67. Etappe: Lectoure – Condom

Das Frühstück konnte nahtlos an den positiven Gesamteindruck der Unterkunft anknüpfen. Frisches Baguette, selbstgemachte Marmeladen (Aprikosen-Banane und Pflaume), Butter, mal nicht in der Portionspackung, Saft und Kaffee. Das alles serviert in dem schönen Innenhof. So wird einem der Abschied echt schwer gemacht, aber nach ein wenig fb-Befreunden und Liken, gings dann los.

Raus aus der Stadt, die ja auf einem Hügel liegt, und eintauchen in dieses sanft gewellte Hügelland, daß ich anders als gestern überhaupt nicht genießen konnte. In der Nacht hatte es geregnet, der Himmel war grau und die gefühlte Luftfeuchtigkeit betrug 100%. Da bist du froh, daß du das Leben hast und ich als Asthmatiker gleich zweimal, weil sich die Feuchte wie Kleister auf die Bronchien legt. Nach zwei Stunden kam dann die erste Gelegenheit zur Einkehr, die ich auch nutzte. Und es gibt ja wenig Sachen, die bei so einem Wetter ähnlich klasse sind, wie eine eiskalte Dose Coca-Cola. Herrlich. Und stürzen muß man die, weil die ja sonst warm wird. Ganz wichtig. Ich machte aber noch ein wenig länger Pause, als der Hans, der 71-jährige Kollege aus Neumarkt, humpeln um die Ecke bog. Und für den war Schluß für heute, weil er nun an beiden Füßen von Blasen geknechtet wird. Wir haben dann ein Taxi organisiert. Es fährt da nämlich kein Bus. Hans legt sich jetzt mal n paar Tage in die Unterkunft bis das ausgeheilt ist. Mir ist bei der Gelegenheit nochmal klar geworden, wieviel Glück ich damit habe, daß bislang gesundheitlich alles gut gelaufen ist. Toitoitoi.

Weiter gehts und ich komme langsam ins Kernland der Gascogne. Die Weinberge links und rechts lassen das vermuten und irgendwann bin ich auch in Condom. Das ist mit etwa 7000 Einwohnern schon sowas wie eine Metropole der Region, die im Übrigen auch die Heimat von d’Artagnac war und einem Sack Engländer ist, was man im Straßenbild bemerkt. Aber wieso es im Käseland Frankreich jemand braucht Cheddar zu importieren, wird mir ein Rätsel bleiben. Das es in den Bars dann auch Kilkenny und andere unnötige Brauerzeugnisse gibt, soll das Bild nur vervollständigen. Also eine interessante Mischung, auch viele Jahre nach dem 100jährigen Krieg. Das guck ich mir später mal noch genauer an.

Angesichts eines drohenden Gewitters hab ich mir ein festes Dach über dem Kopf gesucht und pflegte mich aber erstmal, bevor ich dann loszog. Ganz englisch in Crogs. Ich muß den Wanderstiefel mal Zeit zum Austrocknen geben, sonst geht das nicht mehr lange gut. Aber es ist Freitag und auch hier wird das Wochenende angemessen eingeläutet. Die Bars, Brasserien und Straßencafes sind voll und die Leute guter Dinge. Schön. Ich hatte allerdings schon Hunger und landete bei einem Libanesen, der eine vegetarische Platte mit Spezialitäten aus dem Land der Zeder anbot, die es für mich sein sollte. Das wäre mir zu Beginn meiner Wanderung übrigens noch nicht passiert, aber mittlerweile sagt mir mein Körper, was er braucht und das kriegt er dann. Zu Beginn war das viel stärker von kulinarischer Neugier überlagert. Die ist zwar immer noch da, aber nicht mehr sooo dominant. Mal schauen wie das weitergeht, weil ich mich schon wie Bolle auf die baskische Küche und ihre Pintchos freue. ? Aber das ist ja nun noch ein wenig hin und ich beschließe den Abend mit einem Rose beim Rugby in der Sportsbar. Verstehen tue ich dieses Spiel zwar immer noch nicht, aber wie der ganze Laden bei einem Foul (Was ist das beim Rugby???) austickt, ist schon eine Schau. Jetzt scheints spannend zu werden. Also, tschüss…