{"id":1065,"date":"2022-01-31T15:47:53","date_gmt":"2022-01-31T13:47:53","guid":{"rendered":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1065"},"modified":"2022-01-31T15:49:50","modified_gmt":"2022-01-31T13:49:50","slug":"bildet-banden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1065","title":{"rendered":"Bildet Banden!"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Text, den ich letztes Jahr geschrieben habe, ist mir beim Aufr\u00e4umen in die H\u00e4nde gefallen. Und weil er leider nichts von seiner Aktualit\u00e4t verloren hat, gibts den halt heute:<br><br>Ich hatte neulich die Gelegenheit einer Lesung von Sven Gringmuth zu folgen, der seine Dissertation vorgestellt hat. Bei der Arbeit geht es um den \u00dcbergang vom Summer of Love 1968 in die scheinbar widerspr\u00fcchliche Zeit der K-Gruppen. Gringmuth denkt laut und anschaulich dar\u00fcber nach, ob und welche, manchmal auch nur scheinbaren, Br\u00fcche es in dieser Chronologie der Bewegung, aber eben auch in den Biografien einzelner Akteure gegeben hat. Im Kern liest er das aber auch als die quasi zwangsl\u00e4ufige Hinwendung sozialer Bewegungen zur Frage von Kapital und Arbeit, als dem zentralen systempr\u00e4genden Faktor, und die Solidarit\u00e4t mit denen, die auf der Seite der Arbeit in diesen K\u00e4mpfen stehen. Im Nachgang dazu ist mir die aktuelle Lage vor dem Hintergrund dieser historischen Blaupause nochmal durch den Kopf gegangen. <br>Wir stehen aktuell in der Metall- und Elektroindustrie vor einer der schwersten Tarifaus-einandersetzungen der letzten Jahre und die Beteiligung der Kolleg*innen ist nicht nur deshalb hoch, weil Sie mehr Geld wollen, sondern auch weil es ein Ringen um Anerkennung ihrer Leistung ist. In der \u00f6ffentlichen Diskussion dominiert die Diskussion ums Homeoffice, new work und Agilit\u00e4t, die die Kolleg*innen an den Flie\u00dfb\u00e4ndern und in den Werkst\u00e4tten au\u00dfen vor l\u00e4sst. Die Industriearbeiter*in kommt im \u00f6ffentlichen Diskurs nicht mehr vor und viele Szenarien, die im Zuge des Klimawandels und seiner Eingrenzung entwickelt werden, sehen Industrie und die mit ihr verbundenen Arbeit als abzuschaffendes \u00dcbel.<br>Der Protest gegen das politische Nichtstun in Sachen Klimawandel hat mit Fridays for Future massenhaft Menschen auf die Stra\u00dfe getrieben und das Thema endlich auf die politische Agenda gesetzt. Diese Bewegung stellt nun zunehmend nicht mehr nur die Frage nach der Bek\u00e4mpfung des Klimawandels, sondern auch nach den systemischen Rahmenbedingungen und hat sich theoretisch \u00fcber Postwachstumsdebatten und Degrowth der Kategorie der Kapitalismuskritik eher vorsichtig gen\u00e4hert Unter dem Slogan \u201esystem change not climate change\u201c ist sie nun, zumindest in Teilen dort angekommen.<br>In der IG Metall wird die Frage sozial-\u00f6kologischer Transformation und einer ganzheitlichen klimafreundlichen Politik durchaus gesehen und auch bearbeitet, wie die gro\u00dfe Demonstration in Berlin, die unter dem Motto \u201efairwandeln\u201c stand, schon 2019 gezeigt hat. Aber sie hat ihre nat\u00fcrlichen Grenzen an den Komfortzonen der Kolleg*innen vor Ort und findet mit gro\u00dfer Ernsthaftigkeit eher auf den \u00fcberregionalen Ebenen statt.<br>Die Herausforderung einer politischen Linken w\u00fcrde nun darin bestehen f\u00fcr die Begegnung von Klimabewegung und Gewerkschaft zu sorgen, und zwar vor Ort, ganz operativ und ma\u00dfnahmenorientiert, nicht in \u00fcberregionalen Arbeitskreisen und B\u00fcndnistreffen, die auch ihre Berechtigung haben, aber \u2013 ich denke \u2013 dass es an der Zeit ist, diesen Punkt stark zu machen: Es gilt einerseits, soziale und die \u00f6kologische Frage zusammen zu denken, und die soziale Frage dabei als Frage von Arbeit und Besch\u00e4ftigung zu sehen. Andererseits gilt es, operative Formen der Kooperation in den Regionen zu entwickeln, die beim Transformieren anpacken wollen. Das ist bislang leider nur selten zu sehen. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr ist die kulturelle und soziale Unterschiedlichkeit von Klima- und Gewerkschaftsbewegung, was sicherlich l\u00e4ngst nicht mehr so holzschnittartig wie in den 68ern funktioniert, aber trotzdem hat jede Blase ihr Dispositiv und ihre Narrative.<br>Wer ist nun gefragt? Es sind die \u201eorganischen Intellektuelle\u201c, wie Gramsci das nennt, die in Gewerkschaft, wie Klimabewegung eingebettet sind und ob ihrer Intellektualit\u00e4t in der Lage sein sollten Dispositive und Narrative zu lesen und zu diskutieren, dadurch auch aufzuweichen und so als Synthesen etwas Neues entstehen zu lassen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir weder Parteien gr\u00fcnden, noch den Habitus eines Arbeiters aus den 20Jahren imitieren oder mit Schmerbauch auf irgendwelche B\u00e4ume krabbeln. Authentisch und auf Augenh\u00f6he ins Miteinander zu kommen und da ist eine Voraussetzung tats\u00e4chlich das gegenseitige Verstehen. Das w\u00e4re der Riesenunterschied zu der historischen Formation der End60er\/Anfang70er Jahre: es w\u00e4re ein emanzipatorisches Projekt und nicht die  autorit\u00e4ren Befreiungsphantasie f\u00fcr eine imaginierte Arbeiter*innenklasse.   <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Text, den ich letztes Jahr geschrieben habe, ist mir beim Aufr\u00e4umen in die H\u00e4nde gefallen. 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