{"id":574,"date":"2016-04-29T14:11:14","date_gmt":"2016-04-29T12:11:14","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=574"},"modified":"2016-04-29T18:36:55","modified_gmt":"2016-04-29T16:36:55","slug":"22-etappe-gueswiller-thann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=574","title":{"rendered":"22. Etappe Gueswiller &#8211; Thann"},"content":{"rendered":"<p>Schweren Herzens ging es los. Ich habe mich in diesem Hotel mit seinem geschmackvollen Interieur, seiner aufger\u00e4umten Stimmung und den sch\u00f6n gro\u00dfen Zimmern echt wohl gef\u00fchlt. Und sowas kommt ja eher selten vor. Aber ich habe mich losgeeist, was bei den frostigen Temperaturen fast schon w\u00f6rtlich zu nehmen ist. Aus dem Ort raus ging es selbstverst\u00e4ndlich bergauf, und eine weitere Facette dieser Stadt mit ihrer leicht morbiden Grundt\u00f6nung kam zum Vorschein. Ich ging durch ein Quartier mit B\u00fcrgerh\u00e4usern im els\u00e4\u00dfischen Baustil, die f\u00fcr den Wohlstand dieses St\u00e4dtchen stehen oder gestanden haben, der unten im Tal so nicht zu sp\u00fcren war. Die H\u00e4user waren im Gegensatz zu unten im Tal auch alle gl\u00e4nzend in Schu\u00df. Franz Josef Degenhardt und seine Schmuddelkinder kamen mir in den Sinn und begleiteten mich als Melodie durch den Vormittag.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Dann ging es raus aus der Stadt und rein in den Wald. An der Stelle mal ein Wort zur Waldwirtschaft, von der ich ja keine Ahnung habe. Aber entweder ist das alles irgendein Renaturierungsprojekt oder die haben hier keine Ahnung wie Holz zu lagern ist. W\u00e4hrend in Deutschland ja noch jeder Laubhaufen mit Plastikplanen so abgedeckt wird, da\u00df er keine Regenn\u00e4sse abbekommt und von unten mit Langh\u00f6lzern von der Bodenfeuchte ferngehalten wird, ist das hier anscheinend schnurz und so sehen mehrj\u00e4hrig gelagerte Holzhaufen dann auch aus wie ein Insektenhotel. Geld kann damit aber keins mehr verdient werden. Daf\u00fcr ist es aber ordentlich auf L\u00e4nge geschnitten und gestapelt. Wenn jemand Arbeit investiert ohne Geld damit zu machen, ist das ja Hobby. Vielleicht geh\u00f6rt der franz\u00f6sische Wald auch diesen Timbersports-Leuten von Stihl? Isch wei\u00df es nischt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMit diesen und anderen nicht wirklich hochtrabenden \u00dcberlegungen w\u00fcrzte sich mein Weg. Ich habe dabei heute Sonne, Regen, leichtes Schneegest\u00f6ber, Graupelschauer und all sowas erlebt, aber immer nur f\u00fcr maximal 10 Minuten. Kalt war es allerdings durchg\u00e4ngig, was das Pausemachen in freier Wildbahn erschwert. Bleibt man n\u00e4mlich stehen und ist ob der k\u00f6rperlichen Anstrengung ein wenig verschwitzt, k\u00fchlt man ratzfatz aus. Also nur mal kurz stehen bleiben und ansonsten in Bewegung bleiben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDa ich nun nicht l\u00e4nger in Nord-S\u00fcd Richtung unterwegs bin, sondern nun eher von Ost nach West wandere, kommen auch andere Dinge in den Blick. Und was gestern noch im Nebel lag, war heute zu sehen. Die schweizerischen und franz\u00f6sischen Alpen tauchten schemenhaft auf. Gro\u00dfartig. Rechter Hand die hohen Gipfel der Vogesen an deren S\u00fcdhang ich entlang gehe und auf der anderen Seite die Alpen. Im R\u00fccken habe ich wohl den Schwarzwald, aber den seh ich nicht. Was ich allerdings sehe, ist diese Ebene zwischen den Bergen, die so wuselig, so aktiv zu sein scheint, w\u00e4hrend es hier eher beschaulich zugeht. Mir auch recht.