das Bild im Marienmonat Mai, dem sicherlich weiblichsten Monat im Kirchenjahr, begegnet ist dabei Zufall. Ich bin \u00fcbrigens in Chagny und wer Gelegenheit hat, kann ja selber mal gucken gehen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch sitz nun im Restaurant des Campingplatzes und schreibe, genie\u00dfe dabei ein Glas Aligote, einer autochthonen Traube aus dem Burgund, die mir m\u00e4chtig behagt, weil sie ein wenig sperrig und von eigenwilliger Eleganz ist, bzw. sein kann, wenn man sie anst\u00e4ndig behandelt. Aufgeregt bin ich auch ein wenig, weil ich morgen nach Dijon fahren werde und mich mit meiner Liebsten treffe, um die Woche um meinen 50. herum gemeinsam zu verbringen. Immerhin bin ich nun schon fast sechs Wochen unterwegs. Und es wird dann weiter gehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pommard, Meursault und Montrachet. Welch klingenden Namen im Ohr eines Weinliebhabers und welch unw\u00fcrdiger Rahmen der Begegnung mit diesen erstklassigen Lagen und Weinen. Es regnet n\u00e4mlich wieder. 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