{"id":1025,"date":"2020-04-30T14:57:26","date_gmt":"2020-04-30T12:57:26","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1025"},"modified":"2020-04-30T16:35:45","modified_gmt":"2020-04-30T14:35:45","slug":"aufbruch-in-eine-lebenswerte-zukunft-investieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1025","title":{"rendered":"Aufbruch \u2013 in eine lebenswerte Zukunft investieren!"},"content":{"rendered":"<p>Der Gespr\u00e4chskreis \u201eDie Transformateure\u201c, dessen Mitglied ich bin,\u00a0hat sich in seiner bekannt vielf\u00e4ltigen Mischung, die der Mitglieder_innenliste zu entnehmen ist, in den vergangenen Tagen Gedanken zu den Anforderungen an ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gemacht. Dabei geht es uns darum, dieses Programm als Vehikel zu nutzen, um die notwendige sozial-\u00f6kologische Transformation nach Vorne zu bringen. Leider mehren sich die Anzeichen, dass das kein Automatismus ist.<br \/>\nDieses Papier versteht sich deshalb als Beitrag dazu, die Debatte in die Richtung sozialen und \u00f6kologischen Fortschritts zu entwickeln.<br \/>\nIch freue mich \u00fcber R\u00fcckmeldungen, Anmerkungen und Weiterverbreitung.<\/p>\n<p><strong>Aufbruch \u2013 in eine lebenswerte Zukunft investieren<\/strong><br \/>\nSozial-\u00f6kologische Transformation als Leitlinie f\u00fcr Investitionsprogramme<br \/>\nDie Covid-19 Pandemie hat nachdr\u00fccklich in Erinnerung gerufen, wie wichtig ein funktionierender Staat zur Sicherung der Grundversorgung und des Daseinsschutzes ist. Neben den aktuellen Herausforderungen wird in diesen Wochen \u00fcber die anschlie\u00dfenden Ma\u00dfnahmen und Investitionsprogramme zur Wiederankurbelung der Wirtschaft debattiert und entschieden.<\/p>\n<p>Es gilt also bereits heute wichtige Lehren aus der Pandemie zu ziehen und zukunftsgerichtet zu entscheiden. Gesundheitsvorsorge und Klimaschutz sind auf das engste verkn\u00fcpft. Ein Beispiel sind die Wetterextreme, die etwa bei gro\u00dfer Sommerhitze zu zahlreichen Toten f\u00fchren. Der immer st\u00e4rkere Druck auf die Tierwelt und \u00d6kosysteme verst\u00e4rkt die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Epidemien. Die Feinstaubbelastung als Teil der Luftverschmutzung erh\u00f6ht diese Anf\u00e4lligkeiten ebenfalls.<\/p>\n<p>Die sozial-\u00f6kologische Transformation zu einer nachhaltigeren Entwicklung sollte die Leitlinie f\u00fcr die anstehenden Ma\u00dfnahmen und das Konjunkturprogramm sein. Es ist die Aufgabe, damit zukunftsfeste Arbeitspl\u00e4tze zu sichern, den Klimaschutz in der gebotenen Dringlichkeit voranzubringen, die Artenvielfalt und \u00f6kologische Vielfalt zu erhalten sowie lebenswerte St\u00e4dte und Gemeinden zu f\u00f6rdern: erneuerbar, klimavertr\u00e4glich, gerecht und sozialvertr\u00e4glich. Anders formuliert: Lebensqualit\u00e4t st\u00e4rken und Systeme wetterfest machen.<\/p>\n<p>Neben Sofortma\u00dfnahmen ist die Resilienz des Gesundheitssystems dauerhaft zu verbessern. Ebenso sind der Alten- und Pflegebereich sowie die Kitas und die Bildung von Kindern und Jugendlichen zu st\u00e4rken. Die Berufe in diesen Bereichen sind aufzuwerten und ihrem Wert entsprechend zu entlohnen. Kulturschaffende, Gastronomie und lebenswerte St\u00e4dte und Gemeinden sind kein Luxus, sondern sie pr\u00e4gen die Vielfalt des Landes.<\/p>\n<p>Die Krise hat nachdr\u00fccklich erlebbar gemacht, welchen Wert Lebensmittel haben, wie leicht Lieferketten rei\u00dfen k\u00f6nnen, welche inhumanen Arbeitsbedingungen etwa in der landwirtschaftlichen Gem\u00fcseproduktion ganz in unserer N\u00e4he toleriert werden. Die Pandemie kann zur treibenden Kraft f\u00fcr Reformen in der Ern\u00e4hrung und in der Agrarpolitik werden. Es ist ein Wandel, der l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist, hin zu einem umsichtigen, sorgsamen und vorausschauenden Umgang mit lebenswichtigen Ressourcen.