{"id":556,"date":"2016-04-25T09:38:09","date_gmt":"2016-04-25T07:38:09","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=556"},"modified":"2016-04-25T09:38:09","modified_gmt":"2016-04-25T07:38:09","slug":"18-etappe-barr-ribeauville","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=556","title":{"rendered":"18. Etappe: Barr &#8211; Ribeauville"},"content":{"rendered":"<p>Es regnet mal wieder, was die Reiseplanung dahingehend optimiert, da\u00df ich bis Dambach la Ville shutteln werde und dabei mal die franz\u00f6sische Bahn ausprobiere und von Dambach aus nach Ribeauville laufe. Sechs Stunden durch den Regen d\u00fcrften f\u00fcr ein Flei\u00dfk\u00e4rtchen auch reichen. Also ran an den Gare und den Fahrkartenautomaten. Wof\u00fcr in Deutschland menschliche Helferlein n\u00f6tig werden, ergibt sich das hier doch reichlich intuitiv, auch f\u00fcr einen eher sprachunkundigen Zeitgenossen wie mich. Die erste H\u00fcrde ist also mit Bravour genommen und der passende Zug l\u00e4uft ein. P\u00fcnktlich. \u00dcberraschenderweise gibt es in diesem Zug, wahrscheinlich kein Einzelfall, auch ausreichend dimensionierte Gep\u00e4ckablagen, wie sie die Deutsche Bahn fr\u00fcher auch kannte. Die hat sie aber dem Zeitgeist geopfert, der anscheinend nur mit Zahnb\u00fcrste und schwarzer American Express reist. Letzter Aspekt der Lobhuddelei auf die franz\u00f6sische Staatsbahn, wenn ich nicht irre, ist die Informationspolitik w\u00e4hrend der Fahrt, die recht eindeutig war und den n\u00e4chsten Halt fr\u00fchzeitig ank\u00fcndigte. So was freut mich immer irre, erspart es einem doch dieses v\u00f6llig uncoole, aber todsichere Aufstehen f\u00fcnf Minuten vor der avisierten Haltezeit.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn Dambach gings dann durchs St\u00e4dtchen auf die Strecke, die munter durch die Weinberge f\u00fchrte und bei Sonnenschein bestimmt ein Herzens\u00f6ffner gewesen w\u00e4re. War aber nix mit Sonnenschein, sondern es pl\u00e4tscherte mal, mal nieselte es und die Berge waren wolken- oder nebelverhangen, von Weitblick \u00fcber die Rheinebene gar nicht zu reden. Darum gings dann auch nicht mehr, sondern es sollte Strecke gemacht werden. Trotzdem hab ich nat\u00fcrlich links und rechts geguckt, das ein oder andere Sch\u00f6ne, auch im Regen, gesehen und es legte sich ein Hauch von Melancholie \u00fcber diese Wanderung durch die Weinberge. Melancholie ist nun weder mit Sentimentalit\u00e4t noch mit Traurigkeit zu verwechseln, ist sie doch weder r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt, noch hoffnungslos. Sie zelebriert vielmehr die aktuell beklagenswerten \u00e4u\u00dferen Zust\u00e4nde und verweist auf eine bessere Zukunft. Was w\u00e4re dazu besser geeignet als ein verregneter Weinberg im Fr\u00fchjahr, wenn nur das Wissen um die s\u00fc\u00dfe Frucht des Herbstes, den aktuellen Zustand des Weingartens, zurechtgeschnittene kahle Weinst\u00f6cke mit ganz kleinen Austrieben und wenig Zwischenbesatz, vergessen l\u00e4sst. Das im Herbst dann das Wetter wieder bescheidener wird, w\u00e4hrend der junge Wein im Glas funkelt, ist der ewige Kreislauf in den m\u00f6glichen Stimmungslagen des Weinenthusiasten. Gott sei Dank gibt es ja mehr als Wein von dem Stimmungslagen abh\u00e4ngig sein k\u00f6nnen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs gibt auch mehr als einfach durch den Regen latschen. Beim Durchmarsch in Chatenois sah ich drei M\u00e4nner, gstandene Mannsbilder im besten Alter, in einem Salon de The verschwinden. Nicht lang \u00fcberlegt, ich hinterher.