{"id":1093,"date":"2025-02-05T17:06:25","date_gmt":"2025-02-05T15:06:25","guid":{"rendered":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1093"},"modified":"2025-02-06T09:48:53","modified_gmt":"2025-02-06T07:48:53","slug":"die-soziale-frage-in-der-transformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1093","title":{"rendered":"Die soziale Frage in der Transformation"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick erscheint der Titel ein wenig anachronistisch. W\u00e4hrend die soziale Frage f\u00fcr die Meisten eher mit dem Geschichtsunterricht zur Industrialisierung verbunden wird, ist der Begriff der Transformation erst in den letzten Jahren wirklich in Mode gekommen und wird derzeit reichlich strapaziert. Dabei ist die Kategorie so neu nicht. Bereits 1944 hat Karl Polany mit seinem Werk \u201eThe great Transformation\u201c die vielschichtigen Prozesse beschrieben, die eine Transformation ausmachen und die eben nicht gradlinig und zielstrebig verl\u00e4uft, sondern sich aus vielen Einzelschritten (hinter denen einzelne Interessen stecken) und auch Irrwegen ergibt. Und dabei hat er auch die Prozesse analysiert, die die Industrialisierung und die Bildung der Nationalstaaten in Europa bef\u00f6rdert haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also nur folgerichtig sich auch 2025 mit der sozialen Frage in der Transformation zu besch\u00e4ftigen, zeigen sich doch bei Arbeit, Boden und Kapital gravierende Ver\u00e4nderungen ab:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Arbeit ver\u00e4ndert sich durch Digitalisierung und Automatisierung so<br>grundlegend wie w\u00e4hrend des Wandels von der Feld- zur Industriearbeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Boden, als Synonym f\u00fcr Rohstoffe und die nat\u00fcrliche Umwelt, wird so knapp und prek\u00e4r wie noch nie. Klimawandel und Rohstoffknappheit werden zentrale \u00f6konomische Faktoren.<\/li>\n\n\n\n<li>Kapital ist bereits digitalisiert und tr\u00e4gt etwa als Kryptow\u00e4hrung zum Bedeutungs-verlust der Nationalstaaten bei, weil ein Kennzeichen der Staatlichkeit nun einmal<br>das M\u00fcnzrecht ist und wo das privatisiert wird, verliert Staat eine seiner Grundfesten.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Dieser Beitrag will dabei versuchen, diese Entwicklungen vor dem Hintergrund aktueller Sozialstrukturen zu skizzieren. Diese Strukturen \u00fcberlagern sich z.T., weil sie dieselbe Gesellschaft unter verschiedenen sozio\u00f6konomischen Gesichtswinkeln darstellen. Aber um die politischen Dimensionen der aktuellen Transformationsprozesse zu erfassen, m\u00fcssen sie zusammen gedacht werden. Auch das ergibt sich aus der Beobachtung, dass die soziale Neuformierung der Gesellschaft im Zuge von Industrialisierung und Urbanisierung auch die politische Landschaft grundlegend ver\u00e4ndert hat, etwa durch das Entstehen der Arbeiterbewegung einerseits und der Emanzipation des B\u00fcrgertums andererseits. <br>Dieser Beitrag stellt auch dar, wie die Neuformierung des politischen Raums aktuell beschrieben werden kann. \u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sozialstruktur und Transformation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sozialstrukturanalysen sind zumeist monokausal auf Einkommen und Verm\u00f6gen, sowie Bildung\/Beruf und damit verbundenem Status ausgerichtet. So entstehen mehr oder weniger pyramidal ausgerichtete Modelle, die eine kleine Spitze, so genannte Eliten, und einen breiten Boden, die so genannte Unterschicht, und dazwischen, in allen m\u00f6glichen Auspr\u00e4gungen, so genannte Mittelschichten aller Art, darstellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/sozialstruktur-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"453\" src=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/sozialstruktur-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1101\" srcset=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/sozialstruktur-1.jpg 605w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/sozialstruktur-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/sozialstruktur-1-401x300.jpg 401w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Hinsichtlich der Wirkm\u00e4chtigkeit