{"id":1128,"date":"2026-04-08T10:29:05","date_gmt":"2026-04-08T08:29:05","guid":{"rendered":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1128"},"modified":"2026-04-08T10:35:07","modified_gmt":"2026-04-08T08:35:07","slug":"rot-und-weiss-ein-leben-lang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1128","title":{"rendered":"Rot und wei\u00df &#8211; ein Leben lang!"},"content":{"rendered":"\n<p>Das man nach einer durchsoffenen Nacht beim Fr\u00fchst\u00fccksbuffett am Tag danach was anderes tun sollte, als Prosecco aus Eimern zu trinken, ist heute Allgemeingut. Aber wir schreiben irgendein Jahr Anfang der 90er in Siegen, einer Stadt in der der Punk mit einigen Jahren Versp\u00e4tung, aber mit voller Wucht eingeschlagen hatte und nun in den letzten Wehen lag. Und just an diesem Sonntagmorgen entsprang es nicht viel mehr als einer Sektlaune sich in einen altersschwachen Mercedes zu schleppen und mit Schmitti und Eberhard nach Hagen \u2013 Haspe aufzubrechen. Die rund 80km haben gerade ausgereicht, um den Alkoholpegel nicht so f\u00fcrchterlich tief sinken zu lassen und dann waren wir da.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Siegener auf Ausw\u00e4rtsfahrt im gegnerischen Rund! Und irgendwo da muss es passiert sein, da hat es mich gepackt; dieses Gef\u00fchl genau dahin zu geh\u00f6ren, zu dem Verein, zu den Sportfreunden aus Siegen. Es war \u00fcberw\u00e4ltigend und von dem eigentlichen Spiel ist nix h\u00e4ngen geblieben, au\u00dfer der Demo von den Krankenschwestern, die in der Halbzeit gegen die Schlie\u00dfung des Stadtteilkrankenhauses demonstrierten. Unter dem Beifall aller Zuschauer \u00fcbrigens.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Jahren haben die Sportfreunde dann einen gro\u00dfen Teil von Zeit und Geld verschlungen, aber es war ein Quasi-Durchmarsch von der Verbands- bis in die zweite Liga. Immer mit Zuschauerzahlen im vierstelligen Bereich und immer Gegengerade. Und immer im Clinch mit Trainer oder Verein, die unter der Fuchtel eines allm\u00e4chtigen M\u00e4zen standen und stehen. Das ist im \u00dcbrigen eine der charmanten Seiten an dem Verein, dass er mitten in Pietnam \u2013 die Gegend aus der ich komme, ist durch und durch mit Pietisten und anderem freievangelischem Pack verseucht \u2013 einen gewissen Hang zu Hedonismus und Laissez-faire zeigt und lebt. Das ist nun leider aber auch die Ursache f\u00fcr den fatalen Absturz inkl. Insolvenz und Abstieg in die NRW-Liga gewesen, die ich Gott sei dank nur aus der Ferne miterleiden musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist es, das dich an einen Verein fesselt? Die meisten mit denen ich \u00fcber so was je gesprochen haben, sind auch der Meinung, dass es ein einziges Erlebnis &#8211; von Offenbarung zu reden, w\u00e4re zu viel, aber viel weniger ist es nicht \u2013 ist und sie dann drauf h\u00e4ngen bleiben. Dein Verein findet dich&#8230;.. Und dann sind es die Farben, das Stadion und die Fans an denen du h\u00e4ngst. All die Momente, die dir keiner mehr nehmen kann. Aufstiege, sensationelle Siege, Tore in der Nachspielzeit und Ausw\u00e4rtsfahrten genauso wie \u00fcbrigens unverdiente Niederlagen und trotz allem schicksalshafte Abstiege&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sportfreunde tragen Rot und Wei\u00df \u2013 Rot f\u00fcr die Leidenschaft und das Wei\u00dfe \u2013 ja wof\u00fcr steht das eigentlich? F\u00fcr Unschuld und Jungfr\u00e4ulichkeit sicherlich nicht. Vielleicht f\u00fcr Fairness, was aber auch nicht durchg\u00e4ngig stimmt&#8230;.. na ja, das mit den Farben war ja nun mal n erster Anhaltspunkt, nachdem es mich nach Unterfranken verschlagen hat und so f\u00fcrchterlich viele Vereine gibts nicht, die ein n\u00e4heres Anschauen lohnen. Vereine gegen die man Punktspiele absolviert hat, scheiden per se aus. Vereine ohne Fans auch. Man hat ja Grunds\u00e4tze&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und so begab es sich an einem sehr einsamen Abend in einer sehr einsamen Kemenade, das sich ein f\u00fcrchterlich einsamer Mensch in den Tiefen des Internet verlor und in diversen unterfr\u00e4nkischen Fu\u00dfballforen umsah und mitlas, sich das Schicksal der Vereine ergoogelte und wieder mitlas und dann fiel das silvanergetr\u00e4nkte Auge auf den Beitrag eines Sportfreundefan, den es ebenfalls nach Unterfranken verschlagen hatte. Ja, dann, dann ist das wohl so&#8230;. Rot und Wei\u00df ein Leben lang, ist doch egal wie der Verein hei\u00dft, oder was? Da kann einem auf jeden Fall viel M\u00fcll durch den Kopf gehen bis es dann soweit ist&#8230;. Erstes Heimspiel am Dalle.<\/p>\n\n\n\n<p>N Vorstellungsgespr\u00e4ch ist wahrscheinlich n Dreck dagegen. Aber wenn du da bist, bist du da. Es gibt wenige Stadien in der Republik, die ein solches Kleinod sind. Es gibt wohl wenige Szenen in der Republik, die soviel Gr\u00f6\u00dfe zu Selbstironie zeigen und es gibt sicherlich nicht so sonderlich viele Vereine, die \u2013 wie schrieb ich eben &#8211; \u201eHedonismus und Laissez-faire\u201c ausstrahlen, dass man sich als Siegener sofort zu Hause f\u00fchlt. Es gibt sicherlich viele Parallelen zwischen den Sportfreunden und den Kickers, die weit \u00fcber die Farben und die Vereinsgeschichte j\u00fcngerer Zeit \u2013also die letzten vierzig Jahre. H\u00fcstel \u2013 hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man bleibt halt immer beim selben Typ Verein h\u00e4ngen. Das sagt mehr \u00fcber einen selber, als \u00fcber den Verein. Warum es diesen fatalen Hang zur Katastrophe, zum absehbaren Scheitern und zu d\u00e4mlichen Fehlern gibt? Keine Ahnung. Spa\u00df machts jedenfalls nicht auf den ersten Blick und trotzdem hat das was. Ich bin auf jeden Fall gerne dabei&#8230;Was ich allerdings nicht noch mal brauch, ist mit knapp 15 Leuten den Abschied aus der Bayernliga auf einem trostlosen Platz in Bruck erleben&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Rot und wei\u00df &#8211; ein Leben lang!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das man nach einer durchsoffenen Nacht beim Fr\u00fchst\u00fccksbuffett am Tag danach was anderes tun sollte, als Prosecco aus Eimern zu trinken, ist heute Allgemeingut. 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