<br \/>\nUnd ich wurde nicht entt\u00e4uscht. Ein paar Tische, eine Kuchentheke, ne kleine Karte und diese ganz besondere Spezies weiblicher Pers\u00f6nlichkeiten, die ihr Leben der Gastronomie &#8211; halb zog es sie, halb sank sie hin &#8211; gewidmet haben und in der Lage sind, so einen Laden eben auch alleine zu schmei\u00dfen. Der Anstandscafe war schnell getrunken, die Sachen zum Trocknen ausgebreitet und dann in aller Ruhe ein Bierchen gegen den Regen. Sch\u00f6n wars. Nur geholfen hat es nichts.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAlso wieder raus aus der guten Stube und weiter. Im Regen. Durch die Weinberge. Und durch den Wald, was eine nette Abwechslung darstellte, weil die Regentropfen da seltener, daf\u00fcr aber dicker sind, als bei diesem Geniesel auf freiem Feld. Man freut sich an so Tagen auch an kleinen Dingen und endlich war ich dann in Ribeauville, dem Tagesziel. Das ist eines der gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dtchen an der els\u00e4\u00dfischen Weinstra\u00dfe und einerseits wirklich pittoresk, aber deshalb eben auch voll mit Tagestouristen, Cafes und Souvenirl\u00e4den, was andererseits nervig sein kann, wenn einen das \u00fcberrascht. Da ich ohne Reisef\u00fchrer, sondern nur mit Wanderf\u00fchrer und Streckenplan unterwegs bin, war ich \u00fcberrascht, fands aber dann doch nicht so schlimm, weil es ja regnete und die Zahl der Ausfl\u00fcgler sich doch in Grenzen hielt. So hat alles sein Gutes.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnd das Beste kam noch. Ich bin ja nun schon ein paar Tage in Frankreich unterwegs, aber heute abend das erste Mal tats\u00e4chlich unter Franzosen im franz\u00f6sischen Restaurant. Da gibt es feine Unterschiede zwischen franz\u00f6sisch Essen gehen (was im \u00fcbrigen etwa auch in M\u00fcnchen ganz hervorragend geht), in Frankreich essen gehen (hab ich die letzten Tage bis hin zu Kebap\/Frites schon getan) und eben ins franz\u00f6sische Restaurant gehen. Was mir dort gut gef\u00e4llt, ob Crogstyp oder Gro\u00df- bzw. Kleinfamilie, turtelndes Studentenp\u00e4rchen oder wer auch immer. Alle werden mit der gleichen Aufmerksamkeit\/Unaufmerksamkeit behandelt. Und alle lassen sich nicht lumpen und sind da. Nicht nur zum Essen, sondern um zusammen zu sein. Es gibt eine gewisse Aufruhr, bis (bei der Gro\u00dffamilie) alle ihren Platz haben, aber anders als im Schw\u00e4bischen wird dem Service die Hoheit \u00fcbers Mobiliar gelassen. Und dann ist Reden angesagt, bis das Essen kommt. Sch\u00f6n fand ich, da\u00df die Kinderteller immer zuerst serviert wurden, damit die schonmal Ruhe geben. Und dann herrscht heiter gelassenes Schweigen und ich denke, es wird \u00fcbers Essen geredet. Dem Essen wird Wert geschenkt und die Messer-Gabel-Kompetenz (also das Handwerkszeug, wie mit diesen kulturellen Errungenschaften umzugehen ist) scheint mir ausgepr\u00e4gter zu sein, als in Deutschland. Warum mu\u00df im 21. Jahrhundert jemand die Gabel so halten, wie Catweatzle seinen L\u00f6ffel, der ja noch nichtmal ein Messer zur Hilfe nahm? Diese Frage scheint zumindest in Frankreich anders aufgel\u00f6st zu sein, denn diese Kompetenz scheint hier schon bei den Kleinen ausgepr\u00e4gter zu sein als auf der anderen Seite des Rheins.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSo. Nun bin ich m\u00fcde, hab n\u00e4mlich in Vorbereitung auf die quasi winterlichen Temperaturen morgen mal ne Portion Baeckeoffe gegessen und statt Dessert vom Gew\u00fcrztraminer genascht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es regnet mal wieder, was die Reiseplanung dahingehend optimiert, da\u00df ich bis Dambach la Ville shutteln werde und dabei mal die franz\u00f6sische Bahn ausprobiere und von Dambach aus nach Ribeauville laufe. 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