auf die und Betroffenheit von der Transformation unterscheiden sich die unterschiedlichen \u201eEtagen\u201c der Sozialstrukturmodelle, hier beispielhaft das gei\u00dflersche Modell, doch ganz erheblich. So ist der CO2-Verbrauch der einkommensstarken Eliten und oberen Mittelschichten um ein Vielfaches h\u00f6her als der <br>CO2-Footprint von Unterschicht und unteren Mittelschichten, w\u00e4hrend die Risiken von Arbeitslosigkeit und Armut, die durch die \u00f6konomischen Verwerfungen in der Transformation zunehmen, wohl eher die Unterschicht und unteren\/mittleren Mittelschichten treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben unterscheidet sich das gesellschaftliche Oben und Unten auch hinsichtlich des Einflusses auf Politik und Gesellschaft, und das durchaus wenig altruistisch, sondern im Interesse von Schicht und Klasse! Das verhindert auch bislang, dass die unterschiedlich hohen Verantwortlichkeiten f\u00fcr Umweltverschmutzung und nachhaltiges Wirtschaften sich<br>in entsprechenden Steuern und Abgaben oder ordnungs-, verkehrs- und sozialpolitischen Ma\u00dfnahmen niederschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Volkswirtschaft gilt das \u00fcbrigens auch international. Da hat Deutschland als eines der reichsten L\u00e4nder dieser Erde schlicht eine deutlich h\u00f6here Verantwortung als die L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens, die aber am ehesten etwa unter dem Klimawandel zu leiden haben. Das sollte nicht nur Anlass sein, dort in der Transformation zu helfen, sondern gerade auch in Deutschland die Transformation hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften zu beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Transformationen in Deutschland aktuell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie zeigt sich nun die Transformation derzeit in Deutschland?<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem \u00fcber lange Jahre eine starke Exportorientierung mit billiger Energie und g\u00fcnstigen Rohstoffpreisen f\u00fcr stetes Wachstum und ein gewisses Verteilungsvolumen gesorgt hat, zeigten sich erstmals in der Krise 2008\/2009 und dann etwa ab 2018\/19 Risse im Gesch\u00e4ftsmodell, die durch Corona und den russischen Angriff auf die Ukraine nur kaschiert wurden. Diese Risse sind in den letzten Monaten aber immer deutlicher geworden, denn das Wachstum ist ausgeblieben und der Lack br\u00f6ckelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Produktion sinkt, weil sich die starke Exportorientierung nun r\u00e4cht. Der Aufbau resilienter Lieferketten f\u00fchrt nun zu einer local-for-local-Produktion in den Zielm\u00e4rkten, was den Unternehmen weniger schadet als Arbeit und Besch\u00e4ftigung in Deutschland. Arbeit und Besch\u00e4ftigung stehen des Weiteren durch eine fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung unter Druck, die zunehmend auch komplexe, aber standardisierbare T\u00e4tigkeiten erfasst. Hinzu kommt in vielen Branchen, insbesondere der Automobilindustrie der Wandel von mechanischen zu elektrischen bzw. elektronischen Konstruktionselementen,<br>womit in der Regel auch die Anzahl ben\u00f6tigter Komponenten, ergo menschlicher Arbeit, sinkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kompensation des Verlusts industrieller Arbeitspl\u00e4tze durch eine St\u00e4rkung des Dienstleistungssektors, insbesondere der CARE-Berufe, will nicht so recht gelingen, was vielerlei Gr\u00fcnde hat. Im Vordergrund steht die immer noch deutlich schlechtere Bezahlung in diesen Bereichen, woran auch die Systemrelevanz dieser Berufe, die in der Pandemie ja allerorten bem\u00fcht wurde, nichts ge\u00e4ndert hat. Ein weiterer Grund ist sicherlich auch der m\u00e4nnlich konnotierte Blick auf Arbeit, der dem Einzelnen den Schritt vom Flie\u00dfband an das Krankenbett schwer macht. Schlussendlich geht es aber auch darum, dass nur wenige Arbeitgeber wie Konsumenten bereit sind, Dienstleistung angemessen und sozialversicherungspflichtig zu entlohnen, wie etwa die Lage bei den haushaltsnahen Dienstleistungen deutlich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur Situation im Dienstleistungssektor steht dem Bedeutungsverlust industrieller Arbeit im Bereich