{"id":1080,"date":"2024-04-04T18:16:36","date_gmt":"2024-04-04T16:16:36","guid":{"rendered":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1080"},"modified":"2024-04-05T10:25:51","modified_gmt":"2024-04-05T08:25:51","slug":"ein-siegerlaender-blick-auf-die-transformation-der-automobilindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1080","title":{"rendered":"ein Siegerl\u00e4nder Blick auf die Transformation der Automobilindustrie"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/arbeiters.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/arbeiters.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1090\" srcset=\"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/arbeiters.jpg 640w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/arbeiters-300x225.jpg 300w, https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/arbeiters-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit mit mir alleine verbracht und mir Gedanken zu den Parallelen zwischen meinen beruflichen Anf\u00e4ngen und der Situation, in der ich als Besch\u00e4ftigter in der Automobilindustrie aktuell stehe, gemacht. Aus diesen Selbstgespr\u00e4chen ist ein Interview mit mir selber geworden: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klaus, du kommst aus dem Siegerland. Kannst du uns ein wenig \u00fcber die Region erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klar, das mach ich gerne. Das Siegerland liegt im Dreil\u00e4ndereck zwischen NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz und war bis 1964 eines der gr\u00f6\u00dften Erzbergbaureviere in Westeuropa. Diese Geschichte endete, als 1964 die letzte Grube schloss. Danach hat sich dann der Schwerpunkt Richtung Verh\u00fcttung und Stahlverarbeitung verlagert, die vorher auch schon im Siegtal angesiedelt waren. So sind heute noch, wenn du durchs Siegtal f\u00e4hrt, die gro\u00dfen Stahlwerke zu sehen, wo aber l\u00e4ngst nicht mehr so viele Menschen arbeiten, wie noch in den 80er Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wieso arbeiten denn da weniger Menschen als fr\u00fcher? Stahl ist doch immer noch wichtig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den 90er Jahren geriet die Stahlindustrie von verschiedenen Seiten aus unter Druck: Da waren zun\u00e4chst neue Technologien, die auch kleinere Stahlwerke mit weniger Tonnage rentabel machten. Diese kleineren Werke zeichneten sich dann auch noch durch h\u00f6here Flexibilit\u00e4t aus. Hinzu kam das auch die Minen in Finnland und Schweden nicht mehr so ergiebig waren und die F\u00f6rderung des Erzes immer teurer wurde. Schlussendlich kamen dann auch neue Wettbewerber auf den Markt und die ersten asiatischen Anbieter aus Indien und China lieferten nach Europa.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das klingt ziemlich nach den Herausforderungen, vor denen auch die deutsche Automobilindustrie steht. Wie ist es denn im Siegerland dann weitergegangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den 90er Jahren war der Arbeitsplatzabbau in der Stahlindustrie unvermeidbar, weil der technologische Fortschritt das nun mal so mit sich bringt, auch wenn die Region, die Gewerkschaften bis hin zu Sch\u00fcler*innen und Studierenden dagegen gek\u00e4mpft haben. Dieser Kampf war aber nur die eine Seite der Auseinandersetzung. In den Stahlwerken haben Betriebsr\u00e4te und Management an Zukunftsl\u00f6sungen gefeilt, die etwa in Spezialst\u00e4hlen und anderen neuen Produkten gesehen wurde. Daneben wurde auf regionaler Ebene an einem neuen industriellen Schwerpunkt gearbeitet und so wurde aus einem konzerngepr\u00e4gten Stahlstandort ein starker Standort klein- und mittelst\u00e4ndischen Maschinenbaus, der sich zum gro\u00dfen Teil aus den Zulieferern der Stahlwerke herausentwickelte. Schlussendlich haben Industrie und Region dann auch daran gearbeitet mit einer gut ausgebauten Bildungslandschaft von der beruflichen Weiterbildung bis hin zur Universit\u00e4t die Qualifizierung der Besch\u00e4ftigten sicherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das klingt gut. Du arbeitest jetzt seit mehr als 20 Jahren in der Automobilindustrie. Wie siehst du die Situation denn vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die du in deiner Heimat gemacht hast?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgangslage ist sicherlich \u00e4hnlich:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs und der Digitalisierung im Produkt wie in den Arbeitsprozessen haben wir einen technologischen Fortschritt erreicht, der uns zwingt Arbeit anders zu organisieren. Hinzu kommt das wir mit sinkenden St\u00fcckzahlen umgehen lernen m\u00fcssen, weil viel mehr als fr\u00fcher, vor Ort in den Zielm\u00e4rkten produziert werden muss.