{"id":600,"date":"2016-05-09T11:08:03","date_gmt":"2016-05-09T09:08:03","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=600"},"modified":"2016-05-09T11:10:10","modified_gmt":"2016-05-09T09:10:10","slug":"29-etappe-versoul-abbaye-acey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=600","title":{"rendered":"29. Etappe: Versoul &#8211; Abbaye Acey"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich mich ja bereits gestern um die entsprechenden Fahrkarten gek\u00fcmmert hatte, ging es heute nur noch darum zum richtigen Zeitpunkten am richtigen Bahnsteig bzw. Bussteig zu stehen. Da die franz\u00f6sische, genauso wie andere eher mediterran ausgerichtete, Bahnen darauf verzichten, den Bahnsteig auf ihren Fahrpl\u00e4nen anzudrucken, sondern ihn lieber kurz vorher auszurufen oder\/und mit Hilfe gro\u00dfformatiger Displays kundzutun, kann das schonmal zu hektischer Rennerei f\u00fchren. Deshalb war ich fr\u00fchzeitig am Platz, hatte also jede Menge Zeit, um genau dieses Interrail-Gef\u00fchl nochmal aufkommen zu lassen, das ich gestern bereits versp\u00fcrte. Es ist dieses Ungewisse im Planbaren, dieser Bammel vor dem kleinen Mi\u00dfgeschick, dieses Abenteuer im Standardisierten, was heute genauso aufregend ist, wie vor drei\u00dfig Jahren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGing dann aber alles ganz glatt und ich hatte Zeit mir das franz\u00f6sische Konzept der \u00f6fentlichen Personenbef\u00f6rderung mal durch den Kopf gehen zu lassen, weil es mir im Vergleich zum deutschen einige Vorteile zu bieten scheint. Zun\u00e4chst sind da n\u00e4mlich die gro\u00dfen Magistralen, die der TGV bedient, und nur der, auf eigenen Trassen. Das ist der erste gro\u00dfe Unterschied. Bei uns f\u00e4hrt ICE und Regionalbahn oft auf einer Spur. Daneben werden die Magistralen 2. Ordnung, manchmal 3. Ordnung ebenfalls per Bahn bedient und der Rest vom Fest mu\u00df, da es sich bei Frankreich um ein reichlich zentralisiertes Land handelt, halt \u00dcberlandbus fahren. Dadurch aber, da\u00df die Fahrpl\u00e4ne \u00fcber alle Ebenen ausgetaktet werden, meckert da wohl keiner und es passt ja. So Deppen wie ich, die quer \u00fcber Departement-Grenzen hinweg shutteln wollen oder m\u00fcssen und von einem Kaff 2. Ordnung in eins 4. Ordnung wollen, fallen halt durch den Rost und m\u00fcssen Zeit mitbringen. Aber die hab ich ja.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDann war ich endlich in Marnay und nach einem kleinen Sandwich mit Terrine de Jura und Tomate wieder auf Schusters Rappen Richtung Tagesziel unterwegs. Das war diesmal ein M\u00e4nnerkloster, genauer ein Trappistenkloster, die eine strengere Richtung der Zisterzienser verfolgen, also noch mehr Schweigen, mehr Arbeiten, mehr Beten und so. Genau meins. Das Kloster, die Abbey d Acey ist ein wirklich sehenswert schlichter Bau, der eben dadurch was Entr\u00fccktes ausstrahlt. Die Aufnahme war freundlich und um 19:15h p\u00fcnklich war Abendessen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nZu meinem Erstaunen fand ich mich nicht unter b\u00e4rtigen, feisten M\u00f6nchen, die den ganzen Tag gebraut (Trappistenbier), also gearbeitet hatten und sich nun ganz asketisch \u00fcber kalte Hopfentees und warme Biersuppe, irgendwas im Bierteig und einen Schweinebraten in Dunkelbiersauce gemacht h\u00e4tten. Ganz im Gegenteil sa\u00df ich mit der franz\u00f6sischen Ausgabe eines Pfarrgemeinderats und seines Umfelds bei der j\u00e4hrlichen Klausur zusammen. In diesen Gremien wird sicherlich viel gute Arbeit geleistet. Aber es gibt unter ihnen eine nicht unerhebliche Zahl schlimmer Pharis\u00e4er und die rieche ich mit ihrer \u00dcberheblichkeit und ihrer Scheinheiligkeit drei Meilen gegen den Wind. Pahh. Aber was solls? Ist ja n Schweigekloster. Prompt wurde zum Abendessen auch Musik angestellt, getragen Geistliches, damit keiner auch nur auf den Gedanken kommt zu quatschen. Sind sie nat\u00fcrlich doch. Und dieDorfheiligen haben sich benommen wie kleine Kinder und immer den Finger auf den Mund gelegt. Putzig.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas Essen war zwar anders als ertr\u00e4umt, aber mit einer Erbsensuppe vorneweg, einem Kartoffel-Lauch-Gratin mit Bl\u00e4tterteigtaschen, die mit nichts als Luft gef\u00fcllt waren, einer K\u00e4seplatte und als Dessert eingemachte Birnen mit Apfel-Rhabarberkompott mehr als in Ordnung. Das war richtig gut. Um Sozialkompetenzpunkte zu sammeln habe ich dann auch brav beim Abr\u00e4umen geholfen, aber schnell das Feld ger\u00e4umt. F\u00fcr jemand der sich Gedanken zu effizienter Arbeitsorganisation und den logistischen Prozesse dahinter macht, war das Wirken dieses Haufens nur zum Davonlaufen. Nun sitz ich im Klosterpark und schreibe. Die Sonne geht gerade unter und alle viertel Stunde bimmelt die Kirchenglocke und alle halbe Stunde rauscht der TGV in der Ferne. Alles flie\u00dft. Om&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich mich ja bereits gestern um die entsprechenden Fahrkarten gek\u00fcmmert hatte, ging es heute nur noch darum zum richtigen Zeitpunkten am richtigen Bahnsteig bzw. Bussteig zu stehen. 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