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn dieser Stimmung komme ich in einen Ort namens Wattwiller, was f\u00fcr einen Westfalen ja echter Spa\u00df ist. Watt willer? Ja, datt willer. Und so weiter&#8230; Egal, der Ort hat Kindergarten und Grundschule &#8211; der Weg f\u00fchrt dort lang, deshalb habe ich es gesehen &#8211; und ne eigene Marie, \u00e4h Mairie, also mu\u00df es hier doch auch n Gasthaus geben. An der Kirche ist nichts, weshalb ich Richtung Hauptstra\u00dfe weiterziehe und siehe da. In der Ferne sehe ich eine verblassende Kronenbourg-Reklame und eile darauf zu. Der Laden hat offen und ein Menue de Jour f\u00fcr 10 Euro angeschlagen. Tja, wenn das so sein soll, soll das so sein. Ich bin da rein, hab auch einen Platz bekommen und ganz fachm\u00e4nnisch das Menue bestellt. Sehr zum Wohlwollen der Leiterin dieser Volksk\u00fcche im \u00fcbrigen, die wohl die Versorgung der Gemeindeverwaltung, des \u00f6rtlichen Bauhofs und des nicht verheirateten bzw. geschiedenen p\u00e4dagogischen Personals von Grundschule und Kindergarten organisiert und da braucht es keine Extraw\u00fcrste, was zwei Radtouristen (Franzosen, keine BaW\u00fcler. Ich war erstaunt.) geflissentlich ignorierten und a la carte bestellten. Kann man machen, mu\u00df man aber nicht und die beiden haben es auch zu sp\u00fcren bekommen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas Menue de Jour bestand aus drei G\u00e4ngen. Zun\u00e4chst wurde eine Art ensalada rusa, also was mit Erbsen, Bohnen, Eiern, alles M\u00f6gliche in einer fetten Mayo-Sauce, eingeschlagen in eine Scheibe gekochten Schinken serviert. Beim ersten Bissen schossen mir Tr\u00e4nen der R\u00fchrung in die Augen. Wer erinnert sich nicht an diese Schinkenr\u00f6llchen mit in Mayo ertr\u00e4nktem Spargel aus dem Glas? Das waren die Siebziger, ich noch sehr jung, die Welt noch in Ordnung und die Schinkenr\u00f6llchen von meiner Mama. Nach diesem Ausflug in meine fr\u00fche Jugend kam dan der Hauptgang bestehend aus Stubenk\u00fcken mit Gratin dauphinois, also Kartoffelauflauf. Das Stubenk\u00fcken ist ja leider in Deutschland recht selten auf der Speisekarte zu finden. Bei uns werden die eher geschreddert. Dabei hat die fleischliche Verwertung von ganz jungen H\u00fchnern eine lange Tradition. Fr\u00fcher kamen bei Beginn des Winters die K\u00fcken in die warme Stube und wurden in Schubladen gehalten, um sie im Warmen \u00fcber den Winter zu bringen. Das war nicht immer erfolgreich, so da\u00df die schw\u00e4cheren dann ins Ragout kamen oder eben am St\u00fcck zubereitet wurden. Warum das heute nicht mehr geht, etwa mit den m\u00e4nnlichen K\u00fcken, wei\u00df ich auch nicht. Aber es w\u00e4re ein Weg dieses zutiefst unmoralische Schreddern zu beenden. Gut. Tot ist das K\u00fcken hinterher in jedem Fall, aber ihm die Wertsch\u00e4tzung auf dem Teller entgegenzubringen ist doch was anderes, als irgendein Lebewesen als Abfall zu betrachten.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nZum Schlu\u00df gabs noch nen selbstgemachten Obstsalat und einen Kaffee. W\u00e4hrend des Essens hab ich ein kleines Bier getrunken, wie im \u00fcbrigen auch die meisten Anderen im Raum. In Deutschland w\u00e4re da wohl \u00fcberwiegend Mineralwasser oder die unvermeidliche Apfelsaftschorle bestellt worden. Und die Kollegen im Restaurant mu\u00dften ja auch wieder arbeiten, was sie aber eben nicht hinderte ein Bier oder einen petit blanc zum Essen zu bestellen. Da scheint es einen elementaren Unterschied in der Bewertung von Alkohol zu geben, was ich als Unterst\u00fctzer der Initiative &#8222;Rettet den Mittagswein&#8220; sehr bedaure. Aber das ist wohl nicht mehr zu \u00e4ndern.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNach der ausf\u00fchrlich geratenen Pause gings frisch gest\u00e4rkt weiter und es boten sich weitere Einblicke in die Landschaft. Irgendwann gings dann ins Tal der Thur entlang von Weinbergen in Steillagen nach Thann, dem heutigen Etappenort. Das ist ein schmuckes St\u00e4dtchen mit einer beeindruckenden Kirche und einer ausgepr\u00e4gten milit\u00e4rischen Erinnerungskultur, die mir so woanders noch nicht aufgefallen ist. Von der Resistance \u00fcber die allierten Befreier vom Faschismus bis hin zu den K\u00e4mpfern im Algerienkrieg finden alle Erw\u00e4hnung auf irgendeinem Denkmal. Das tut der Stadt aber keinen Abbruch. Ich selber habe mich aber fr\u00fchzeitig in die Unterkunft zur\u00fcckgezogen, weil ich m\u00fcde bin und nach dem guten Mittagessen heute nicht schon wieder Essen gehen wollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweren Herzens ging es los. 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