{"id":1042,"date":"2020-05-05T11:12:05","date_gmt":"2020-05-05T09:12:05","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1042"},"modified":"2020-05-07T14:30:57","modified_gmt":"2020-05-07T12:30:57","slug":"wir-muessen-mehr-aendern-als-den-antriebsstrang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1042","title":{"rendered":"Wir m\u00fcssen mehr \u00e4ndern als den Antriebsstrang!"},"content":{"rendered":"<p>Zusammen mit Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der gr\u00fcnen Bundestagsfraktion, und Anderen\u00a0habe ich eine Stellungnahme zu der geforderten \u201eAbwrackpr\u00e4mie 2.0\u201c entwickelt und auf Alternativen dazu hingewiesen.<\/p>\n<p>Mit dabei sind<\/p>\n<ul>\n<li>der Konzernbetriebsratsvorsitzenden der Schaeffler AG, Norbert Lenhardt,<\/li>\n<li>und der Betriebsratsvorsitzende der ZF Friedrichshafen AG, Schweinfurt und<br \/>\nVorsitzende des europ\u00e4ischen Betriebsrats, Oliver Moll<\/li>\n<li>sowie der Betriebsratsvorsitzenden von Kennametall am Standort Ebermannstadt, Thomas Bauernschmitt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die drei Kollegen repr\u00e4sentieren allein im fr\u00e4nkischen Raum rund 30.000 Besch\u00e4ftigte!<\/p>\n<p>Die Transformation der Automobilindustrie hat l\u00e4ngst begonnen und die Pandemie kann nicht der Anlass sein,\u00a0das Rad zur\u00fcckzudrehen, sondern eher im Gegenteil Besch\u00e4ftigung und Standorte durch Innovation und\u00a0Investition in Produkte f\u00fcr eine nachhaltige Zukunft zu sichern!<\/p>\n<p>Ich bitte um weitere Verteilung, Feedback und Kommentare.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen mehr \u00e4ndern als den Antriebsstrang \u2013 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Besch\u00e4ftigung sichern durch Strukturwandel statt Konsumstrohfeuer <\/strong><\/p>\n<p>Die aktuelle Diskussion um eine Autopr\u00e4mie darf keine Wiederholung der Abwrackpr\u00e4mie bringen. Das trifft nicht den Kern der Sache. Die Automobilindustrie wird weder allein durch eine Pr\u00e4mie f\u00fcr Elektroautos noch f\u00fcr Hybride, und in keinem Fall durch eine Pr\u00e4mie f\u00fcr fossile Autos gerettet. Wir m\u00fcssen deutlich mehr \u00e4ndern als die Technologie am Antriebsstrang!<\/p>\n<p>Jahrzehntelang f\u00fchrten Autos aus Bayern und Kfz-Teile aus Franken die Weltspitze der Automobilbranche an. Damit das so bleibt, muss sich was \u00e4ndern \u2013 denn die Welt dreht sich weiter und Franken mit. Gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen tun sich auf: Die globalen Weltm\u00e4rkte und internationalen Lieferketten werden durch Handelsblockaden und Brexit-Umsetzung konfrontiert, neben der Antriebstechnik wandelt sich die Nachfrage nach Mobilit\u00e4t und neue digitale Anwendungen halten Einzug in Produktionsprozesse und allt\u00e4gliche Mobilit\u00e4tskonzepte. Versch\u00e4rft wird die Krise durch die Corona-Pandemie. Nach Meinung von ExpertInnen kann das Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 um \u20137% einbrechen.<\/p>\n<p>Aber: Die Autokrise war bereits da, als der Auto-Absatz in Deutschland noch stabil war. 75 Prozent der Produkte der deutschen Automobilindustrie gehen ins Ausland.<\/p>\n<p><strong>Die Autobranche braucht Ideen, die ihre Vielfalt und die verschiedenen Standbeine der Mobilit\u00e4t widerspiegeln<\/strong><\/p>\n<p>Die Autobranche ist vielf\u00e4ltig. Die Hersteller wie VW, Daimler, Audi und BMW sind in einer g\u00e4nzlich anderen Situation als kleine Zulieferbetriebe.