<\/p>\n<p>Gerade in Zeiten, in denen vor\u00fcbergehend Abgrenzungen erforderlich sind, ist es wichtig, dass internationale Verantwortlichkeit \u00fcbernommen wird. Deshalb ist komplement\u00e4r zu Investitionsprogrammen ein ressourcenorientiertes Lieferkettengesetz zu verabschieden.<\/p>\n<p>Die Krise der Automobilindustrie hat bereits vor dem Ausbruch der Pandemie mit niedrigeren bzw. stagnierenden St\u00fcckzahlen, neuen Technologien im Produkt und Automatisierung\/Digitalisierung in allen Unternehmensprozessen begonnen. Die Pandemie ist also keinesfalls Ursache der Probleme, sondern kann durchaus als Katalysator auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilit\u00e4t wirken. Denn viele Menschen machen gerade die Erfahrung sauberer und lebenswerter St\u00e4dte, guter Luft und einer neuen Wertsch\u00e4tzung von N\u00e4he. Wer also auch immer die Krise nutzen will, um auf dem Pfad hin zu nachhaltiger Mobilit\u00e4t umzukehren, ist auf dem Holzweg!<\/p>\n<p>Die sich abzeichnenden Konjunktur- und Investitionsprogramme m\u00fcssen fokussiert in Richtung resiliente Wirtschaft und nachhaltige Mobilit\u00e4tswende zugeschnitten werden. Das bedeutet f\u00fcr die Mobilit\u00e4tsindustrie neben der weiteren Transformation der Automobilindustrie insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li>die St\u00e4rkung des \u00d6PNV und die F\u00f6rderung von Elektro\/Wasserstoff-Antrieben sowie<\/li>\n<li>die St\u00e4rkung der kommunalen Infrastrukturen f\u00fcr eine aktive Mobilit\u00e4t.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Energiewende muss Vorrang bekommen und die in den vergangenen Jahren aufgebauten Hemmnisse sind z\u00fcgig abzubauen. Ein Programm zum Ausbau einer Metall-Recycling-Infrastruktur ist aufzulegen, das dem Einstieg in eine Kreislaufwirtschaft den n\u00f6tigen Schub gibt.<\/p>\n<p>Der Klimaschutz ist ein Kernst\u00fcck der sozial-\u00f6kologischen Transformation. Einen besonders wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten in unseren Breitengraden Moore (hohe CO2-Bindung). Es ist ein gro\u00df angelegtes Programm zur Erhaltung und zur Wiederherstellung von Mooren auf den Weg zu bringen. Dieses Programm dient zugleich dem Hochwasser- und Grundwasserschutz sowie dem Erhalt der Biodiversit\u00e4t. Ebenso wichtig ist die CO2-Bindung durch Humusaufbau einer \u00f6kologischen Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Die aktuelle Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands ist ein ernstes Warnsignal des Klimawandels. \u00dcber den Brandschutz hinaus ist nachhaltig in Brandpr\u00e4vention zu investieren. Dementsprechend ist die Bewirtschaftung der W\u00e4lder in eine naturnahe Waldwirtschaft massiv weiter zu entwickeln und ein Umbauprogramm reiner Nadelw\u00e4lder in Mischw\u00e4lder aufzusetzen.<\/p>\n<p>Die Covid-19 Pandemie ist ebenso eine globale Herausforderung wie die Klimakrise. Damit wird die globale Koordination der Staaten umso wichtiger. Zugleich sind entschlossen nationale Antworten zu geben. Beispielsweise ist einerseits eine Re-Adjustierung der Lieferketten erforderlich, etwa die Produktion von Arzneimitteln f\u00fcr die Grundversorgung in Deutschland bzw. Europa. Andererseits sind Grenzziehungen nur als vor\u00fcbergehende Krisenma\u00dfnahmen angebracht. Vielmehr ist Weltoffenheit und Austausch zu f\u00f6rdern. Nationale Abschlie\u00dfungen und neue Grenzz\u00e4une, tats\u00e4chlich und mental, sind zu vermeiden.<\/p>\n<p>Viel zu viele Jahre wurde das Mantra vorgetragen: Ma\u00dfnahmen zum Klimaschutz, zur Mobilit\u00e4tswende, zum Artenschutz \u2013 geht gerade leider nicht, kostet zu viel, gef\u00e4hrdet Arbeitspl\u00e4tze. In der jetzigen Pandemie-Krise wurde \u00fcber Nacht sichtbar: Pl\u00f6tzlich geht doch ganz viel. Pl\u00f6tzlich wird Wissenschaft ernst genommen. Je fr\u00fcher die anstehenden Aufgaben f\u00fcr eine sozial\u00f6kologische Transformation angegangen werden, desto besser. Je l\u00e4nger nicht vorgesorgt wird, desto h\u00f6her werden die sp\u00e4teren Kosten f\u00fcr unterlassene Vorsorge ausfallen: too little too late.