{"id":614,"date":"2016-05-13T08:59:17","date_gmt":"2016-05-13T06:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=614"},"modified":"2016-05-13T09:00:20","modified_gmt":"2016-05-13T07:00:20","slug":"32-etappe-st-jean-de-losne-nuit-st-george","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=614","title":{"rendered":"32. Etappe: St. Jean de Losne &#8211; Nuit St. George"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem das bei der Ankunft und am Abend im Restaurant des Campingplatzes mit Blick auf den Flu\u00df so sch\u00f6n war, hab ich mich kurzfristig entschlossen noch eine Nacht dranzuh\u00e4ngen und morgen mal so richtig zu chillen. Auf den Flu\u00df gucken und lesen. Sonnenschein inklusive. Kaum war das abgemacht und ich lag im Schlafsack, begann es zu regnen. Und zwar leise aber stetig, was f\u00fcr eine Nacht im Zelt in etwa so einschl\u00e4fernd ist wie eine ganze Staffel Superdrumming. Ich lag also wach, dachte dr\u00fcber nach, warum ich mir das \u00fcberhaupt antue und was das alles soll und schlief dann doch irgendwann ein.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGegen Morgen h\u00f6rte der Regen auch auf, zun\u00e4chst, und ich blieb liegen und geno\u00df das Gef\u00fchl einfach liegenbleiben zu k\u00f6nnen. Wobei ich allerdings justamente da die Bedeutung eines Kopfkissens zu sch\u00e4tzen gelernt habe. Die menschliche Anatomie ist einfach nicht daf\u00fcr gemacht auf der Seite zu liegen und R\u00fccken kann ich nicht, kann ich nicht einschlafen, sondern die Birne springt an. Sich die Wanderklamotten unterzuschieben, verbietet sich aus olfaktorischen Gr\u00fcnden. Also doch raus, aufstehen, duschen und gucken, wo es einen Kafffee gibt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch bin dann ins Dorf gegangen, hab mir das mal angeschaut, was bei 1100 Einwohner-D\u00f6rfern ja schnell erledigt ist. Stra\u00dfe rauf, Stra\u00dfe runter, den Mordshafen bestaunt und Einkehrschwung in die Bar-Tabac, die mir als der Anlaufpunkt des Dorfes (Das mit dem Dorf ist vielleicht ungerecht, weil ich gar nicht wei\u00df, ob die Stadtrechte haben) erschien. Dort habe ich dann eine interessante Stunde erlebt, in der gef\u00fchlt ein Viertel der Einwohner auf einen maximal drei-min\u00fctigen Aufenthalt zur\u00fcckblicken d\u00fcrfte. Rein. Kaffee bestellen. K\u00fcsschen hier und da. Wom\u00f6glich Lotto spielen. Kaffee trinken. Raus. Ob die eine Kaffeemaschine zuhause haben, wei\u00df ich nicht, aber sie haben zumindest nicht so ein f\u00fcnstellig kostendes Profiger\u00e4t wie der Kollege von der Bar und haben schon morgens diese R\u00fcckbindung an die Gemeinschaft. In Deutschland hat jeder irgendeinen Dreck von Senseo bis Jura und kommt sich toll vor, wenn es einmal im Jahr zum Nachbarschaftsgrillen reicht. Nun gut, die ein oder andere Dorfkneipe m\u00fcsste umstrukturiert werden bzw. der ein oder andere B\u00e4cker sich dann doch daf\u00fcr entscheiden eine gescheite Kaffeemaschine anzuschaffen und eher auf Cafe zu machen, als auf Verkaufsstelle f\u00fcr aufgebackene Fertigmischungen. Aber auch das w\u00fcrden wir schaffen und es w\u00e4re doch nett. Nicht Coffee to go, sondern eben kurz stehenbleiben und den Kaffee im Kreise der Community schl\u00fcrfen. Ist doch besser als sich das lauwarme Zeug beim Gehen aufs Hemd zu schlabbern&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDergestalte \u00dcberlegungen begleiteten mich bei der erneuten Runde durchs Dorf und beim erneuten \u00dcberqueren der Saone. Es gibt n\u00e4mlich den Ort St. Jean de Losne und -ganz schlicht- Losne. Nun ist Losne noch kleiner als St. Jean de Losne hat aber eine ganz formidable B\u00e4ckerei, wie ich beim Vorbeigehen merkte, weil mich aus der Auslage diverse Pizzen und Quiches anlachten, die in Frankreich in den Beritt der B\u00e4cker fallen und mit Ernst und Anstand produziert werden. Da es auf Mittag zu ging, war auch meinerseits Appetit da, so das wir zusammen kamen und ich den Laden im Besitz zweier Quiches, eine mit Thunfisch-Senf-F\u00fcllung, die andere mit Ziegenk\u00e4se-Lauch, verlie\u00df. Einen Platz am Wasser gesucht und genossen. Danach m\u00fcde geworden und ins Zelt gelegt. Geschlafen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAls ich wieder wach wurde, hatte es sich zugezogen, aber den ganzen Tag im Zelt liegen geht gar nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen. Also auf und vorgeschlappt in den \u00fcberdachten Freisitz des Campingplatz-Restaurants und gelesen, n wei\u00dfen Burgunder getrunken und aufs Wasser geguckt. Stille. Ruhe. Den ganzen Tag schon war es unheimlich leise, was wirklich -Wetter hin oder her- sehr entspannend wirkt. So sa\u00df ich dann da, als ein Fahrradfahrer mit Anh\u00e4nger auf der Bildfl\u00e4che erschien und einen Platz begehrte. Die Situation entspannte sich sofort, als der Kollege erstmal nen Kaffee bestellte und nicht sofort hektisch das Zeltaufbauen begann. Naja, und auf Hello, Drecks Wetter, where do you come from, folgte dann die Geschichte von Jemandem den das Travellen echt gepackt hat und der 2014 von S\u00fcdafrika aus mit dem Fahrrad Richtung Norden los ist, erst im Sudan und dann in S\u00fcd\u00e4gypten \u00c4rger mit dem IS bekommen hat und nun von Madrid aus nach Hause, ein Holl\u00e4nder wars, f\u00e4hrt. Das ist nat\u00fcrlich n anderes Ding als mein Flanieren durch Westeuropa, aber wir hatten durchaus nen Draht und es war ein netter Austausch, eben auch \u00fcber das wieder Heimkommen und sich wieder Einfinden.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNachdem ich im Schlafsack lag und fast gl\u00fccklich war, da\u00df es nicht regnete, fing es aber auch prompt an. Also same procedure. Superdrumming. 2. Staffel. Das w\u00e4re auch kein Problem gewesen, wenn ich nicht weitergewolt h\u00e4tte. Und so stand ich nach einer durchtrommelten Nacht um 7:00h auf und hab versucht die trockenen Klamotten in den Rucksack und das nasse Zelt um den Rucksack rum zu packen und alles mit der Regenh\u00fclle gegen weitere N\u00e4sse zu sch\u00fctzen. So weit so gut und los. Heute gehts nach Nuit St. George an die Cote d&#8216; Or, die legend\u00e4ren Weinberge Burgunds. Wenn das nicht motivierend ist.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn str\u00f6menden Regen an einem franz\u00f6sischen Kanal entlang zu wandern, hat von au\u00dfen betrachtet sicherlich etwas sehr melancholisch-anr\u00fchrendenes und k\u00f6nnte die Starteinstellung f\u00fcr einen Film Noir oder was Existenzialistisches sein. Wenn du da selber gerade die Hauptrolle spielst, hast du aber auch \u00fcberhaupt keinen Blick f\u00fcr das Tragische im Auftauchen des Schwanenp\u00e4rchens oder das Verd\u00e4chtige bei diesem weit abseits des Hafen liegenden Hausbootes, sondern du findest das nur bl\u00f6d. Saubl\u00f6d. Als dann ein Stra\u00dfenschild versprach mich mit 23km Weg ins Ziel zu bringen und nicht wie der Wanderf\u00fchrer mit 33km, hab ich den Wanderf\u00fchrer weggepackt und bin stur der D8 gefolgt. An dieser Stelle ein Kompliment an die franz\u00f6sischen Autofahrer, die den ihnen entgegenkommenden Wanderer immer mit dem n\u00f6tigen Respekt und Anstand behandelt haben. Merci.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd als sie dann in Sicht kam, die Cote d&#8216; Or, wurde auch die Stimmung wieder besser und die F\u00fc\u00dfe taten nicht mehr ganz so weh (Lange Strecken \u00fcber Teer sind die H\u00f6lle.) und mein Ziel war bald erreicht. Die Unterkunft war kurzfristig und mit Bedacht gew\u00e4hlt. Ein Hotel, das anders als diese Ibis-Klimanlagen-Schachteln, erstens Platz im Zimmer und zweitens eine Heizung versprach. Immerhin muss ich ja ein Zelt, einen Rucksack und ein paar Klamotten bis morgen wieser trocken kriegen. \u263a<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem das bei der Ankunft und am Abend im Restaurant des Campingplatzes mit Blick auf den Flu\u00df so sch\u00f6n war, hab ich mich kurzfristig entschlossen noch eine Nacht dranzuh\u00e4ngen und morgen mal so richtig zu chillen. Auf den Flu\u00df gucken &hellip; <a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=614\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-614","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vinoguerracamino"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/614","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=614"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/614\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":622,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/614\/revisions\/622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=614"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}