\u00a0 Das reicht von der Eigenkapitaldecke bis hin zur Tarifbindung. Wer die Transformation einleiten will, darf deshalb nicht nur \u00fcber ein Instrument reden, sondern muss das Ziel der Transformation der gesamten Branche im Auge haben. Die Zulieferer leiden seit Jahren unter dem gro\u00dfen Kostendruck der Hersteller. Manche haben sich aufgrund der gro\u00dfen Dominanz der Automobilindustrie aus dem Zulieferergesch\u00e4ft zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p><strong>Zulieferer entwickeln laufend innovative Produkte<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem haben viele auch unter schwierigen Bedingungen Produkte f\u00fcr ver\u00e4nderte Gegebenheiten entwickelt. Gro\u00dfe Zulieferer wie Schaeffler mit dem elektromechanischen Nockenwellenversteller, der sowohl im Verbrenner als auch im Hybridauto einsetzbar ist oder ZF Friedrichshafen mit dem Drehmomentwandler f\u00fcr Verbrenner und Hybridantriebe, sowie Produkten f\u00fcr batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge. Andere Zulieferer haben seit jeher mehrere Standbeine. Beispielhaft hierf\u00fcr steht der Standort von Kennametal im Landkreis Forchheim mit 500 MitarbeiterInnen, die neben der Autoindustrie auch Werkzeuge an die Frackingindustrie, aber auch an die Kakaoindustrie, Luft- und Raumfahrttechnik und die Busindustrie liefert und ebenso Schneidk\u00f6rper f\u00fcr W\u00e4lzlager f\u00fcr Windkraftwerke produziert.<\/p>\n<p>Ein Investitions- und Konjunkturprogramm f\u00fcr die Automobilindustrie muss diese Diversit\u00e4t beachten und die Transformation der Branche, sowie den Umbau in neue, nachhaltige Produktwelten voranbringen. Dabei muss die Sicherung von Besch\u00e4ftigung und Standorten im Vordergrund stehen.<\/p>\n<p><strong>Die Krise der Autoindustrie ist keine Corona-Krise. Der Fehler liegt im System. Alte Instrumente wie die Autopr\u00e4mie verl\u00e4ngern das Leiden, die Sicherung von Standorten und Besch\u00e4ftigung wird jedoch nur mit einem Ma\u00dfnahmenpaket gelingen, das Innovation und Transformation f\u00f6rdert! <\/strong><\/p>\n<p>Denken wir die Autoindustrie endlich mutig als Mobilit\u00e4tsindustrie. Viele Zulieferer tun dies bereits. Die Industriesparte der Schaeffler AG beispielsweise liefert in den Bereichen Energiegewinnung, \u00fcber Fahrr\u00e4dern und Bahn bis zu Automatisierungstechnik zu.<\/p>\n<p>Dabei geht es neben der Weiterentwicklung des Automobils an sich auch um neue Produkte und Dienstleistungen vom Lastenfahrrad bis zum Carsharing und von der Lades\u00e4ulenproduktion bis hin zur Softwareentwicklung. Die intelligente Vernetzung von Mobilit\u00e4ts- und Energiewende ist dabei Bedingung f\u00fcrs Gelingen! So wird beispielsweise nur durch die fl\u00e4chendeckende Bereitstellung von sauberem Strom eine CO<sub>2<\/sub>-neutrale Produktion von Stahl realisiert auf die Autohersteller, ebenso wie Windkraftanlagenbetreiber angewiesen sind, wenn sie klimaneutrale Herstellprozesse nachweisen m\u00fcssen.\u00a0 Unterst\u00fctzen wir also die Zulieferer, indem wird die Energiewende st\u00e4rken und neue Synergien schaffen.<\/p>\n<p><strong>Es sind in erster Linie die Menschen, die die Branche stark machen<\/strong><\/p>\n<p>Die Zukunftsf\u00e4higkeit der Branche h\u00e4ngt an ihrer Innovationskraft. Das gr\u00f6\u00dfte Kapital sind die Menschen und ihre Know-How! \u00a0Diese Kompetenzen reichen von den Montagen und Fertigungen bis in die B\u00fcros. Zusammen mit den Besch\u00e4ftigten muss nun \u00fcberlegt werden, welche zukunftsf\u00e4higen Produkte mit den vorhandenen Kompetenzen, auch jenseits des Automobils entwickelt und produziert werden k\u00f6nnen. Das ist eine sehr grunds\u00e4tzliche Arbeit, weil es schwer f\u00e4llt nach vielen Jahren Neues zu denken, aber die Produktionsumstellungen der letzten Wochen (Herstellung von Schutzmasken) sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr, dass es geht.<\/p>\n<p>Der weitere Kompetenzaufbau durch Qualifizierung und Qualifizierungszeiten ist dabei gerade auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung, die in den letzten Wochen einen ungeheuren Schub erlebt hat, f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigtengruppen vom Un- und Angelernten bis hin zum Hochschulabsolventen dringend n\u00f6tig!<\/p>\n<p><strong>Die Corona-Krise darf nicht als Ausrede genutzt werden, Sparpakete und Entlassungen zu rechtfertigen. <\/strong><\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigten wissen seit Monaten um die Krise in der Autoindustrie. Es liegen viele umsatzstarke Jahre und bewusst herbeigef\u00fchrte \u00dcberkapazit\u00e4ten in der Pkw-Produktion hinter dem Sektor, die bereits vor der Corona-Krise aufgelaufen sind. So wurden fast fl\u00e4chendeckend Besch\u00e4ftigungssicherungen ausgesprochen, die im Gegenzug mit Kostenreduzierungen und Sparpaketen erkauft wurden. Nun sind diese Vereinbarungen durch Corona in Gefahr. Falls es zu betriebsbedingten K\u00fcndigungen kommen sollte, werden wir uns klar dagegen wenden.