des Handwerks durchaus Kompensationspotential entgegen, da die Herausforderungen einer nachhaltigen Zukunft, wie etwa in der Energie- und Mobilit\u00e4tswende einen hohen Bedarf an handwerklich ausgebildeten Arbeitskr\u00e4ften von der Installateurin bis hin zum Fahrradmechaniker ausweist. Hier bleibt allerdings zu beobachten, wie sich Attraktivit\u00e4t dieser Berufsfelder weiterentwickelt, da sich die Mehrzahl der Schulabg\u00e4nger*innen ja f\u00fcr Bildungs- und Ausbildungswege entscheidet, die eher Richtung Hochschule f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend verliert also industrielle Arbeit an Bedeutung, die derzeit weder in den Dienstleistungsbereichen noch im Handwerk aus genannten Gr\u00fcnden kompensiert werden kann. Diese Situation wird sich im \u00dcbrigen nicht \u00fcber Repression gegen einzelne Arbeitnehmer*innen \u00e4ndern lassen, sondern nur mit einer gemeinsamen gesellschaftlichen Anstrengung in Bildungs-, Sozial- und Tarifpolitik!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Transformation in Zahlen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die aufgef\u00fchrten Transformationsaspekte und der damit verbunden Verlust industrieller Arbeitspl\u00e4tze soll an dieser Stelle konkretisiert werden, wobei es konkret um die Automobilbranche geht. Es wird wo von folgenden Annahmen ausgegangen<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8cf370e7 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Produktivit\u00e4tssteigerung durch Digitalisierung\/Automatisierung von j\u00e4hrlich 5% ausgegangen wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Exportanteil von 70% der Gesamtproduktion, der sich j\u00e4hrlich um 4% verringert<\/li>\n\n\n\n<li>Inlandsproduktion, die etwa durch Aspekte der Verkehrswende oder eine verfehlte Infrastrukturpolitik um j\u00e4hrlich 2% zur\u00fcckgeht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Annahmen, die durchaus plausibel sind, f\u00fchren im Ergebnis dazu, dass davon auszugehen ist, dass die Automobilindustrie in Deutschland von 2030 nur noch 2\/3 der Arbeitspl\u00e4tze von 2018, also vor Beginn der Krisen, ausweisen kann! Im Jahr 2018 hatte die deutsche Automobilindustrie 834.000 Besch\u00e4ftigte, was dann bis 2030 den Verlust von 311.000 Arbeitspl\u00e4tzen bedeuten w\u00fcrde, wobei das nur die direkt in der Branche Besch\u00e4ftigten sind. Da an jedem industriellen Arbeitsplatz etwa 3,5 andere Arbeitspl\u00e4tze von B\u00e4ckerin bis Altenpfleger h\u00e4ngen, ist das Ausma\u00df allein dieser Transformation in seiner Auswirkung auf die Volkswirtschaft kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Allerdings findet die gesellschaftliche Debatte, au\u00dfer in einigen marginalisierten, aber hochkompetenten Kreisen, hinsichtlich einer geplanten Konversion von Arbeit und Arbeitspl\u00e4tzen in Dienstleistung, Handwerk und Gewerbe oder in neue Industrien schlicht nicht statt! Aber nur auf Grundlage einer solchen breit gef\u00fchrten Debatte, kann eine Transformation by design, not by desaster gelingen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die soziale Frage aktuell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem vorstehend die sozialstrukturellen Ver\u00e4nderungen in der Transformation dargestellt wurden, soll die soziale Frage nun eher in ihrer politischen Dimension, also als Ausgangspunkt f\u00fcr das Entstehen neuer politischer Formationen oder der Erneuerung bestehender Zusammenh\u00e4nge beschrieben werden. F\u00fcr diesen Perspektivwechsel sollen zun\u00e4chst einige Aspekte mit politischer Wirkm\u00e4chtigkeit vorgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Menschen machen sich zunehmend Sorge um Arbeitsplatzverlust und Armut. Diese \u00c4ngste treffen zunehmend auch Arbeitnehmer*innen mit Hochschulabschluss, die bislang als eher gut gesch\u00fctzt vor Arbeitsplatzverlust, wenn auch nicht vor prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung und Armut, gegolten haben.<\/li>\n\n\n\n<li>Prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung ist aber auch nach der Pandemie Strukturmerkmal der CARE-Berufe insbesondere und der Dienstleistungsbranche im Allgemeinen. Das meint hier niedrige L\u00f6hne und unsichere Arbeitspl\u00e4tze.