{"id":569,"date":"2016-04-28T20:57:34","date_gmt":"2016-04-28T18:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=569"},"modified":"2016-04-29T14:10:52","modified_gmt":"2016-04-29T12:10:52","slug":"20-etappe-turckheim-couvent-st-marc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=569","title":{"rendered":"20. Etappe: Turckheim &#8211; Couvent St. Marc"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin im Kloster. Zusammen mit dem Hausmeister allein unter Nonnen. Eine echt interessante Erfahrung, vor der mir &#8211; ehrlich gesagt &#8211; ein wenig Bange war. Aber da sich die Streckenf\u00fchrung langsam wieder von den touristischen Hotspots des Elsa\u00df entfernt und das Zusammenlegen von zwei Etappen eher ein Gewaltmarsch als irgendwas Vergn\u00fcgliches geworden w\u00e4re, habe ich Herberge bei den Schwestern von Hl. Josef zu St . Marc genommen. Naja, und irgendwie wollte ich das auch. Gucken wie das ist.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p> Und nun hock ich wieder in meiner Kammer. Das gemeinsame Abendessen ist rum und weil es hier kein Netz hat und es auch keinen Fernseher gibt, \u00fcbe ich mich in Stillarbeit. Eine Stille, die anders ist als die Ruhe, die ich auf der Wanderung h\u00f6re, weil ich auch dort auf die Ger\u00e4usche des Waldes, die singenden V\u00f6gel und das Kreischen der Fichtenmopeds h\u00f6re. Die Stille hier f\u00fchlt sich jetzt anders an, weil sie einen so zur\u00fcckwirft auf sich selbst. (Also gut, ich tippe jetzt gerade was, aber heute nachmittag und dann auch gleich wieder, ist das so.) Und f\u00fcr einen fb-heavy user gilt das noch vielmehr. Es gibt schlicht keine Ablenkung. Weil ich n\u00e4mlich heute nachmittag den Krimi, der noch ungelesen auf dem Tablet schlummerte, schonmal weiter gebracht habe. Und da ist nun nix ungelesenes mehr. Also werde ich wohl gleich sinnierenderweise auf meinem Bett liegen. Es ist gerade mal Viertel vor Acht und noch total hell.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nHeute morgen ist der Tag trocken und kalt gestartet und aus Turckheim heraus ging es recht schnell in den Wald, nicht ohne einen Blick auf die schneebedeckten Ballons des Vosges zu erheischen. Dieser Schnee stimmte mich ob des weiteren Wetterverlaufs am Tag nicht optimistisch, aber ich sollte falsch liegen. Es blieb trocken. Das ist ja nun auch schonmal was. Ansonsten gibt es wenig Landschaftliches zu berichten, weil ich \u00fcberwiegend im Wald unterwegs war und die Unterschiede zwischen einem Mischwald im Elsa\u00df und dem im Siegerland oder der Rh\u00f6n erschlie\u00dfen sich mir nicht.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nGegen Mittag tauchte dann die erste f\u00fcnfk\u00f6pfige Pilgertruppe vor mir auf. Beim N\u00e4herkommen bemerkte ich vier BaW\u00fcler, die mir schon seit zwei Tagen in den Unterk\u00fcnften aufgefallen waren und einen Jungspund, der mir heute morgen schon beim Loslaufen entgegengekommen war. Wie der die Kurve gekriegt hat? Keine Ahnung. Da die BaW\u00fcler mir in den vergangenen Tagen schon den Guten Tag nicht angeboten hatten, habe ich in dieser mitt\u00e4glichen Begegnung auch nicht den Beginn einer wunderbaren Pilgerfreundschaft gesehen. Also: Blinker gesetzt, ein kurzes Servus und \u00fcberholt. Mit einem kurzen Zwischensprint am Berg hatte ich auch\u00a0 gen\u00fcgend Abstand, um mich wieder zu entspannen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd dann stand ich vor der Klostermauer und klingelte. Wie von Geisterhand \u00f6ffnete sich ein Tor und ich trat ein. Das Tor schlo\u00df sich wieder hinter mir. Ich ging weiter und kam zu einer Art Empfang, wurde von dort weitergereicht zur Rezeption der Pilgerherberge. Dort wurde ich bereits erwartet und nach Erhalt des Zimmerschl\u00fcssels war ich dann auf mich gestellt. Das Zimmer hat WC und Waschbecken inside, aber mir war nach Duschen. Zack, und schon stellen sich Fragen der Schicklichkeit. Ziemt es sich im Frauenkloster in U-Hose zum Duschen zu gehen, was ja in der Jugendherberge kein Thema ist, oder gehts da nur in voller Montur auf den Flur? Da sind so Fragen die einen katholischen Ex-Messdiener schon eine Weile besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen. Da ich aber nicht nur katholisch, sondern auch f\u00fcr sex, drugs, rocknroll bin, habe ich mich f\u00fcr die Jugendherbergsvariante entschieden. Das war aber auch eh egal, weil ich auf dem Stockwerk allein war.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDann hab ich frischgeduscht meinen Krimi zu Ende gelesen und drauf gewartet, da\u00df 18:45h wird, weil hier um 18:00h Abendandacht ist und es erst dann was zu Essen gibt. Zur Andacht mu\u00df man als Gast nicht, hab ich auch nicht gemacht, aber zum Abendessen war ich \u00fcberp\u00fcnktlich. An dem einen Tisch sa\u00dfen die Nonnen, etwa 15 Frauen. Und am anderen Tisch sa\u00df dann das weltliche Bodenpersonal, der Hausmeister, eine Frau, die zur Rekonvaleszenz f\u00fcr drei Wochen im Konvent eingecheckt hat, und ich. Es gab ne Erbsencremesuppe vorneweg, eine Art von armen Rittern, die aber wie ein Cordon Bleu aus zwei d\u00fcnnen Brotscheiben mit K\u00e4se und Schinken dazwischen ausgebacken waren, mit Salat als Hauptgang und &#8211; das Highlight des Abends: eingemachte Pflaumen, wie die meine Mama gemacht hat. Super. Dazu stand Wasser und ne Flasche Bordeaux aufm Tisch. Wein stand \u00fcbrigens auch bei den Nonnen auf dem Tisch und das nicht nur zur Deko. Das waren \u00fcberwiegend junge Frauen, die da sa\u00dfen und in ihrer Tracht, inkl. Kopftuch, wirkten die alle sehr sch\u00f6n. Das hatte jetzt weniger mit den Klamotten als mit dem Strahlen in deren Augen zu tun, was ich immer nur bei Leuten beobachte, die so restlos von der Idee \u00fcberzeugt sind, f\u00fcr die sie arbeiten. Und ich finde das immer wieder wirklich sch\u00f6n, weil mir im Alltag viel zu oft, Menschen mit m\u00fcden Augen und ausgebrannten Blicken begegnen. Das sollten wir nicht zulassen, da\u00df die operative Arbeit die Schau auf die gro\u00dfen Ideen dahinter verstellt, und wir sollten diese Ideen auch angemessen feiern. Oder Orte schaffen, an denen wir uns ihrer versichern k\u00f6nnen. Da ist so ein Kloster schon ein gutes Beispiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin im Kloster. Zusammen mit dem Hausmeister allein unter Nonnen. Eine echt interessante Erfahrung, vor der mir &#8211; ehrlich gesagt &#8211; ein wenig Bange war. 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