<\/p>\n<p>Es ist ein Konjunkturprogramm aufzulegen, das einen Aufbruch in eine lebenswerte Zukunft verk\u00f6rpert. Dieses Programm muss auf Verstetigung angelegt sein. In der Vergangenheit gab es viel zu oft gute Einzelprojekte, aber kein konsequentes Umsteuern in Richtung Nachhaltigkeit. Es gilt, Chancen zu nutzen und in eine sozial gerechte und \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche Zukunft zu investieren: die sozial-\u00f6kologische Transformation auf den Weg bringen \u2013 weltoffen und solidarisch!<\/p>\n<p>Die Transformateure sind eine Gruppe von Personen, die f\u00fcr die sozial-\u00f6kologische Transformation in Richtung einer nachhaltigeren Entwicklung aktiv sind.<br \/>\nMitglieder:<br \/>\n<strong>Dr. Eberhard Faust<\/strong>, Forschungsleiter Naturgefahren und Klimarisiken, Munich Re, M\u00fcnchen<br \/>\n<strong>Dr. Andrea Fehrmann<\/strong>, Leiterin Abteilung Industrie-, Besch\u00e4ftigungs- und Strukturpolitik, IG Metall Bayern, M\u00fcnchen<br \/>\n<strong>Adrian Ganz<\/strong>, Coaching, Mediation und Teamentwicklung, PolitikLabor, M\u00fcnchen<br \/>\n<strong>Martin Geilhufe<\/strong>, Landesbeauftragter, BUND Naturschutz in Bayern, M\u00fcnchen\/N\u00fcrnberg<br \/>\n<strong>Josef G\u00f6ppel<\/strong>, Energiebeauftragter BMZ f\u00fcr Afrika, Vorsitzender Deutscher Verband f\u00fcr Landschaftspflege, Bundestagsabgeordneter 2002 \u2013 2017, Herrieden<br \/>\n<strong>Dr. Martin Held<\/strong>, freier Mitarbeiter Evangelische Akademie Tutzing, Koordinator Die Transformateure, Tutzing<br \/>\n<strong>Johann Horn<\/strong>, Bezirksleiter IG Metall Bayern, M\u00fcnchen<br \/>\n<strong>Dieter Janecek MdB<\/strong>, Mitglied Ausschuss Wirtschaft und Energie, Ausschuss Digitale Agenda und Enquete-Kommission K\u00fcnstliche Intelligenz, Deutscher Bundestag, Berlin<br \/>\n<strong>Mattias Kiefer<\/strong>, Umweltbeauftragter Erzbistum M\u00fcnchen und Freising, Sprecher der AGU \u2013 Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der deutschen (Erz-)Di\u00f6zesen, M\u00fcnchen<br \/>\n<strong>Silvia Liebrich<\/strong>, Redakteurin Ressort Wirtschaft, S\u00fcddeutsche Zeitung, M\u00fcnchen<br \/>\n<strong>Richard Mergner<\/strong>, Landesvorsitzender, BUND Naturschutz in Bayern, N\u00fcrnberg<br \/>\n<strong>Klaus Mertens<\/strong>, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Betriebsrat ZF Friedrichshafen AG, Standort Schweinfurt<br \/>\n<strong>Manfred Neun<\/strong>, langj\u00e4hrig Pr\u00e4sident ECF \u2013 European Cyclists\u2019 Federation, Memmingen<br \/>\n<strong>J\u00f6rg Schindler<\/strong>, Vorstandsmitglied ASPO Deutschland \u2013 Association for the Study of Peak Oil and Gas, langj\u00e4hrig Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ludwig-B\u00f6lkow-Systemtechnik, Neubiberg<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Irmi Seidl<\/strong>, Leiterin Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Eidgen\u00f6ssische Forschungsanstalt f\u00fcr Wald, Schnee und Landschaft WSL, Z\u00fcrich<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Hubert Weiger<\/strong>, Mitglied Rat f\u00fcr nachhaltige Entwicklung, Ehrenvorsitzender BUND Naturschutz in Bayern, Ehrenvorsitzender BUND \u2013 Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland, F\u00fcrth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gespr\u00e4chskreis \u201eDie Transformateure\u201c, dessen Mitglied ich bin,\u00a0hat sich in seiner bekannt vielf\u00e4ltigen Mischung, die der Mitglieder_innenliste zu entnehmen ist, in den vergangenen Tagen Gedanken zu den Anforderungen an ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gemacht. 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