{"id":1017,"date":"2020-04-06T16:06:30","date_gmt":"2020-04-06T14:06:30","guid":{"rendered":"http:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1017"},"modified":"2020-04-06T16:06:30","modified_gmt":"2020-04-06T14:06:30","slug":"a-view-from-inside-the-box-oder-dont-waste-the-crisis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-richtige-im-falschen.de\/?p=1017","title":{"rendered":"a view from inside the box oder Don`t waste the crisis!"},"content":{"rendered":"<p>Ich glaube, es ist gerade in diesen Zeiten der Pandemie wichtig, laut dar\u00fcber nachzudenken, wie aus dem t\u00e4glichen Tun in den Betrieben nachvollziehbare Bez\u00fcge zu den notwendigen, grundlegenderen Debatten abgeleitet werden k\u00f6nnen, um das Danach aktiv gestalten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIch spreche dabei von \u201eden\u201c Betrieben, weil es zum Teil eigenes Erleben, zum Teil aber auch die Wiedergabe von Gespr\u00e4chen mit einem Teil von Euch ist.<br \/>\nIch habe meine Gedanken entlang von f\u00fcnf Themenclustern strukturiert, um abschlie\u00dfend aufzuzeigen, wo Erfahrungen aus Corona-Zeiten auf ein \u201ebuen vivir\u201c danach verweisen.<\/p>\n<p><strong>1. Die Corona-Krise ist ja nur das i-T\u00fcpfelchen.<\/strong><br \/>\nInsbesondere bei den Automobilzulieferern ist ja bereits seit dem 3. Quartal 2019 Krisenstimmung, die Sparpakete sind l\u00e4ngst aufgerufen und von Audi bis ZF sind Besch\u00e4ftigungs- und Standortsicherungsvertr\u00e4ge verhandelt worden. Die haben wahrscheinlich alle eine Hagelschlagsklausel und hie und da ist zu h\u00f6ren, dass diese Klausel arbeitgeberseitig gezogen werden soll, um die Sparschraube nochmal weiter zu drehen und evtl. betriebsbedingte K\u00fcndigungen nicht l\u00e4nger ausschlie\u00dfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>2. Daily Business: Kurzarbeitsverhandlungen und Sozialpolitik<\/strong><br \/>\nDerzeit geht es in den Betriebsr\u00e4ten haupts\u00e4chlich um die betriebliche Ausgestaltung der Kurzarbeit mit all den detailreichen T\u00fccken eines solchen Unterfangens. Da besch\u00e4ftigen sich die Betriebsr\u00e4te nun z.B. gerade damit, wie sich Kurzarbeit auf die H\u00f6he des Elterngelds zuk\u00fcnftiger M\u00fctter und V\u00e4ter auswirkt und ab wann den zumindest Schwangere deshalb von der Kurzarbeit ausgenommen werden m\u00fcssten. Diese Detailfragen gibt es wie Sand am Meer, wie ihr euch sicherlich vorstellen k\u00f6nnt. Das absorbiert viel Kapazit\u00e4t, erzeugt aber viel Kompetenz zu Fragen des SGBIII.<\/p>\n<p><strong>3. BR und VK goes new work.<\/strong><br \/>\nVon der Digitalisierung wird vielerorts gesprochen, und nun h\u00e4lt die Digitalisierung mit Gewalt Einzug in die bislang reichlich analoge Arbeitsstruktur der Gremien. BA\/BR-Sitzungen via Skype, Verhandlungen mit dem AG als Videokonferenz, ein deutlich h\u00f6heres Ma\u00df verschriftlichter Kommunikation via chat, whats app und was auch immer. Bereichsbetriebsr\u00e4te im Homeoffice, deren Kalender bislang mit face-to-face Kommunikation und Terminen gef\u00fcllt waren, m\u00fcssen lernen das virtuell zu organisieren, die Ergebnisse zu verschriftlichen und weiter zu verteilen. Das lief sonst zwischen T\u00fcr und Angel. Nun erzwingt sich eine Professionalisierung der Arbeit, die manche auch \u00fcberfordert.<\/p>\n<p><strong>4. Die Transformation geht unter kapitalistischen Vorzeichen weiter<\/strong><br \/>\nDer Umbau der Branche geht weiter und das Personalkarussell bei OEMs und Zulieferern rotiert fr\u00f6hlich weiter und Portfoliobereinigungen und Zuk\u00e4ufe werden nicht mehr eingefangen, selbst wenn das gewollt w\u00e4re. Das ist alles keine progressive Transformation, sondern das Arbeiten an Ums\u00e4tzen und Rendite in einer Welt, deren Transformation ausschlie\u00dflich in der Elektrifizierung des Antriebsstrangs und a bisserl autonomes Fahren besteht.<\/p>\n<p><strong>5. Der Kapitalismus frisst seine Kinder<\/strong><br \/>\nIn der Zulieferindustrie stehen die Margen ja st\u00e4ndig unter Druck, gleichzeitig gibt es notwendige Investitionen, die den avisierten Wandel der Branche m\u00f6glich machen und bislang auch mit billigem Geld durchaus handhabbar finanziert werden konnten. Nun \u00e4ndern sich die Ratings und Ums\u00e4tze brechen ein, was einzelne Unternehmen in irgendwas zwischen Rentabilit\u00e4ts- und Liquidit\u00e4tskrise schliddern l\u00e4sst. Das werden nicht alle Unternehmen schadlos \u00fcberstehen.<\/p>\n<p><strong>6. Und nun?<\/strong><br \/>\nDas alles trifft die betriebliche Mitbestimmung ganz aktuell. Und es ist an uns, Ans\u00e4tze zu entwickeln, die im Sinne einer Arbeit an der sozial-\u00f6kologischen Transformation diese Alltagserfahrungen nutzbar machen.<br \/>\nIch denke an<br \/>\n\u2022 die Digitalisierung von Beteiligungsprozessen und die Konsequenz von digitaler Meinungs\u00e4u\u00dferung<br \/>\n\u2022 die Erfahrung mit dem Sozialstaat und seinen Institutionen<br \/>\n\u2022 die Erfahrung von Immobilit\u00e4t, ihrer digitalen Kompensation und dem Gewinn von Lebensqualit\u00e4t und -zeit.<br \/>\n\u2022 das \u2013 zumeist virtuelle \u2013 Erleben von Delfinen in der Bucht von Venedig und der \u2013 hoffentlich realen \u2013 Erfahrung<br \/>\n\u2022 von sauberer Luft in unseren St\u00e4dten<br \/>\n\u2022 die hom\u00f6opathische Erfahrung von Konsumentzug<br \/>\n\u2022 die Handlungsf\u00e4higkeit und -geschwindigkeit von Politik, die im krassen Widerspruch zu den Z\u00f6gerlichkeiten in der Klima- und Ressourcenpolitik steht.<\/p>\n<p>Ich\u00a0hoffe, es ist gelungen\u00a0einen Eindruck zu vermitteln, was auf betrieblicher Ebene gerade los ist und hoffe damit aber auch einen Beitrag zur Debatte liefern zu k\u00f6nnen, wie wir auch in Corona-Zeiten die notwendigen Ver\u00e4nderungen im Sinne einer sozial-\u00f6kologischen Transformation vorantreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich glaube, es ist gerade in diesen Zeiten der Pandemie wichtig, laut dar\u00fcber nachzudenken, wie aus dem t\u00e4glichen Tun in den Betrieben nachvollziehbare Bez\u00fcge zu den notwendigen, grundlegenderen Debatten abgeleitet werden k\u00f6nnen, um das Danach aktiv gestalten zu k\u00f6nnen. 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