<\/li>\n\n\n\n<li>Mit dem Ende der billigen Energie aus Russland und dem Ende der billigen Rohstoffe im Allgemeinen stehen unsere Produkte und Herstellprozesse unter ungeheurem Kostendruck, den wir irgendwie abbilden m\u00fcssen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Wettbewerb in der Automobilindustrie wird gr\u00f6\u00dfer und neue Anbieter dr\u00e4ngen auf den Markt.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Von daher macht es schon Sinn sich genau anzuschauen, wie dieser Strukturwandel in anderen Branchen und Regionen erfolgreich bew\u00e4ltigt wurde. Die Automobilindustrie hat keine Ewigkeitsgarantie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klaus, zum Schlu\u00df die Frage aller Fragen: Was tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist zun\u00e4chst eine Frage wo wir \u00fcberall ansetzen m\u00fcssen: Wir m\u00fcssen das in den Fabriken und B\u00fcros, genau wie in den Konzernstrukturen tun. Und schlussendlich sind wir auch in den Regionen gefordert, weil wir vieles, aber nicht alles als Unternehmen gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Standorte m\u00fcssen wir die Prozesse angucken und gnadenlos entschlacken: Hier ist vielerorts in den letzten Jahren ein Abstimmungsaufwand entstanden, der genauso wenig bringt, wie die Menge unterschiedlichster Reportings, die Mitarbeitende genauso binden wie F\u00fchrungskr\u00e4fte und sie von ihrer eigentlichen Aufgabe abhalten. Wir m\u00fcssen die Entscheidung dahin geben, wo die Kompetenz ist!<br>Gleichzeitig m\u00fcssen wir die Produktportfolios nochmal ganz genau anschauen. Ich werde nie vergessen, wie es z.B. 2016 bei ZF in Schweinfurt hie\u00df: Der D\u00e4mpfer muss weg. Heute haben die dort gelernt, wie wichtig die Kolbenstange und die Ventile als Teil der D\u00e4mpfer f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfung sind und die Kompetenz daf\u00fcr in Schweinfurt liegt. Das war ein l\u00e4ngerer Prozess, aber er hat sich gelohnt, weil es heute noch jede Menge Menschen gibt, die in dem Produktsegment Arbeit haben!<\/p>\n\n\n\n<p>In den Konzernen m\u00fcssen wir darum k\u00e4mpfen, die Spielr\u00e4ume der Standorte m\u00f6glichst gro\u00df zu halten und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Overheadstrukturen kein Eigenleben entfalten und nur um sich selber kreisen. Das gilt insbesondere auch f\u00fcr die Arbeitsteilung zwischen den Hierarchieebenen. Hier dr\u00e4ngt sich manchmal der Eindruck auf, dass da nicht alles so klar ist, wie es sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Region muss es darum gehen, die klein- und mittelst\u00e4ndische Lieferantenstruktur mitzuentwickeln, was die oft nicht aus eigener Kraft leisten k\u00f6nnen. Gleichzeitig muss die regionale Infrastruktur, insbesondere was Digitalisierung angeht, vorangebracht werden. Funkl\u00f6cher sind standortsch\u00e4dlich!<br>Daneben muss auch die regionale Vermarktung als Industrie- und Innovationsregion weiterentwickelt werden. Und schlussendlich muss die regionale Bildungs- und Weiterbildungslandschaft an die gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen angepasst werden, die wir vor der Brust haben, bzw. die wir derzeit konkret erleben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und was kann die IG Metall da tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine alte Chefin von mir hat mal gesagt: Die Strukturpolitik der Region beginnt in den Wirtschaftsaussch\u00fcssen der Unternehmen. Die IG Metall ist die einzige Organisation, die diese Arbeit mit ihren Mitgliedern in den Wirtschaftsaussch\u00fcssen und als regionaler Akteur in Sachen Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik, etwa auch in den Verwaltungsaussch\u00fcssen der Agentur f\u00fcr Arbeit, koordiniert entwickeln kann und daraus sowohl betrieblich als auch regional eine Politik f\u00fcr gute Arbeit und sichere Arbeitspl\u00e4tze ableiten kann! Ich wei\u00df, dass das ein Sack voll Arbeit ist, aber: Wer, wenn nicht wir!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klaus, danke f\u00fcr dieses Interview.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit mit mir alleine verbracht und mir Gedanken zu den Parallelen zwischen meinen beruflichen Anf\u00e4ngen und der Situation, in der ich als Besch\u00e4ftigter in der Automobilindustrie aktuell stehe, gemacht. 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