<\/p>\n<p>Eine Hilfe f\u00fcr die Automobilindustrie muss das verhindern. Die Besch\u00e4ftigten sind in der Krise in Vorleistung gegangen sind und m\u00fcssen jetzt als Tr\u00e4ger der Transformation und des Wandels mitgenommen werden. Es darf nicht sein, dass die Besch\u00e4ftigten jetzt zu den Verlierern der Situation gemacht werden. Das hei\u00dft auch und gerade jetzt, dass die betriebliche Mitbestimmung essentiell ist. Ein regionaler Industriedialog mit Betriebsr\u00e4tInnen und der Bev\u00f6lkerung ist jetzt wichtiger als je zuvor.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Lisa Badum MdB<br \/>\n<\/strong>\u201eAls Klimapolitikerin und Abgeordnete f\u00fcr Oberfranken &#8211; einer Region im Umbruch, in der ein F\u00fcnftel der Besch\u00e4ftigten in der Automobilzuliefererbranche arbeiten &#8211; wei\u00df ich, wie wichtig es ist, dass eine Region Zukunftsakteure st\u00e4rkt und eine Zukunftsvision hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>Norbert Lenhard<br \/>\n<\/strong>\u201eAls Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Schaeffler AG vertrete ich allein in Franken ca. 22.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir m\u00fcssen uns bereits jetzt auf die n\u00e4chsten Schritte nach Bew\u00e4ltigung der Folgen der Pandemie vorbereiten. F\u00fcr die Zeit nach der Rezession werden die Weichen jetzt gestellt. Wir brauchen Zukunftsvereinbarungen, die Standorte und Besch\u00e4ftigung sichern und den Wandel unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Oliver Moll<br \/>\n<\/strong>\u201eIch bin Vorsitzender des Betriebsrats am Standort Schweinfurt und des europ\u00e4ischen Betriebsrats der ZF Friedrichshafen AG. Als \u00fcberzeugter Europ\u00e4er sehe ich den New Green Deal als<br \/>\nKompassnadel f\u00fcr Investitions- und Konjunkturprogramme. Wir m\u00fcssen die Zukunft sozial und \u00f6kologisch angehen, weil nur das auch \u00f6konomisch eine Perspektive im Weltma\u00dfstab hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>Klaus Mertens<br \/>\n<\/strong>\u201eAls Referent f\u00fcr den Betriebsrat der ZF Friedrichshafen erlebe ich die Corona-Krise nicht als Ausl\u00f6ser, sondern als Katalysator gro\u00dfer Ver\u00e4nderungen in der Branche. Bereits im zweiten Halbjahr 2019 sind vielerorts Sparpakete und zumeist sozialvertr\u00e4glicher Personalabbau vereinbart worden. Das wird sich in dieser Situation versch\u00e4rfen und wir brauchen nun erstens Sicherheit f\u00fcr Standorte und Besch\u00e4ftigung und zweitens, Innovationsoffensiven, die den Wandel der Branche und die Konversion in neue nachhaltige Produktwelten er\u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Thomas Bauernschmitt<br \/>\n<\/strong>\u201eAls Betriebsratsvorsitzender von Kennametal am Standort Ebermannstadt wei\u00df ich, wie dringend die Arbeitnehmer Antworten auf die unz\u00e4hligen Fragen erwarten. Gerade jetzt in diesen unruhigen Zeiten gilt es B\u00fcndnisse zu bilden und Ideen zu entwickeln, wie Besch\u00e4ftigung gesichert werden kann und sich die Unternehmen zugleich f\u00fcr die Zukunft aufstellen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr muss es ein gemeinsames Interesse von Politik, Arbeitgebervertretern sowie Gewerkschaftern und Arbeitnehmervertretern geben, um den Menschen die Angst auf Arbeitsplatzverlust und finanzielle Schwierigkeiten so gut es geht zu nehmen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammen mit Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der gr\u00fcnen Bundestagsfraktion, und Anderen\u00a0habe ich eine Stellungnahme zu der geforderten \u201eAbwrackpr\u00e4mie 2.0\u201c entwickelt und auf Alternativen dazu hingewiesen. 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