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Schere zwischen Einkommen aus Verm\u00f6gen und Arbeit driftet immer weiter auseinander und das Aufstiegsversprechen durch Lohnarbeit wird immer seltener eingel\u00f6st.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Optionen auf einen h\u00f6heren Bildungsabschluss sind nach wie vor hochgradig ungerecht verteilt, so dass von 100 Arbeiter*innenkindern nur Eines den Doktortitel erlangt, aber aus Akademiker*innenhaushalten zehn Kinder promovieren. Aus 100 Arbeitnehmer*innenhaushalten erlangen acht Kinder einen Mastertitel und aus 100 Akademikerfamilien kommen sage und schreibe 45 Masteranten!<\/li>\n\n\n\n<li>Insgesamt ist ein roll back sozialen Ausgleichs wahrzunehmen und die Zahl realer, wie gef\u00fchlter Exklusion, Diskriminierung und Benachteiligung nimmt zu. Das h\u00e4ngt einerseits mit der Zunahme rechter Einstellungsmuster und andererseits mit dem Abbau und Diskreditierung sozialstaatlicher Leistungen zusammen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Die Wirkm\u00e4chtigkeit dieser Faktoren h\u00e4ngen mit ihrer individuellen Wahrnehmung einerseits und der individuellen Betroffenheit andererseits zusammen, die beide nichts mit der objektiven Positionierung in der Sozialstruktur zu tun haben m\u00fcssen: Vielmehr handelt es sich um h\u00f6chst subjektive Selbsteinsch\u00e4tzungen, die wiederum nat\u00fcrlich wiederum reziprok mit gesellschaftlichen Rollenbildern verbunden sind. Spannend ist nun die Frage, wie sich diese individuellen und subjektiven Positionierungen politisch organisieren oder zumindest so clustern lassen, dass Ans\u00e4tze f\u00fcr Politik, als Arbeit an gesellschaftlicher Entwicklung sichtbar werden. Dieser Frage geht der n\u00e4chste Abschnitt nach.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die soziale Frage als politische Frage und Klassenverh\u00e4ltnissen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die soziale Frage stellt sich also aktuell sowohl hinsichtlich objektiver Ver\u00e4nderungen und Herausforderungen als auch in Bezug auf deren individuellen Wahrnehmung und subjektiven Betroffenheit, was durchaus stark voneinander abgekoppelt sein kann, so dar, dass sich die milieuspezifischen Einstellungen durch alle sozialen Schichten ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund steht die klassische Darstellung der allseits bekannten Sinus-Milieus, die die Milieus ja in einer Schichtstruktur verortet, irgendwie zur Disposition. Es stellt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen vereinfacht dann so dar:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1099\" srcset=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1-500x281.jpg 500w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/gestreckte-Sinusmilieus-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Und so erkl\u00e4rt sich auch, warum Klimapolitik nicht als gesamtgesellschaftliche Frage, sondern als Privatvergn\u00fcgen moderner Mittelschichten, also der Schichten auf der rechten Seite des Modells, etikettiert wird und von Facharbeitern bis hin zu kleinst\u00e4dtischen Honoratioren allesamt und gemeinsam um ihren Status f\u00fcrchten, wenn KI und Roboter das Leben einfacher machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die soziale Frage in der Transformation, wird \u00fcberlagert von einem Kulturkampf zwischen traditionellen Milieus einerseits und Modernisierer*innen andererseits. Dem ist politisch Rechnung zu tragen, wenn die Transformation sozial gerecht gestaltet werden soll. Hier sind auch neue B\u00fcndnisse zu schmieden, die quer zu Klassen und Schichten liegen k\u00f6nnen. Das zeigt sich gut an vereinzelten Beispielen, wie etwa bei Bosch in M\u00fcnchen-Laim, wo Fridays for Future Betriebsr\u00e4te im Kampf gegen Verlagerungspl\u00e4ne unterst\u00fctzt hat, indem gemeinsam an Konversionsideen gearbeitet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt erscheint es ratsam die sachlich-fachlichen Themen der Transformation kulturell zu \u00fcberformen und in ein positives Narrativ zu integrieren, das m\u00f6glichst viele Milieus anspricht, aber eben auch die soziale Frage als sozialstrukturelle Frage stellt. Das ist zurzeit leider so gut wie nirgends in Sicht. W\u00e4hrend die Einen identit\u00e4tspolitisch das Individuum v\u00f6llig in den Vordergrund stellen, sind die Anderen so paternalistisch wie in den 70ern unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hilft aber beides nicht. Deshalb scheinen die Rechtspopulisten und -extremen mit ihrem Narrativ vom \u201eFr\u00fcher war alles besser\u201c auch einfach durchzumarschieren. Das ist allerdings&nbsp; fatal, weil in der Transformation, die mit Klimawandel und Ressourcenknappheit umgehen will, die Leugnung dieser zentralen physikalischen Faktoren, die Ver\u00e4nderungen erzwingen, Stillstand bedeutet!<\/p>\n\n\n\n<p>So wird den fortschrittlichen Kr\u00e4ften im Land nichts anderes \u00fcbrigbleiben, als sich an vielen Stellen neu zu erfinden und das wahrscheinlich jenseits eines Parteiengeflechts aus dem letzten Jahrtausend und Zuschreibungen von Oben und Unten, die mit der Gef\u00fchlslage der Menschen nicht mehr viel zu tun hat. Das wird m\u00fchselig und sicherlich schmerzhaft!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich also sagen, dass die soziale Frage hinsichtlich ihrer zwei Dimensionen, der sozialstrukturellen, wie der politischen, nichts von ihrer Aktualit\u00e4t<br>verloren hat, sondern die Thematik eher an Brisanz gewinnt, weil die sozialen Verwerfungen, die Klimawandel und Ressourcenknappheit mit sich bringen, mit gro\u00dfer Wucht auf uns zukommen. Hier gilt es also Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Sozialpolitik stark zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu brauchen wir eine gesellschaftliche Auseinandersetzung um das T\u00e4tigsein. Die Care-bereiche, den Schwund industrieller Arbeit, die Vergleichbarkeit menschlicher Arbeit mit Maschinen wie Robotern oder KI und vieles mehr m\u00fcssen Anlass sein, die m\u00e4nnlich konnotierte Sicht auf Arbeit weiterzuentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider besteht berechtigter Zweifel das angesichts der derzeitigen politischen Lage und den dahinter liegenden Klassenverh\u00e4ltnissen eine konsequente sozial-\u00f6kologische Transformation mit sozialer Gerechtigkeit, individueller Emanzipation und nachhaltigem Wirtschaften realisierbar ist. Das bedeutet allerdings nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern stetig weiter daran zu arbeiten und neue B\u00fcndnisse zu suchen.<br>Bildet Banden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bertram Barth, Berthold Bodo Flaig, Norbert Sch\u00e4uble, Manfred Tautscher \u201ePraxis der Sinus-Milieus. Gegenwart und Zukunft eines modernen Gesellschafts- und Zielgruppenmodells\u201c Wiesbaden 2023<\/p>\n\n\n\n<p>Lia Becker, Mario Candeias, Janek Niggemann &amp;&nbsp; Anne Steckner<br>\u201eGramsci lesen \u2013 Einstiege in die Gef\u00e4ngnishefte, Hamburg 2024<\/p>\n\n\n\n<p>Richard Detje, Dieter Sauer, Ursula St\u00f6ger und Hilde Wagner<br>\u201eDie AfD \u2013 eine \u00bbArbeiterpartei\u00ab ohne betriebliche Basis? in Luxemburg 2\/2024<\/p>\n\n\n\n<p>A. Katharina Keil \u201eLabour strategies in the German automotive industry:<br>limits and potentials of conversion from a Gramscian perspective\u201d 2024<\/p>\n\n\n\n<p>Kai Lindemann \u201eDie Politik der Rackets. Zur Praxis der herrschenden Klassen\u201c M\u00fcnster 2021<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Polany \u201eDie gro\u00dfe Transformation\u201c, (Orig. 1944), Berlin 2001<\/p>\n\n\n\n<p>Lutz Raphael \u201eKohle und Stahl. Eine Gesellschaftsgeschichte Westeuropas nach dem Boom\u201c, Berlin 2019<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas Reckwitz \u201eDie Gesellschaft der Singularit\u00e4ten\u201c Berlin 2019<\/p>\n\n\n\n<p>Simon Schaupp \u201eStoffwechselpolitik. Arbeit, Natur und die Zukunft des Planeten\u201c Berlin 2024<\/p>\n\n\n\n<p>Knut Tullius, Harald Wolf und Berthold Vogel \u201eAbschied von gestern. Mentalit\u00e4ten und Transformationserfahrungen von Arbeitnehmer*innen in der Automobilindustrie in der Region Stuttgart\u201c D\u00fcsseldorf 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Auf den ersten Blick erscheint der Titel ein wenig anachronistisch. 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